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GEOEPOCHE-Buchtipps: Der Zweite Weltkrieg - Teil 1

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion.
In diesem Artikel
Nachgeschlagen
Vorabend des Krieges
Kriegsbeginn
Quisling-Putsch
Dünkirchen
Churchhill
Luftschlacht
Paris
Die "Bismarck"
Überfall auf die UdSSR
"Lilli Marleen"
Enigma
U-Boot-Krieg
Pearl Harbor
Wannsee-Konferenz
Rommel
Holocaust
Guadalcanal
Kriegswende

Nachgeschlagen

NACHGESCHLAGEN

Gerhard Schreiber, Der Zweite Weltkrieg (C. H. Beck, München 2002), 128 Seiten, 7,90 Euro.

67 verfeindete Staaten, Schlachtfelder vom Eismeer bis zum Südpazifik, vom Ural bis zu den Dschungeln Burmas, von den Vororten Moskaus bis zum Brandenburger Tor. Sechs Jahre Krieg, vertriebene Völker, verschobene Grenzen, mehr als 55 Millionen Tote: Der von Adolf Hitler ausgelöste Zweite Weltkrieg ist in seinen Dimensionen so gewaltig und schwer zu überblicken, dass jede Kurzdarstellung eigentlich nur scheitern kann. Gerhard Schreiber aber ist es gelungen, nicht nur den Verlauf des Weltenbrandes zu skizzieren, sondern darüber hinaus auch die Vorgeschichte des Krieges zu beleuchten: „von der Einverleibung der Mandschurei durch Japan 1931 bis zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945“. Absolut lesenswert, ebenso wie der Klassiker von Andreas Hillgruber, Der 2. Weltkrieg 1939 - 1945. Kriegsziele und Strategie der großen Mächte (Kohlhammer, 6. erweiterte und ergänzte Auflage Stuttgart 1996) 216 Seiten, 22 Euro oder das 2005 bei Klett-Cotta erschienene Standardwerk des Militärhistorikers Rolf-Dieter Müller, Der letzte deutsche Krieg. 1939 - 1945, 416 Seiten, 12,95 Euro.

Volker Dahm et al. (Hrsg.), Die tödliche Utopie. Bilder, Texte, Dokumente, Daten zum Dritten Reich (Dokumentation Obersalzberg, Neuausgabe München 2008), 832 Seiten, 21,95 Euro (in der Ausstellung http://www.obersalzberg.de/ 13,95 Euro).

Wer in anschaulichen Bildern, gut lesbaren Texten und klug ausgewählten Dokumenten begreifen will, wie Adolf Hitlers Deutschland funktionieren und die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzen konnte, dem sei dieses Buch in die Hand gegeben. Auf dem neuesten Forschungsstand führen die Herausgeber den Leser durch die Zeit, in der Deutschland seine dunkelsten Stunden erlebte: vom Scheitern der Weimarer Republik, über den Aufstieg der NSDAP, die Machtergreifung Hitlers und den Aufbau seines Terror-Apparates bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Autoren stellen die „Rassenpolitik“ des NS-Regimes ebenso vor wie die Akteure, die sie trugen - aber auch all jene, die sich gegen das NS-Regime erhoben. Eine ausführliche Chronik von 1919-1945, nützliche Register und hervorragende Karten zum Kriegsverlauf runden den Band ab.

Christian Zentner (Hrsg.), Lexikon des Zweiten Weltkrieges mit einer Chronik der Ereignisse von 1939-1945 und ausgewählten Dokumenten (Südwest Verlag, München 1977), 312 Seiten, antiquarisch ab 2,99 Euro und in zahlreichen anderen Ausgaben erhältlich.

Noch immer ist das schon in die Jahre gekommene Lexikon von Christian Zentner eines der besten Nachschlagewerke zum Zweiten Weltkrieg in deutscher Sprache. Mit Stichworten von „A4“, der Abkürzung für Aggregat 4, der offiziellen Bezeichnung der Fernrakete V2 bis „Zwilling“, einem Beinamen des Schleppflugzeuges Heinkel He 111 Z bietet das Lexikon nicht nur Einträge über Waffen und Militärgerät, sondern über alle wichtigen Orte, Personen, Schlachten und Verträge des Zweiten Weltkrieges.

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GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

I. C. B. Dear & M. R. D. Foot (Hrsg.), The Oxford Companion to the Second World War (Oxford University Press, Oxford/New York 1995) 1344 Seiten, antiquarisch ab 25 Euro.

Der große amerikanische Bruder zu Zentners Lexikon, von dem es sich vor allem durch ausführliche Darstellungen der am Krieg beteiligten Länder, Literaturhinweise und Kartenmaterial abhebt.

Daniel Costelle/Isabelle Clarke, Der Krieg. Menschen im Zweiten Weltkrieg (Bucher Verlag, München 2010) 214 Seiten, 29,95 Euro (DVD der deutschen Filmfassung erschienen bei ARD Video, 16,99 Euro).

2009 wollte das Französische Fernsehen an den 70. Jahrestag des Kriegsbeginns erinnern. Zu diesem Anlass suchten die beiden renommierten Dokumentarfilmer Daniel Costelle und Isabelle Clarke nach einem neuen Weg, den Weltenbrand zu erzählen. Dabei herausgekommen ist eine hervorragende sechsteilige Dokumentation, die den Krieg so zeigt, wie ihn die Menschen damals erlebt haben: auf Augenhöhe und in Farbe. Genau diese bisher unpublizierten - behutsam in den originalen Tönen der damaligen Farbfilme nachkolorierten - Bilder sind es auch, die den nun auf Deutsch erschienenen Begleitband zur Serie so einmalig und absolut empfehlenswert machen. Leider gilt diese Qualität nicht immer für die Texte des Buches, die sich manches Mal im Ton vergreifen (etwa bei der Darstellung des Phänomens Rassismus, S. 200) oder in die Irre führen (Die „Einsatzgruppen“ des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler folgten der Wehrmacht bereits im September 1939 nach Polen, nicht erst im Oktober, S. 33. Die Deutschen starteten die „V2“ keineswegs - wie es hier scheint - nur von deutschen Küsten aus, S. 202).

