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GEOEPOCHE-Buchtipps: Der Sonnenkönig

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion
In diesem Artikel
Fronde-Aufstände
Absolutistische Herrschaft
Jean-Baptiste Colbert
Molière
Holländischer Krieg
Giftmischer-Affäre
Der Hof von Versailles
Die Mississippi-Expedition
Die Vertreibung der Hugenotten
Der Mann mit der eisernen Maske
Das Ende des Sonnenkönigs

Fronde-Aufstände

FRONDE-AUFSTÄNDE

Orest A. Ranum, The Fronde. A French Revolution, 1648-1652 (WW Norton & Co, New York 1993) 386 Seiten, antiquarisch ab ca. 13 Euro.

Die beste Monografie, die zur Fronde (den Aufständen der Pariser Bürger und eines Teils des Hochadels gegen Ludwig XIV.) erhältlich ist, verfasst von einem Kenner des französischen Absolutismus. Ranum, inzwischen emeritierter Professor an der Johns-Hopkins-Universität und Gastlehrer an der Sorbonne, hat zahlreiche Bücher zur Geschichte Frankreichs im 17. Jahrhundert veröffentlicht.

Anka Muhlstein, Königinnen auf Zeit; Katherina von Medici, Maria von Medici, Anna von Österreich (Insel-Verlag, Frankfurt am Main 2005) 351 Seiten, 12,50 Euro.

Der Band enthält ein ausführliches Porträt der Regentin Anna, die ihrem Sohn Ludwig XIV. die Krone rettete und so seinen späteren Aufstieg zum Sonnenkönig erst möglich machte. Interessant dabei die vergleichende Perspektive auf zwei ähnliche Mutter-Sohn-Beziehungen aus der französischen Geschichte.

Absolutistische Herrschaft

ABSOLUTISTISCHE HERRSCHAFT

Uwe Schultz, Der Herrscher von Versailles. Ludwig XIV. und seine Zeit (C. H. Beck, München 2006), 442 Seiten, 24,90 Euro.

Der Wahl-Pariser Uwe Schultz ist Preisträger des Deutsch-Französischen Kulturrats für Essayistik – wer um die Liebe der Franzosen zum eleganten Stil weiß, wird nun auch von seiner Ludwig-Biographie nicht enttäuscht. Sie ist lebendig erzählt, ohne effekthascherisch zu werden; das Drama wird pointiert inszeniert, die Sprache bleibt klassisch-geschmeidig. So entsteht ein leichtfüßiges Königsporträt, bisweilen mild ironisch, auch einmal bissig, das sich doch stets einen menschlichen Blick bewahrt. Geschichte zum Schmökern.

Jean Meyer, Frankreich im Zeitalter des Absolutismus 1515–1789 (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990) [= Geschichte Frankreichs, hgg. v. Jean Favier, Bd. 3], 575 Seiten, 39,80 Euro.

„Es ist schwierig, im Zusammenhang mit Ludwig XIV. unparteiisch zu bleiben!“ ruft der Autor zu Eingang des entsprechenden Teils aus. Immer wieder sucht er mühsam die Balance zu wahren zwischen Faszination und Skepsis. Und liefert eine Skizze, die sorgsam in die historischen Hintergründe eingebettet ist, in fast 300 Jahre französische Geschichte. Der lange Weg in den Absolutismus wird geschildert, der Beitrag Ludwigs zum Erstarren der Monarchie erörtert, an deren Ende die Revolution stand – facettenreich, gut lesbar, umfassend.

Klaus Malettke, Die Bourbonen. Band 1: Von Heinrich IV. bis Ludwig XIV. 1589 – 1715 (W. Kohlhammer, Stuttgart 2008), 304 Seiten, 30 Euro.

Der Studienabriss für Lehrer, Studenten, auch Oberstufenschüler. Nüchtern und auf aktuellem Stand werden die Fakten dargelegt, widersprüchliche Interpretationen gegeneinander abgewogen. Klar, kompakt, ohne unnötigen Fachjargon. Überaus nützlich.

Jean-Christian Petitfils, Louis XIV (Perrin, Paris 2008), 775 Seiten, ab 12 Euro bei Amazon.

Die aktuelle französische Großbiographie ist ein Lesegenuss: intelligent gebaut, elegant erzählt, von souveräner Übersicht. Detailreich, ohne sich im Klein-klein des Geschehens zu verlieren, erweckt Petitfils eine Zeit zum Leben, leuchtet die Hintergründe präzise aus und zeichnet mit wenigen Strichen plastische Figuren – auch in der klaren, ja harten Charakterisierung noch abwägend.

GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt
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Jean-Baptiste Colbert

JEAN-BAPTISTE COLBERT

Klaus Malettke, Jean-Baptiste Colbert. Aufstieg im Dienste des Königs (Musterschmidt, Göttingen 1977), 115 Seiten, antiquarisch ab ca. 15 Euro.

In seiner Biografie gelingt es dem deutschen Historiker und Kenner der französischen Geschichte, auf knappem Raum die beeindruckende Karriere von Jean-Baptiste Colbert nachzuzeichnen: In kurzer Zeit stieg der Bürgersohn zum wichtigsten Vertrauten von Ludwig XIV. auf, lenkte als Superminister des Sonnenkönigs über zwanzig Jahre lang die Geschicke Frankreichs. Durchaus kritisch beleuchtet Malettke die Erfolge und Misserfolge Colberts, der von früheren Geschichtsschreibern oft glorifiziert wurde. Was bleibt, ist das ausgewogene Porträt eines faszinierenden Machtmenschen, der mit einer gewaltigen Kraftanstrengung ein ganzes Land umzuformen versuchte.

L.T.C. Rolt, From Sea to Sea. The Canal du Midi (Allen Lane, London 1973), 198 Seiten, antiquarisch ab ca. 15 Euro etwa bei www.zvab.com.

Seit über drei Jahrhunderten schlängelt er sich durch die malerische Landschaft Südfrankreichs: der Canal du Midi. Der Bau der fast 240 Kilometer langen Wasserstraße unter Ludwig XIV. war eine technische Meisterleistung: Niemand hatte zuvor Ähnliches gewagt. Auf der Spur der Erbauer befuhr 1971 der englische Schriftsteller L.T.C. Rolt den Canal du Midi. In seinem Buch erzählt der gelernte Ingenieur die Geschichte des Kanals von der Planung bis zur heutigen Zeit. Mitfühlend schildert er etwa, wie der Baumeister Pierre Paul Riquet, ein reicher Grundbesitzer und Hobby-Ingenieur, immer wieder gegen technische Probleme und den Widerstand seiner Gegner ankämpfen muss, wie er sich – oft mit Hilfe des zweitmächtigsten Mannes im Königreich, Jean-Baptiste Colbert – immer wieder durchsetzt. Rolt beschreibt, wie sich der Kanal nach der Einweihung im Jahr 1681 erst zum wichtigen Handelsweg, dann zur Touristenattraktion entwickelt. Eine kenntnisreiche Würdigung des historischen Wasserweges, erzählt von einem Liebhaber.

Molière

MOLIÈRE

Virginia Scott, Molière: A Theatrical Life (Cambridge University Press 2000), 344 Seiten, um 24 Euro.

Virginia Scott, Professorin der Theaterwissenschaften an der Universität von Massachusetts, schreibt Bühnengeschichte als Wirtschaftsgeschichte: Ihr Buch listet nicht nur akribisch Bilanzen, Mietverträge und Gratifikationen auf, sondern beschreibt auch die Konkurrenzkämpfe auf den Unterhaltungs-Märkten der Zeit. Gleichzeitig schlägt sich Scott mit erklärter Vorsicht durch den Wald der Mythen, die sich um das Leben des Dichters ranken – und geht nebenbei ausführlich der Frage nach, ob Molière, wie manche Zeitgenossen behaupteten, tatsächlich die Tochter seiner Geliebten geheiratet hat.

Jürgen Grimm, Moliere (Metzler, Stuttgart 1984), 222 Seiten, 13,90 Euro.

Ein ebenso kompakter wie kompetenter Einstieg in Werk und Leben des Klassikers ist das Kompendium „Molière“ von Jürgen Grimm, emeritierter Professor für Romanische Philologie an der Universität Münster. Durchaus kontrovers diskutiert Grimm die Entstehung der Stücke – und stellt sie in ihr gesellschaftliches Umfeld: Er untersucht das Verhältnis des Dichters zu König, Adel und Bürgertum, fächert die Soziologie des Theaterpublikums auf und beschreibt die ideologischen Scharmützel der Zeit, in denen auch Molières Figuren agieren – zwischen Frommen und Frömmlern, Arrivierten und Parvenüs, „Preziösen“ und Verfechtern des „gesunden Menschenverstands“.

Holländischer Krieg

HOLLÄNDISCHER KRIEG

John A. Lynn, The Wars of Louis XIV. 1667-1714 (Addison Wesley, New York 1999), 421 Seiten, 38,99 Euro.

