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Das barocke Fest: Die Bühne der Macht

Niemals zuvor haben Europas Fürsten so prächtige Feste veranstaltet wie im Barock. Denn dies ist das Zeitalter der Inszenierung, in dem der glänzende Schein über den Rang eines Monarchen entscheidet – oft mehr noch als die Größe seines Landes oder seiner Armee.

Lesen Sie einen Auszug aus der Erstausgabe von GEOEPOCHE EDITION zum Thema "Barock":

Die kaiserliche Gesellschaft tanzt unter Sternen und beim Schein Hunderter Fackeln in die Nacht. Man schläft lange in Schloss Hof und tafelt Stunden. Die Herren erlegen von einem Holzhaus aus, das nur für diese Jagd auf Pfähle in die Donau gebaut worden ist, 1000 Hasen, 136 Füchse und 60 Eber.

Am Abend sehen sie ein Theaterstück, am nächsten hören sie eine Oper. Sie werden in festlich geschmückten Barken zu Musik durch den Strom geschaukelt. Sie lustwandeln im Park und bestaunen geheimnisvolle Inseln voller Blüten, die wie von Zauberhand über einen See schwimmen.

Bacchus torkelt, umflattert von Nymphen, in einem tollen Festzug zwischen mythologischen Helden durch die Gärten.

Seine Weinfässer werden von bekränzten Ochsen gezogen, deren Hörner vergoldet sind. Dahinter rollt auf Rädern ein Schiff heran, das mit Käse, Broten und erlegtem Wild behangen ist und von 350 maskierten und kostümierten Bauern in Bocksprüngen begleitet wird. Unten am Ufer schießen die Herren auf Scheiben, und immer, wenn jemand trifft, zischen und krachen Raketen und Feuerwerkskörper in den Himmel und regnen als Blumenorgien wieder herab.

Drei Tage dauert im Spätsommer 1754 dieses Fest, gegeben zu Ehren des deutsch-österreichischen Kaiserpaars Maria Theresia und Franz Stephan. Die 37-jährige Kaiserin wird ihrem Mann danach das Schloss mit dem prächtigen Barockgarten schenken.

Das Fest gleicht einem Abgesang auf die feudale Epoche

Zwei Jahre sind es noch bis zum Siebenjährigen Krieg, in dem Österreich versuchen wird, Schlesien von Preußen zurückzuerobern. Und dieses Fest ist eine der letzten großen Barockfeiern, die wie der Abgesang auf ein Luxus-Universum ist, auf eine wahnwitzige, großartige, überhitzte, feudale Epoche.

Denn zwischen Renaissance und Klassizismus rauscht ein bacchantischer Festzug durch Europas Schlösser und Kirchen. Am Anfang geht aller Glanz von Italien aus, zündet Spanien an und entfacht dann ein loderndes Feuer in Frankreich, in Versailles, im Sonnenstaat. Und der sendet seine heißen Strahlen, seine Bälle, Kostümfeste, Feuerwerke, Theaterstücke, seine Opern mit Primadonnen und Kastraten, seine Menuette, Ballette und Bankette, auf denen Schwärme von Fasanen und Rudel von Rehen verspeist und zum Dessert Pyramiden von kandierten Früchten serviert werden, an den englischen Königshof, den Kaiserhof in Wien, zum Kurfürsten nach Sachsen, nach Warschau, Stockholm und zum Zarenhof in St. Petersburg.

Europas Regenten sind im Luxustaumel. Und Festanlässe gibt es immer und genug: Geburten, Taufen, Hochzeiten, Namenstage, ein Sieg über den Feind, ein Friedensvertrag, eine Genesung, ein Staatsbesuch, eine Grundsteinlegung, die Einkleidung einer fürstlichen Nonne, unendlich viele Kirchentage – oder auch eine Konversion.

Den vollständigen Text können Sie in der Erstausgabe von GEOEPOCHE EDITION zum Thema "Barock" nachlesen.

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Ebenso wie die weltlichen inszenieren auch die geistlichen Fürsten Prunkfeste, um sich verherrlichen zu lassen. So ist der Aufenthalt Königin Christinas von Schweden in Rom ein ununterbrochener Reigen von Opernaufführungen, Banketten und Prozessionen - etwa am 2. Februar 1656 im Hof des Palazzo Barberini

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