Vorabend des Krieges

VORABEND DES KRIEGES - DER VERLORENE FRIEDEN

Mark Mazower, Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert (Alexander Fest Verlag, Berlin 2000) 640 Seiten, antiquarisch ab ca. 46 Euro.

Der Londoner Geschichtsprofessor Marzower zeigt in seinem glänzend geschriebenen Buch, wie es dazu kommen konnte, dass die Friedensordnung, die die Siegermächte des Ersten Weltkriegs auf den Pariser Konferenzen 1919 schufen, bereits nach wenigen Jahren zerbrach. Und er versucht die Frage zu beantworten, warum der vermeintlich zivilisierte Kontinent Europa zum Experimentierfeld zweier totalitärer Ideologien – des Kommunismus sowie des Nationalsozialismus – werden konnte.

Walther L. Bernecker, Europa zwischen den Weltkriegen 1914 - 1945 (Handbuch der Geschichte Europas – Band 9; UTB, Stuttgart 2002) 570 Seiten, 24,90 Euro.

Die Einzelheiten, die Mazower in seiner souveränen Gesamtschau häufig voraussetzt, nennt Bernecker in seinem Überblickswerk. Sein Buch ist nach Staaten aufgeteilt und stellt deren Entwicklung vom Ersten Weltkrieg, über die problembeladene Zwischenkriegszeit bis hin zum Zweiten Weltkrieg dar. Faszinierend zu lesen ist vor allem, wie sehr sich die Zwangslagen der europäischen Länder nach 1918 ähneln: Die Wirtschaftskrisen, die zahlreichen nationalen Minderheiten, die vielen zusammenbrechenden Demokratien, die der gewaltigen Schwierigkeiten nicht mehr Herr und von diktatorischen Regimes ersetzt wurden.

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Kriegsbeginn

KRIEGSBEGINN - DER ERSTE SCHUSS

Alfred Spieß & Heiner Lichtenstein, Unternehmen Tannenberg. Der Anlass zum Zweiten Weltkrieg (Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin 1989) 230 Seiten, antiquarisch ab 0,01 Euro erhältlich.

Grundlage dieses sehr informativen Bandes sind staatsanwaltliche Ermittlungen in der Bundesrepublik zu den Scheinangriffen, mit denen Adolf Hitler den Überfall auf Polen bemäntelte. Sie blieben letztlich ohne Anklage. Das Buch ist noch immer die ausführlichste Quelle zum Überfall auf den Sender Gleiwitz.

Ian Kershaw, Hitler 1889-1936 (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002) 976 Seiten, 25 Euro + Hitler 1936-1945 (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002) 1344 Seiten, 25 Euro.

Die monumentale Biografie Kershaws ist ein Standwerk der Forschung und zeichnet in ihrer ganzen Länge ein umfassendes Psychogramm des Hasardeurs Hitler. Auch die deutsche Expansionspolitik nach 1933 und das diplomatische Tauziehen vor Kriegsbeginn sind sehr ausführlich und packend geschildert. Eine lohnende Anschaffung.

Richard Overy, Die letzten zehn Tage: Europa am Vorabend des Zweiten Weltkriegs – 24. August bis 3. September 1939 (Pantheon Verlag, München 2009) 160 Seiten, 12,95 Euro.

Der britische Historiker Richard Overy, der in letzten Jahren mit zahlreichen Publikationen zur NS-Zeit hervorgetreten ist, verdichtet das Drama vor Kriegsbeginn auf die letzten zehn Tage. Souveräne Darstellung der Kulmination der europäischen Krise im Spätsommer 1939.

Quisling-Putsch

QUISLING-PUTSCH - VERRAT IN OSLO

Oddvar K. Hoidal, Quisling. A Study in Treason (Norwegian University Press, Oslo 1989) 913 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich.

Vidkun Quisling war ein Verlierer. Er fühlte sich zum Führer der Nation berufen, konnte aber nur wenige Anhänger um sich scharen. Nicht einmal diese verstanden seine verwobenen weltanschaulichen Lehren so richtig, und als Demagoge war er hoffnungslos unbegabt. Sein Versuch, Adolf Hitler als Steigbügelhalter zu benutzen, endete vor dem Erschießungskommando. Dennoch wurde er zum wohl berüchtigtsten Norweger aller Zeiten. Die bizarre Geschichte des Vidkun Quisling erzählt Oddvar K. Hoidal vor dem Hintergrund des europäischen Faschismus und des Zweiten Weltkriegs. Die Biografie des norwegischen Historikers, der als Professor in Kalifornien lehrte, ist ein Standardwerk über jenen Mann, dessen Name heute als Synonym für Verräter fungiert.

Robert Bohn, Reichskommissariat Norwegen. „Nationalsozialistische Neuordnung“ und Kriegswirtschaft (Oldenbourg, München 2000) 508 Seiten, EUR 49,80.

Die von Hitler eroberten Länder in Westeuropa wurden bald zu Motoren der deutschen Kriegsmaschine. Die Nazis eigneten sich die Rohstoffe an, stellten Industrie und Landwirtschaft in ihre Dienste und zwangen die Menschen gewaltsam, für die deutsche Rüstung zu arbeiten. In Norwegen betrieb Reichskommissar Terboven die rücksichtslose Ausbeutung des Landes. Wie er die Gestapo dazu einsetzte, wie planlos die Befehle aus Berlin waren und wie sich deutsche Konzerne die Schinkenstücke der norwegischen Wirtschaft sicherten, beleuchtet Robert Bohn im Detail. Akribische Wissenschaft in einer klaren, verständlichen Sprache.