Von der Leidenschaft Ludwigs XIV. für Luxus, klassische Musik und rauschende Feste hört man bereits in der Mittelschule. Weniger bekannt ist die Passion des Sonnenkönigs für das Kriegswesen. Dabei stand das absolutistische Frankreich ab den Jahr 1672 während vier Jahrzehnten fast ununterbrochen im Krieg. Der amerikanische Militärhistoriker John A. Lynn beschreibt, was für Lustgefühle und romantische Vorstellung Ludwig mit dem Kampf auf dem Schlachtfeld verbindet. Er würdigt die Strategie der französischen Eroberungszüge und die raffinierten Belagerungstechniken, beleuchtet aber auch, wie Ludwigs Truppen Zivilisten abschlachten und die ständigen Kriege die französische Landbevölkerung aushungern und ausbluten: ein spannender Einblick in das Militärwesen des 17. und 18. Jahrhunderts. Ebenfalls sehr präzise und verlässliche Darstellung des europäischen Krieges um die Spanische Erbfolge von 1701 bis 1714, des letzten und größten Krieges, den Ludwig XIV. beginnt.

Peter Burke, Ludwig XIV. – Die Inszenierung des Sonnenkönigs (Wagenbach, Berlin 2001), 278 Seiten, 13,90 Euro.

Für seine französischen Untertanen repräsentierte Ludwig XIV. die Präsenz Gottes auf Erden. Heute, rund 300 Jahre später, symbolisiert er in ganz Europa – wie wohl kein zweiter Monarch – die absolutistische Staatsform. Doch wie gelang es Ludwig XIV., dieses Image aufzubauen? Peter Burke, Professor für Kulturgeschichte an der Universität Cambridge, schildert unterhaltsam und detailreich, was der Sonnenkönig alles in Bewegung setzte, um seine Regierungszeit (und insbesondere den Holländischen Krieg 1672-1679) vor dem französischen Volk und der Welt als einen einzigen großen Triumph darzustellen. Burke zeigt auf, wie Hofmaler, Dichter, Journalisten sich in ihren Huldigungen an den Sonnenkönig gegenseitig zu übertreffen suchten – und dabei immer stärker von der Realität entfernten.

Christoph Driessen, Geschichte der Niederlande – von der Seemacht zum Trendland (Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009), 304 Seiten, 26,90 Euro.

Anekdotenreich und mit viel Sinn für Humor schildert der Historiker Christoph Driessen den Weg der Niederländischen Republik vom Freiheitskampf gegen das spanische Königshaus bis ins 21. Jahrhundert. In seinem Buch macht man Bekanntschaft mit Prinzen, Piraten, Offizieren, Patriziern, Dichtern, Malern, Tulpenspekulanten und Verrätern. Driessen arbeitet heraus, wie stark sich die freiheitsliebende junge Republik vom absolutistischen Frankreich unterscheidet. Ob er den katastrophalen Zustand der niederländischen Armee vor dem französischen Angriff schildert, den Lynchmord an den Brüdern de Witt oder die Brutalität der französischen Truppen gegen Bauern in der Provinz Gelderland: Dem Autor gelingt es, das 17. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen, und er weckt, bei aller Kritik an Missständen, viel Sympathie für die Niederlande.

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Giftmischer-Affäre

GIFTMISCHER-AFFÄRE

Jacques Hillairet, Dictionnaire historique des rues de Paris (Editions de Minuit, Paris 1985), zwei Bände, 1600 Seiten, antiquarisch ab etwa 165 Euro.

Er muss ein Besessener gewesen sein: Der Colonel Auguste André Coussillan, der unter dem Pseudonym Hillairet Bücher über das alte Paris schrieb. 1963 ist sein Nachschlagewerk erstmals erschienen, für das er die Geschichte sämtlicher Boulevards, Straßen und Gässchen der französischen Hauptstadt zusammengetragen hat. Der Leser erfährt, durch wessen erlauchte Hände die Wohnungen an der heutigen Place de Vosges gingen, in welchem Haus Madame de Sevigné ihren Salon zu halten pflegte, und warum sich zwei Männer neben der Statue des Königs duellierten. Dank seines Registers, in dem alle wechselnden Namen der Pariser Straßen verzeichnet sind, lässt sich das Lexikon wie ein Reiseführer benutzen. Genauso gut kann man aber darin herumstöbern, sich festlesen und sich in der Geschichte von Paris verlieren.

Leon Bernard, The Emerging City: Paris in the Age of Louis XIV. (Duke University Press, Durham 1970), 326 Seiten, antiquarisch ab etwa 50 Euro.

