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Der Mann mit der eisernen Maske

Mehr als 30 Jahre lang hält Ludwig XIV. einen mysteriösen Häftling gefangen. Wer ist der Sträfling, der von 1669 bis ans Ende seines Lebens im Kerker sitzt – und dessen Gesicht stets eine Maske verdeckt?

Lesen Sie einen Auszug aus der neuen Ausgabe von GEOEPOCHE zum Thema "Der Sonnenkönig":

Zu den Verliesen! Fackellicht leuchtet den Schatten voran, die über die Mauern und Decken gleiten, hinein in die Welt aus dunklen, steinernen Gängen. Schritte hallen, Stimmen. Zelle um Zelle öffnen die Revolutionäre, die jedem Gefangenen die gleiche Nachricht überbringen: Hinaus, ihr seid frei!

Schließlich gelangen die Aufständischen an eine Tür mit schwerem Riegel. Sie öffnen, halten die Fackel in den Raum, die Flamme zischt. Beleuchtet ein Gewölbe, ein Tisch mit Krug ist in ihrem Schein zu erkennen, eine in die Wand eingelassene Kette. Daran ein Skelett, noch Kleiderfetzen an den Knochen. Ein Helm aus Eisen daneben, in den der Kopf des Gefangenen gezwängt gewesen sein muss – wohl, um seine Anonymität zu wahren. So entsetzlich ist der Anblick, dass einer der Männer gestützt wird, damit er nicht die Fassung verliert.

Nichts ist wahr an dieser Szene, doch wird sie sogar als Bild mit Schlagzeile in einer Zeitung verbreitet, kaum haben die Pariser am 14. Juli 1789 die Bastille gestürmt und erobert, das Sinnbild des verhassten Regimes. Denn das Volk braucht eine Geschichte, die seinen Glauben bestärkt, einen Despoten zu stürzen, ein barbarisches System, das zu solchen Grausamkeiten fähig ist.

Die Wirklichkeit taugt dafür nicht: Lediglich sieben Häftlinge erhalten nach dem Sturm des Staatsgefängnisses in Paris die Freiheit. Daher machen Journalisten nun zur konkreten Entdeckung, was über lange Zeit nur als schaurige Legende die französische Gesellschaft unterhalten hat, genährt aus Gerüchten, Halbwahrheiten, Spekulationen: den Mythos vom Mann mit der eisernen Maske.

Einen maskierten Häftling hat es tatsächlich gegeben

Schon mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor hat Liselotte von der Pfalz, die klatschfreudige Schwägerin Ludwigs XIV., von diesem mysteriösen Gefangenen in einem Brief berichtet: „Ein Mensch ist lange Jahre in der Bastille gesessen, der ist maskiert drin gestorben“, schrieb sie an ihre Tante, Kurfüstin Sophie von Hannover.

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Das Abnehmen der Maske ist dem Gefangenen verboten. Sonst aber erhält er viele Vergünstigungen: darf musizieren, sich Bücher zur Lektüre wünschen und draußen spazieren - doch nie mit unbedecktem Gesicht

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In der französischen Alpenfestung Exiles wird der unbekannte Mann mit der Maske fast sechs Jahre lang gefangen gehalten, ehe man ihn auf eine Mittelmeerinsel verlegt. Später wird die Pariser Bastille der letzte Kerker des Häftlings sein

„Er hatte zwei Musketiere auf beiden Seiten, im Falle, dass er die Maske abtät, ihn gleich niederzuschießen. Er hat maskiert gegessen und geschlafen. Es muss doch etwas Wichtiges gewesen sein, denn man hat ihn sonst sehr gut behandelt, gut untergebracht und ihm alles gegeben, was er begehrt hat. Er hat maskiert kommuniziert, war sehr fromm und hat beständig gelesen. Man hat sein Leben lang nicht erfahren können, wer der Mensch gewesen.“ Nicht alles daran ist höfischer Tratsch. Denn es hat während Ludwigs Regentschaft tatsächlich einen maskierten Häftling gegeben.

Bis zum heutigen Tag beschäftigt er Historiker und Forscher, beflügelt die Fantasie von Schriftstellern und Dichtern. Dutzende Theorien kursieren über den wahren Namen des Maskenmannes, doch zweifelsfrei geklärt wurde seine Identität nie. Wer war es, der gezwungen wurde, sein Gesicht ein Leben lang zu verbergen: ein Minister? Ein italienischer Doppelagent?

Oder gar: ein Bruder des Königs?

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEOEPOCHE zum Thema "Der Sonnenkönig" nachlesen.