Dünkirchen

DÜNKIRCHEN - FLUCHT ÜBER DAS WASSERE

Karl-Heinz Frieser, Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940 (Oldenbourg Verlag, München 2005) 496 Seiten, 29,80 Euro.

Die Publikation des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes bietet eine minutiöse Dokumentation des Westfeldzuges. Anhand zahlreicher Karten, Bilder und Schemazeichnungen lässt sich Hitlers Krieg gegen Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande nachvollziehen. Faktenreich analysiert der Autor, der nach eigenen Angaben rund 1500 Bücher und Aufsätze ausgewertet hat, verschiedene Theorien über die Hintergründe des „Halte-Befehls“ und die Genese des schillernden Begriffs „Blitzkrieg“.

Hugh Sebag-Montefiore, Dunkirk. Fight to the last man (Penguin Books, London 2007) 744 Seiten, 9,99 Euro.

Wer dicke Bücher und ausführliche Beschreibungen nicht scheut, wird von diesem Band begeistert sein: Der britische Journalist Hugh Sebag-Montefiore wendet sich in seiner Rekonstruktion der Ereignisse von Dünkirchen vor allem den Verteidigern der Stadt zu, die den flüchtenden Truppen an der Küste den Rücken frei hielten. Dabei lässt er zahlreiche Augenzeugen zu Wort kommen.

Julian Jackson, The Fall of France. The Nazi Invasion of 1940 (Oxford University Press, Oxford 2004) 296 Seiten, 11,99 Euro.

Ein gutes Überblickswerk eines Kenners der französischen Geschichte: Julian Jackson ist Professor an der University von London und hat mehrere Bücher über die Geschichte Frankreichs verfasst. In diesem Band liefert er eine knappe Rekonstruktion des Niedergangs der Dritten Französischen Republik. Eine gute Literaturempfehlungsliste am Ende bietet Anregungen für alle, die über einzelne Aspekte Ausführlicheres erfahren möchten.

Churchhill

CHURCHHILL - DAS LETZTE BOLLWERK

Peter Alter, Winston Churchill - Leben und Überleben (Kohlhammer, Stuttgart 2006) 326 Seiten, 19 Euro.

Peter Alter, emeritierter Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg/Essen, widmet sich in diesem Buch nicht nur dem "größten Engländer aller Zeiten", sondern auch dem Menschen hinter dem Denkmal - seinem Dandytum und seiner Hobbymalerei, seinem Größenwahn, seinen Depressionen und seinem Opportunismus. Gleichzeitig zeichnet Alter in lebhafter Sprache und mit großem Sachverstand Churchills politische Entwicklung nach - und zeigt so, dass dessen Schrullen seine historische Bedeutung um nichts schmälern.

Paul Addison, Churchill: The Unexpected Hero (Oxford University Press, Oxford 2006) 320 Seiten, 15,99 Euro.

Der Wahlspruch "Viel Feind, viel Ehr" könnte auf Churchill gemünzt worden sein - Addison, Historiker an der Universität Edinburgh, erzählt die Biografie des passionierten Kämpfers jedenfalls an dieser Maxime entlang. Denn sein Werk ist neben der Geschichte von Churchills Karriere eine Chronik der erbitterten Kritik, die dem streitlustigen Vollblutpolitiker von Anfang an und von allen Seiten entgegenschlug - und zugleich der Versuch einer Erklärung für die schließliche und erstaunlich nachhaltige Heiligsprechung des Kriegshelden, der die gesammelte Polemik der revisionistischen Geschichtsdeuter bis heute nichts anhaben konnte.

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Luftschlacht

LUFTSCHLACHT - DUELL AM HIMMEL

Alfred Price, The Hardest Day. The Battle of Britain (Haynes Publishing Group, Neuausgabe Sparkford 2010) 256 Seiten, 24,99 Euro.

Der Autor, einstmals selbst Pilot der Royal Air Force und heute anerkannter Experte für Luftfahrtgeschichte, rekonstruiert den 18. August 1940 vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Immer wieder lässt er dabei zwei Männer zu Wort kommen, den deutschen Piloten Günther Unger und den britischen Flieger Harry Newton, die an diesem verlustreichsten Tag in der Luftschlacht um England gegeneinander gekämpft haben - und die der Autor Jahrzehnte später miteinander bekannt gemacht hat. In den Mittelpunkt stellt Price das Erleben verschiedenster Akteure und Augenzeugen. Verwoben mit den Aktivitäten in den Militärhauptquartieren und Einsatzzentralen, veranschaulicht das Werk nicht nur einen einzigen Tag, sondern den Krieg überhaupt – mit all seinen Schrecken, aber auch seinen alltäglichen Banalitäten.

Julius Meimberg, Feindberührung. Erinnerungen 1939-1945 (Verlag Neunundzwanzigsechs, Moosburg 2002) 352 Seiten, 39,90 Euro (zu beziehen direkt beim Verlag http://www.neunundzwanzigsechs.de/).

Der Krieg aus Sicht eines deutschen Piloten: Julius Meimberg, der von Beginn bis Ende des Krieges für die Luftwaffe im Einsatz war, flog als 23-Jähriger auch in der Luftschlacht um England. Er erzählt voller Selbstreflexion vom Alltag der Flieger, von Abstürzen und Verletzungen, aber auch von Triumph- und Glücksgefühlen nach erfolgreichen Einsätzen. Dazu liefert er kenntnisreich kriegsstrategische und politische Hintergründe. Mit zunehmender Dauer des Krieges zweifelt der Pilot mehr und mehr an dessen Sinn – und an der militärischen Führung, der er vertraut hat.