Bernard beschreibt eine mittelalterliche Stadt, die sich modernen Problemen stellen muss, einen Minister, der davon träumt, wenigstens die zivilisatorischen Errungenschaften des alten Rom wieder zu erreichen: öffentliche Latrinen, eine organisierte Polizei. Und einen König, dessen Verhältnis zur Hauptstadt zwischen Stolz, Furcht und Desinteresse schwankt. Lebendig erzählt, humorvoll geschrieben, erweckt Bernards Buch die Stadt zum Leben, ihre Bettler, Vagabunden, Prostituierten, ihre Schauspieler, ihre reichen Bürger, ihre Adeligen.

Der Hof von Versailles

DER HOF VON VERSAILLES

Tony Spawforth, Versailles, A Biography of a Palace (St. Martin’s Press, New York 2008), 304 Seiten, 14,99 Euro.

Spawforth ist Professor für Alte Geschichte im britischen Newcastle – und vielleicht ist es gerade diese leichte fachliche Distanz, die den Reiz seines Buches ausmacht. Denn viele Werke über Ludwig XIV. und, ganz besonders, über das prunkvollste seiner Schlösser dienen entweder der Heldenverehrung (der größte aller Monarchen baut das schönste aller Schlösser) oder dem Denkmalsturz (der Tyrann verprasst ein Volksvermögen im Lustschloss und hat sich die Revolution selbst zuzuschreiben.) Spawforth hingegen zeichnet detailgenau und nicht ohne Ironie die Geschichte jener Residenz zu Versailles, die als unbedeutendes Jagdschloss unter Ludwig XIII. begann, unter Ludwig XIV. in jeder Hinsicht zum Zentrum einer Weltmacht avancierte, unter Ludwig XV. zum Mätressenhof degenerierte und schließlich, im melancholischen Abenddämmer Ludwigs XVI. und seiner Gattin Marie-Antoinette, zur Zeitkapsel wurde, in der ein König und sein Hofstaat erstarrt, isoliert und ahnungslos ihrem Untergang entgegentrieben.

Jean-Marie Pérouse de Montclos und Robert Polidori, Versailles (Könemann, Köln 1996), 424 Seiten, 68,00 Euro.

Ein Standardwerk, schwer wie eine Spiegelplatte aus der berühmten Galerie des Schlosses. Der Autor ist Historiker, Literaturwissenschaftler und Denkmalpfleger. Sein Text ist gewichtig und gestelzt – Ludwig XIV. selbst hätte sich bei der Lektüre wohl schnell gelangweilt. Polidoris Bilder strahlen die dokumentarische Nüchternheit eines Inventars aus – eines Inventars allerdings aus den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Nach diversen Restaurierungen befinden sich manche Appartements heute in einem etwas veränderten Zustand. (Und viele andere sind gar nicht zugänglich – hier bleiben nur die Bilder dieses Werkes.) Leider ist dieses Buch jedoch, erstens, viel zu schwer, um es vor Ort als eine Art Architektur- und Gartenführer benutzen zu können. Und es ist, zweitens, thematisch etwas verwirrend gegliedert, sodass es dem Leser, der eben nicht vor Ort weilt, nur schwer einen Gesamteindruck jenes Schlosses vermittelt.

Helmuth Kiesel (Hg.), Briefe der Liselotte von der Pfalz (Insel, Frankfurt/M. 4. Aufl. 1986), 284 Seiten, antiquarisch ab 3,00 Euro.

Deutsches Adelsfräulein, dann Schwägerin Ludwigs XIV., jahrelange Augenzeugin des Hoflebens zu Versailles, Klatschtante, Lästermaul, kluge Beobachterin, manische Briefeschreiberin: Ein Menschenalter lang verbrachte Liselotte von der Pfalz in Versailles und in den anderen Residenzen des Sonnenkönigs. Sie schrieb Tausende Briefe an Freundinnen und Verwandte, in denen sie vom Hof berichtete. Und seither gibt es zumindest gefühlte Tausende von Editionen ihrer Schreiben und Studien zu ihrem Werk. Diese von Helmuth Kiesel besorgte Taschenbuchausgabe ist handlich, vergnüglich, sparsam und erhellend kommentiert: Eine Zeitreise an den Hof des Sonnenkönigs und das Selbstporträt einer Frau, deren Leben, genau besehen, dem einer gepuderten Gefangenen glich.

Die Mississippi-Expedition

DIE MISSISSIPPI-EXPEDITION

Francis Parkman, La Salle and the Discovery of the Great West (Random House, New York 1999), 326 Seiten, 11,99 Euro.