Paris

PARIS - DIE STADT, DIE SICH NICHT WEHRT

Boris Vilé, Journal et lettres de prison (Allia, Paris 1998) 172 Seiten, 17,38 Euro (etwa über www.amazon.fr).

Vildé, Wissenschaftler am Musée de l’homme, war einer der ersten Widerstandskämpfer in Paris. Mit einigen Mitverschwörern veröffentlichte er unter anderem eine Untergrundzeitung. 1941 wurde er verraten, von der Gestapo verhaftet und später erschossen. Doch seine Briefe und sein Tagebuch aus der Haft blieben erhalten, weil die Deutschen sie noch während der Besatzungszeit der Witwe überreichten. Publiziert wurden sie allerdings erst mehr als vier Jahrzehnte nach Kriegsende. Das Vorwort des schmalen Bandes ist zugleich die Kurzbiografie eines mutigen Mannes. Eine kurze Buchvorstellung im Film gibt es unter: http://www.ina.fr/art-et-culture/litterature/video/CPC97101100/boris-vil...

Julian Jackson, France, The Dark Years 1940-1944 (Oxford University Press, Oxford 2001) 688 Seiten, 73,99 Euro.

Ein sehr faktenreicher, trotzdem gut lesbarer Überblick des US-Historikers über alle Aspekte der Besatzungszeit: Kollaboration und Résistance, Politik, Kultur, Alltag, Wirtschaft. Dazu eine Vorgeschichte, wie es überhaupt zu dem „Debakel“, der Niederlage von 1940 kommen konnte. Das Buch ist zum Standardwerk geworden und hat nur die eine Schwäche, die jede Überblicksdarstellung mit sich schleppen muss: Manchmal möchte man als Leser zu bestimmten Personen oder Vorgängen noch Genaueres wissen, doch da ist das jeweilige Kapitel schon wieder vorüber. Allerdings liefert Jackson eine ausführliche Bibliografie, so dass man sich problemlos mit weiterer Lektüre behelfen kann, wenn man mag.

Allan Mitchell, Nazi Paris. The History of an Occupation, 1940-1944 (Berghahn Books, Oxford/New York 2010) 240 Seiten, 23,99 Euro.

Noch eine amerikanische Studie, diesmal enger fokussiert: Auf die deutschen Besatzer in Paris, ihre Organisationen, ihre internen Intrigen, ihre Politik. Eine gute Ergänzung zu Jackson.

Edmonde Charles-Roux, Coco Chanel, Ein Leben (Fischer Taschenbuch Verlag, 7. Auflage Frankfurt a. M. 2005) 240 Seiten, 11,99 Euro.

Die französische Literatin (und ehemalige Chefredakteurin von „Vogue“) verfasste Chanels Biografie so elegant und geistreich wie ihre Protagonistin lebte und arbeitete. Dabei beschreibt Charles-Roux auch ausführlich die Besatzungszeit, die die Modeschöpferin an der Seite eines zwielichtigen, einflussreichen deutschen Liebhabers komfortabel verbrachte - und in der sie manche atemberaubende Intrige spann.

Ernst Jünger, Strahlungen I, Gärten und Straßen, Das erste Pariser Tagebuch, Kaukasische Aufzeichnungen (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1988) 496 Seiten, 14,00 Euro.

Jünger, elitärer Großliterat der Zwischenkriegszeit, Soldat, Demokratieverächter und kluger Beobachter, verbrachte einen großen Teil des Zweiten Weltkrieges als Besatzungsoffizier in Paris. Sein Tagebuch ist ebenso Momentaufnahme einer desorientierten Metropole wie Innensicht eines kalten Ästheten. In der Nachkriegszeit wurde die Aufzeichnung Teil der veröffentlichten Sammlung „Strahlungen“. Die zweite Hälfte des Pariser Tagebuchs erschien im Band „Strahlungen II“, der ebenfalls bei dtv erschien - der aber, anders als Band 1, nur noch antiquarisch erhältlich ist.

Die "Bismarck"

DIE "BISMARCK" - GEHEIMFAHRT IN DEN TOD

Jochen Brennecke, Schlachtschiff Bismarck (Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 1997) 619 Seiten, gebraucht ab 6 Euro erhältlich oder in Bibliotheken.

Dieses umfassende Werk zur „Bismarck“ erzählt ihre Geschichte vom Bau bis zum Untergang. Die „Operation Rheinübung“ wird sehr detailliert beschrieben – das ist anschaulich, aber mitunter wegen diverser Zeitsprünge, militärischer Fachbegriffe und Nachzeichnungen des Funkverkehrs auch etwas ermüdend. Sehr hilfreich: Die Kapitel zur deutschen Seekriegsführung und zu den maßgeblich beteiligten Personen.

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Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg, Schlachtschiff Bismarck – ein Überlebender in seiner Zeit (Ullstein Verlag, Frankfurt/Main 3. Auflage 1992) 432 Seiten, 14,95 Euro.

Müllenheim-Rechberg war seit Inbetriebnahme des Schiffes Artillerieoffizier auf der „Bismarck“ und wurde bei deren Untergang von der britischen Marine gerettet. Sein Buch ist eine spannend zu lesende Mischung aus Tatsachenbericht, eigenem Erleben und eigenen Gedanken. Sehr angenehm ist auch die Sprache des Buches – sie verzichtet auf jede militärisch-zackige Attitüde. So liest sich der Wälzer flüssig wie ein guter Roman.

Überfall auf die UdSSR

ÜBERFALL AUF DIE UDSSR - TERRORKRIEG

Christian Hartmann, Wehrmacht im Ostkrieg, Front und Militärisches Hinterland 1941/42 (Oldenbourg Verlag, München 2009) 928 Seiten, 59,80 Euro.

Standardwerk zur Wehrmacht von einem der führenden Militärhistoriker Deutschlands. Präzise und anschaulich analysiert Christian Hartmann den Weg, den Charakter und die Verbrechen fünf repräsentativer deutscher Divisionen: Drei Front- und zwei Besatzungsverbände. Quellenreich und flüssig geschrieben gelingt ihm damit ein differenziertes Modell des Ostheeres, das zwischen Einzeldarstellung und Überblickswerk seinen Platz findet. Es ist der letzte Band des Forschungsprojektes “Wehrmacht in der NS-Diktatur”, das als Reaktion auf die umstrittene erste “Wehrmachtsausstellung” entstand. Christian Hartmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München, stellvertretender Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte und Dozent an der Universität der Bundeswehr München.

Gerd Ueberschär (Hrsg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion, “Unternehmen Barbarossa” 1941 (Fischer Taschenbuch Verlag 1997) 419 Seiten, gebraucht ab 2 Euro.

Mitarbeiter des renommierten Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Freiburg zerstören die Legende der “Präventivkriegsthese”, nach der Hitler lediglich einem Angriff Stalins zuvorgekommen sei. Stattdessen wird facettenreich beschrieben wie der deutsche Diktator den Krieg gegen die Sowjetunion seit 1933 vorbereitet - und wie er die Vision vom “Lebensraum im Osten” mit den traditionellen Eliten in Wirtschaft, Militär, Bürokratie und in den Kirchen geteilt hat. Mehr als 100 Seiten nehmen ausgewählte Dokumente zum Vernichtungskrieg ein.

Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht, Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944 (Oldenbourg Verlag, München 2008) 399 Seiten, 39,80 Euro.

Seit ihrem Angriff auf die Sowjetunion bekämpfte die Wehrmacht nicht nur die Rote Armee, sondern verwaltete zugleich große Teile der Sowjetunion. Der Historiker Dieter Pohl vom Institut für Zeitgeschichte München analysiert auf der Basis neuer Quellen die Behandlung von Zivilisten und Kriegsgefangenen unter deutscher Militärbesatzung. Mit einem Vergleich der Besatzungspolitik anderer Staaten entstand so eines der umfassendsten Arbeiten zu den Verbrechen hinter der Front.

"Lilli Marleen"

"LILLI MARLEEN" - DAS LIED VOM KRIEG

Christian Peters, Lili Marleen. Ein Schlager macht Geschichte (Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2006), 56 Seiten, nur noch antiquarisch ab etwa 14 Euro erhältlich.

Allabendlich sendet Radio Belgrad seit August 1941 kurz vor Sendeschluss „Lili Marleen“. Das Lied von Trennung und Abschied und seine Sängerin Lale Andersen sind schnell in allen Armeen populär. Das Begleitbuch zu der gleichnamigen Ausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeichnet anschaulich und pointiert in sieben Kapiteln die erstaunliche Karriere des Schlagers nach: von der Entstehung der Liedzeilen im Ersten Weltkriegs über die vielfältige Vereinnahmung während des Zweiten Weltkriegs bis hin zu Verfilmungen und Neuinterpretationen, die den Mythos Lili Marleen bis heute lebendig halten.

Enigma

ENIGMA - DER STILLE KAMPF DER CODEBRECHER

Michael Smith, Enigma entschlüsselt. Die Codebreakers von Bletchley Park (Heyne, München 2001) 319 Seiten, antiquarisch ab ca. 13 Euro.

Eine recht spannend und unterhaltsam geschriebene Darstellung der Geschichte von Bletchley Park, mit zahlreichen, bislang unbekannten Details – und einem gewissen Schuss englischen Humors. Smith, ein früherer Geheimdienstoffizier lässt in dem Buch vor allem das Personal zu Wort kommen, von der Schreibkraft in der Abhörstelle bis zum spezialisierten Codebrecher. Leider geraten ihm die Zitate oft zu elaboriert, was gelegentlich zu Wiederholungen führt und den Erzählstrang durcheinander bringt. Und wer Genaueres über die Funktionsweise der Enigma wissen will, muss bei Smith schon genau lesen - er scheint den Apparat selbst nicht ganz begriffen zu haben.

Hugh Sebag-Montefiore, Enigma. The Battle for the Code (Orion Publishing Group, London 2004) 528 Seiten, 10,99 Euro.

Der anerkannte Historiker und Sachbuchautor hat seine Schilderung des Codebrecher-Feldzugs dankenswerterweise chronologisch aufgebaut. Gut lesbar lässt er die Jahre von 1931, als den Franzosen erstmals Geheimmaterial über die Enigma zugespielt wurde, bis zum Kriegsende sehr lebendig Revue passieren. Und legt dabei großen Wert auf die Bewertung des polnischen Anteils an der Bezwingung der Enigma. In Sachen Funktionsweise der Enigma ist Sebag-Montefiores Darstellung zwar strukturierter als die von Smith, besonders große Klarheit schafft aber auch er nicht.

Simon Singh, Geheime Botschaften (dtv, München 2001) 460 Seiten, 12,90 Euro.

Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internets, beschrieben mit vielen Illustrationen und überraschenden Beispielen. Singh schreibt flüssig und gut und trägt für jene, die einen schnellen Überblick über die spannende Geschichte von Kryptographie und Kryptoanalyse haben möchten, zahlreiche unbekannte Details zusammen. Besonders auf ihre Kosten kommen bei diesem Buch die Freunde des gehobenen Knobelns, denn Singh stellt dem Leser allerhand Aufgaben, an denen er sein neu erworbenes Wissen ausprobieren kann. Die reine Entspannungslektüre ist dieses Buch deshalb wohl auch nur für passionierte Kryptiker.