Auch fast anderthalb Jahrhunderten nach der ersten Auflage ist dies noch immer der Klassiker. Wer sich mit La Salle und seiner verwegenen Expedition auf dem Mississippi beschäftigen will, muss zu Francis Parkmans Biografie greifen. Es lohnt sich. In schnörkelloser Prosa geschrieben, schildert dieses Standardwerk minutiös La Salles geradezu verzweifelten Versuche, sein Glück zu machen. Das sollte ihm nicht gelingen, dafür aber hat er Geschichte gemacht – und der amerikanische Historiker hat das festgehalten.

William C Foster (Hrsg.), The La Salle Expedition on the Mississippi River: A Lost Manuscript of Nicolas de La Salle, 1682 (Texas State Historical Association, Austin 2003), 175 Seiten, 30,99 Euro.

Dieses Buch ist eine mit informativen – und lesbaren – Fußnoten versehene Übersetzung des Tagebuchs eines der Teilnehmer von La Salles Mississippi-Expedition. Nicolas de La Salle, der nicht mit Robert de La Salle verwandt war, hat in kurzen Einträgen den Verlauf des Abenteuers festgehalten: die wilde Fahrt auf dem Mississippi.

Donald S. Johnson, La Salle: A Perilous Odyssey from Canada to the Gulf of Mexico (Cooper Square Press, New York 2002), 259 Seiten, 19,99 Euro.

Johnson erzählt nicht nur das Leben La Salles nach (wobei er sich im Wesentlichen auf die Biografie Parkmans stützt). Vielmehr ordnet er La Salles Expeditionen in die Entdeckungsgeschichte Amerikas und in den historischen Kontext ein – die Rivalität der europäischen Großmächte, ausgetragen jenseits des Atlantiks in den Wäldern und weiten Ebenen Kanadas und Amerikas.

Die Vertreibung der Hugenotten

DIE VERTREIBUNG DER HUGENOTTEN

Yves Krumenacker (Hrsg.), Das Journal von Jean Migault. Leiden und Flucht einer hugenottischen Familie (1682-1689) (Verlag der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft e.V., Bad Karlshafen 2003), 148 Seiten, 14,80 Euro.

Für seine Kinder hat der hugenottische Provinzschulmeister Jean Migault seine Geschichte aufgeschrieben, ohne literarischen Anspruch. Die Geschichte eines friedfertigen Menschen, der glücklich wäre mit seinem Los, wenn man ihn denn in Ruhe ließe. Aber er wird aus seinem Leben gedrängt, muss flüchten, für seine große Familie kämpfen und immer wieder neu anfangen – weil er sich nicht der Mehrheit anpasst. Die Geschichte der Bedrängung der Hugenotten unter der Herrschaft Ludwigs XIV. Eine Geschichte von Ausgrenzung, Intoleranz und Verfolgung, dreihundert Jahre alt und ganz aktuell.

Der Mann mit der eisernen Maske

DER MANN MIT DER EISERNEN MASKE

John Noone, Der Mann hinter der eisernen Maske (Magnus Verlag, Essen 2004), 328 Seiten, 12,95 Euro

Ebenso unterhaltsames wie informatives Buch über den berühmtesten Gefangenen Ludwigs XIV., der mehr als 30 Jahre in verschiedenen Kerkern eingesperrt war und sein Gesicht stets hinter einer Maske verbergen musste. Noone zeichnet zudem ein eindrucksvolles Gesellschaftsbild dieser Zeit.

Alexandre Dumas, Der Mann in der eisernen Maske (Aufbau Taschenbuch, Berlin 2009), 549 Seiten, 9,95 Euro.

Die berühmteste Umsetzung der Geschichte des Maskenmannes, von Dumas mit viel schriftstellerischer Fantasie dargeboten. Das Werk ist ursprünglich Teil des mehrbändigen Romans „Der Vicomte de Bragelonne“, der zweiten Fortsetzung der Musketier-Geschichte.

Das Ende des Sonnenkönigs

SPANISCHER ERBFOLGEKRIEG UND DAS ENDE DES SONNENKÖNIGS

Louis de Rouvroy, Herzog von Saint-Simon, Memoiren (Frankfurt am Main, Ullstein 1977) vier Bände, 1424 Seiten, antiquarisch ab ca. 25 Euro.

Der Herzog von Saint-Simon war Offizier am Hof Ludwigs XIV., verstrickt in Intrigen und Machtspiele und daher ein sehr parteilicher Beobachter. Dennoch – oder gerade: deswegen – sind seine Erinnerungen eine faszinierende Geschichtsquelle aus erster Hand. Sie zeigen den Sonnenkönig aus nächster Nähe, seine Zeremonien und Selbstinszenierungen und schließlich auch das langsame Sterben Ludwigs XIV. in Versailles.