U-Boot-Krieg

U-BOOT-KRIEG - JÄGER IM WELTMEER

Lothar-Günther Buchheim, Jäger im Weltmeer. Reportage aus dem U-Boot-Krieg (Piper, München/Zürich 2005) 208 Seiten, 14,95 Euro.

Am 27. Oktober 1941 besteigt der Maler und Kriegsberichterstatter Lothar-Günther Buchheim in Saint-Nazaire U96. Seine Erlebnisse auf der siebten Feindfahrt dieses deutschen Unterseebootes verarbeitet er noch während des Krieges zu einem Buch. Zu einer Auslieferung der gedruckten Exemplare sei es nie gekommen, schreibt Buchheim. Die erste Auflage sei bei einem Bombenangriff in Leipzig verbrannt, die zweite bei einem Überfall der Résistance auf den zweiten Druckort im Elsass ein Raub der Flammen geworden. Kritiker bezweifeln diese Version. Wie dem auch sei: Seit Mitte der 1990er Jahre kann nun jeder Interessierte nachlesen, wie die Urform des Welterfolges „Das Boot“ aussah. Mit einer Ausnahme: auf das Dönitz-Porträt und das vom Großadmiral unterzeichnete Vorwort der Ausgabe von 1943 wird seither verzichtet.

Clay Blair, Der U-Boot-Krieg. Die Jäger 1939-1942 (Heyne, München 1999) 912 Seiten, 10 Euro und Der U-Boot-Krieg. Die Gejagten 1942-1945 (Heyne, München 1999) 1022 Seiten, 13 Euro.

Die ultimative Geschichte des U-Boot-Krieges liefert der Amerikaner Clay Blair mit diesen beiden Bänden. Gefühlt alle U-Boote, alle Kommandanten, dargestellt in einer profund geschriebenen Studie, deren Anhänge nicht immer leicht zu verstehen sind, aber wenn man sich die Mühe macht, unglaubliche Informationen bergen. Etwa jene, dass der deutsche U-Boot-Krieg so erfolgreich gar nicht war.

Pearl Harbor

PEARL HARBOR - ÜBERFALL IM PAZIFIK

Gordon W. Prange, At Dawn We Slept: The Untold Story of Pearl Harbor (Penguin, New York 1982) 961 Seiten, 15,99 Euro.

Fast vier Jahrzehnte lang recherchierte der Autor für sein Standardwerk zum Überfall auf den Stützpunkt der US-Pazifikflotte auf Hawaii. Wenige Bücher sind so unparteiisch, keines ist detaillierter. Prange gelingt ein dramatischer Bericht, in dem er beide Seiten ausführlich zu Wort kommen lässt. Grundlage für seine Darstellung sind Interviews, die Prange mit beteiligten Offizieren in Japan und den USA geführt hat. Für jeden zu empfehlen, der wirklich und wahrhaftig in die Geschichte des Angriffs eintauchen will.

Henry William Brands, Traitor to His Class: The Privileged Life and Radical Presidency of Franklin Delano Roosevelt (Anchor Books, New York 2009) 912 Seiten, 14,99 Euro.

Der 32. US-Präsident Franklin D. Roosevelt war ein verschwiegener Mann. Er führte weder Tagebuch noch hinterließ er der Nachwelt seine Memoiren. Der texanische Historiker Henry William Brands hat in seiner hochgelobten Biografie das Rätsel „FDR“ entschlüsselt. Gestützt auf Reden, Briefe und Regierungsdokumente erzählt Brands wie der Sohn aus konservativem Hause das politische System Amerikas revolutionierte und sein Land in den Krieg führte.

Wannsee-Konferenz

WANNSEE-KONFERENZ - DER PLAN FÜR DEN VÖLKERMORD

Mark Roseman, Die Wannsee-Konferenz. Wie die NS-Bürokratie den Holocaust organisierte (Berlin, Ullstein 2002) 221 Seiten, antiquarisch ab 6,70 Euro.

Wie viele angelsächsische Forscher beherrscht auch Mark Roseman die Kunst, historische Ereignisse lebendig darzustellen. Anschaulich erzählt er, wie am 20. Januar 1942 die NS-Funktionäre in einem Speisesaal mit Seeblick an ihren Cognacs nippen und über Völkermord beraten. Mit kleinen biografischen Skizzen macht er klar, was die einzelnen Konferenzgäste von diesem Tag erwarteten und welche Vorstellungen ihrer Behörden sie durchsetzen wollten. Ausführlich schildert er auch die Vorgeschichte der Konferenz – die Verfolgung der Juden ab 1933. Das Standardwerk zu diesem Thema.

Haus der Wannsee-Konferenz (Hrsg.), Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden. Katalog der ständigen Ausstellung (Berlin, Haus der Wannsee-Konferenz 2006), 204 Seiten, zur Zeit nur über die Gedenkstätte zu erwerben http://www.ghwk.de

Eine sehr gute Ergänzung zu Rosemans Buch ist der Katalog der Ausstellung im Haus der Wannsee-Konferenz. Viele Dokumente zur Judenverfolgung sind hier nachgedruckt – neben dem kompletten „Wannsee-Protokoll“ etwa auch Briefe innerhalb der NS-Bürokratie und ein Auszug aus dem Dienstkalender des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler. Vom Schicksal der Opfer erzählen Fotos aus Ghettos und Konzentrationslagern. In längeren Texten werden Themen wie „Deportationen“ oder „Zwangsarbeit“ behandelt – außerdem erfährt der Leser hier viel über die unselige Tradition des Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik.

Peter Longerich, Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung (Piper, München/Zürich 1998) 772 Seiten, antiquarisch ab 36,90.

Der Professor für Moderne Deutsche Geschichte am Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History, Royal Holloway, University of London, ist ein profunder Kenner des NS-Terrors. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören Studien zu Rudolf Hess, Heinrich Himmler, zur Wannsee-Konferenz und zur Verfolgung der Juden. In „Politik der Vernichtung“ führt er den Leser chronologisch durch die verschiedenen Phasen der NS-Judenverfolgung. Von der Verdrängung der deutschen Juden aus dem öffentlichen Leben (1933 bis Ende 1934) über die Segregation und umfassende Diskriminierung (Ende 1934 bis Ende 1937) bis zum Massenmord an der jüdischen Zivilbevölkerung in der Sowjetunion 1941 und der Vernichtungspolitik nach der Kriegswende 1942/43. Eine minutiöse, lesenwerte Bilanz der Eskalation der Politik der Vernichtung.

Rommel

ROMMEL - FELDZUG IM NICHTS

Maurice Philip Remy, Mythos Rommel (List, München 2002) 391 Seiten, antiquarisch ab 4 Euro.

Wer war Erwin Rommel? Selten sind Legende und Wahrheit so unentwirrbar miteinander verwoben wie im Fall des schwäbischen Generals. Nicht nur NS-Propaganda und Nachkriegsverklärung haben dazu beigetragen, sondern auch der damalige Gegner – die Briten lobten den "Wüstenfuchs" in höchsten Töne, um von den Schwächen ihrer eigenen militärischen Führung abzulenken. Auch der deutsche Dokumentarfilmer und Autor Maurice Philip Remy bewertet Rommel durchaus positiv, spricht ihn weitgehend frei von einer Mitschuld an den Verbrechen des Regimes. Dennoch ist sein Porträt empfehlenswert: Unterhaltsam und in klarer Sprache schildert Remy die wichtigsten Stationen im Leben Rommels, begleitet von zahlreichen Zitaten, Fotos und Originaldokumenten. Dem kritischen Leser bietet das Buch somit genügend Material, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Martin Kitchen, Rommel's Desert War (Cambridge University Press, Cambridge 2009) 598 Seiten, 30 Euro.

Gut zwei Jahre lang dauerte der deutsch-italienische Feldzug in Nordafrika, und kaum anderswo wechselte das Kriegsglück so häufig wie in der Wüste. Der kanadische Geschichtsprofessor Martin Kitchen schildert das Unternehmen von der Landung der ersten deutschen Truppen im Februar 1941 bis zur Kapitulation der letzten Einheiten im Mai 1943 in Tunis. Er erklärt die politischen Hintergründe und wartet mit einer Fülle von Details auf, ohne dabei in die Waffenvernarrtheit mancher seiner Kollegen abzugleiten. Noch wichtiger: Kitchen bewahrt kritische Distanz zum deutschen Feldherrn Rommel, scheut nicht davor zurück, dessen Schwächen und strategische Fehler offenzulegen. Eine gelungene Darstellung des Wüstenkrieges.

Holocaust

HOLOCAUST UND VERNICHTUNGSKRIEG - GANZ NORMALE MÄNNER

Christopher R. Browning, Ganz normale Männer., Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen (Rowohlt, 4. Auflage Hamburg 2007) 332 Seiten, 9,95 Euro.

Wenige deutsche Polizei-Bataillone, die während des Zweiten Weltkrieges in den besetzten Gebieten Osteuropas an der Ermordung von Juden beteiligt waren, wurden nach Kriegsende strafrechtlich verfolgt. Im Fall des Reserve-Polizeibataillons 101 konnte die Hamburger Staatsanwaltschaft auf den erhaltenen Dienstplan zurückgreifen und ermitteln. Daher standen dem amerikanischen Historiker Browning für seine Studie 210 Vernehmungsprotokolle von Angehörigen dieser Polizeitruppe zur Verfügung. Davon bewertete er 125 Täteraussagen als so überzeugend, „dass sie ihm eine detaillierte Darstellung und Analyse der inneren Dynamik dieser Mordtruppe erlauben“. Sie sind der Grundstock, um der Frage nachzugehen, warum so viele Deutsche zu Tätern geworden sind - obwohl den meisten bekannt gewesen sein dürfte, dass ihnen bei Nichtbefolgung der Mordbefehle kaum Nachteile entstanden wären.

Klaus-Michael Mallmann/Gerhard Paul (Hrsg.), Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiografien (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004) 282 Seiten, 49,90 Euro.

23 nationalsozialistische Täterbiografien haben die Herausgeber in diesem Buch zusammengetragen. Sie eröffnen einen Einblick in die Gedankenwelt von Frauen und Männern, die den NS-Terror weitergetragen haben, als Gefängnisdirektoren, als regimetreue Ehefrauen, als SS-Männer im Konzentrationslager. Ein einführender Text beleuchtet Stand und Probleme der Täterforschung. Eine gute Ergänzung zu Browning, der sich einer ganz besonderen Gruppe angenommen hat und dessen Ergebnisse daher nicht zwingend für alle Täter gelten.

Frank Bajohr/Dieter Pohl, Der Holocaust als offenes Geheimnis: Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten (C. H. Beck, München 2006) 156 Seiten, 18,90 Euro.

Spätestens seit 1942, allerspätestens seit der Kriegswende 1942/43 war größeren Teilen der deutschen und der Weltöffentlichkeit gewahr, dass das NS-Regime nicht nur von der Vernichtung des europäischen Judentums sprach sondern diese auch in die Tat umsetzte. Aber wie gingen die Deutschen mit diesem Wissen um? Und wie begegnete die NS-Führung der öffentlichen Diskussion im Ausland über ihr verbrecherisches Tun? Diesen Fragen gehen die beiden renommierten Autoren in dieser Studie nach.

Guadalcanal

GUADALCANAL - ANGRIFF IN DEN TROPEN

Richard Tregaskis, Guadalcanal diary (Modern Library, New York 2000) 272 Seiten, ca. 7 Euro.

Richard Tregaskis Buch gilt in den USA als populärer Klassiker der Kriegsberichterstattung. Der unabhängige News-Korrespondent Tregaskis begleitete die US-Marines 1942 freiwillig bei deren Landung auf Guadalcanal. Rund zwei Monate lang lebte er mit den Soldaten auf der Tropeninsel. Er lag bei Gefechten mit in den Schützengräben und marschierte auf Patrouillen durch den Dschungel. Tregaskis, damals erst Mitte Zwanzig, erzählt in dem gut lesbaren Tagebuch von Angst und Übermut bei den fast allnächtlichen Luftattacken, aber auch von der Ohnmacht, wenn Scharfschützen auf ihn, den unbewaffneten Reporter, schießen.

Werner Gruhl, Imperial Japan's World War Two. 1931 - 1945 (Transaction Publications, New Brunswick u.a. 2007) 254 Seiten, 27,99 Euro.

Werner Gruhls Buch ist eine kompakte Einführung in den Pazifikkrieg – vom japanischen Überfall auf den Norden Chinas im Jahr 1931 bis zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima 1945. Der frühere Leiter einer Nasa-Abteilung hat für seine gut dokumentierte Studie nicht nur historische Quellen gesichtet; er präsentiert auch statistische Daten, zahlreiche von ihm geführte Interviews und eigene Eindrücke, die er etwa bei Vor-Ort-Recherchen zur Burma-Thailand-Bahn gewonnen hat. Wer Gruhls Werk liest, versteht eindringlich, weshalb Japans Geschichts- und Schulpolitik noch heute so genau beobachtet wird.

William Bruce Johnson, The Pacific Campaign in World War II. From Pearl Harbor to Guadalcanal (Routledge, New York 2006) 432 Seiten, gebunden 110,99 Euro.

Dieses äußerst profunde Buch erzählt die Geschichte des Pazifikkriegs bis zur Schlacht um Guadalcanal. Der Autor analysiert, wie bereits vor der Wende zum 20. Jahrhundert in Amerika und Japan gegenseitige Feindbilder entstanden sind. Mit ungeheurer, aber zuweilen auch ermüdender Detailkenntnis berichtet er über Ränkespiele im US-Militär und zwischen den Alliierten. Es sind schließlich militärische Überlegungen, wirtschaftliche Interessen und missgedeutete Geheimdienstinformationen, die zum Krieg führten. Johnsons wohl größter Verdienst liegt im schonungslosen Bericht über die damals noch völlig unterschätzten psychologischen Belastungen für die Soldaten sowie über die Wirkungen von Zensur, Patriotismus und Hollywood auf die amerikanische Gesellschaft.

Stanley Coleman Jersey, Hell's Islands. The Untold Story of Guadalcanal (Texas A&M University Press, College Station 2007) 536 Seiten, gebunden 26,99 Euro.

Das Standardwerk erzählt die Schlacht um die Salomoninsel Guadalcanal von der Eroberung bis zum Rückzug der japanischen Armee im Februar 1943. Stanley Coleman Jersey, der im Zweiten Weltkrieg als medizinischer Spezialist bei Luft-Evakuationen diente, hat mehr als 200 japanische und amerikanische Veteranen interviewt sowie Dokumente aller Kriegsparteien gesichtet. Sein Werk, das sich vor allem an Militärhistoriker wendet, enthält somit neben ausführlichen strategischen Darstellungen auch wertvolle Augenzeugenberichte.

Saburo Ienaga, Japan's last war. World War II and the Japanese, 1931-1945 (Blackwell, Oxford 1979) 316 Seiten, gebundene Ausgabe antiquarisch ab 33 Euro.

Saburo Ienaga gilt in Japan als Wegbereiter der Vergangenheitsbewältigung. In seinem sehr kritischen Buch „Japan's last war“ schilderte er bereits in den 1970er Jahren, wie brutal die kaiserlichen Truppen in den besetzten Gebieten in Ostasien herrschten und wie sich die japanische Bevölkerung unter der Militärdiktatur einrichtete. Jahrzehntelang kämpfte Ienaga mit der japanischen Zensur. 1999 wurde er von dem US-Sprachwissenschaftler Noam Chomsky für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Kriegswende

KRIEGSWENDE - STALINGRAD

Helmut Krausnick (Hrsg.), Helmuth Groscurth: Tagebücher eines Abwehroffiziers (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1970) 594 Seiten, antiquarisch um 45 Euro.

Mitglieder der 6. Armee waren auf ihrem Vormarsch in die Sowjetunion an mehreren Verbrechen beteiligt, unter anderem an dem Massaker von Babij Jar. Ihr Befehlshaber Walter von Reichenau ließ seinen Soldaten verlesen, sie seien "Träger einer unerbittlichen völkischen Idee". General Paulus nahm diesen "Reichenau-Erlass" sofort nach seiner Ernennung zurück, doch arbeitete auch unter seiner Führung die Armee mit der SS zusammen. Helmuth Groscurth war einer der wenigen Offiziere der 6. Armee, die gegen die Verbrechen protestierten. Er versuchte, die Ermordung jüdischer Waisenkinder zu verhindern und schrieb an seine Frau: "Wir dürfen diesen Krieg nicht gewinnen." Seine Tagebücher und Briefe geben Einblick in das Wesen eines deutschen Offiziers, der Hitler ablehnte, sich sogar gegen ihn verschwor - und trotzdem das letzte Widerstandsnest in Stalingrad befehligte.

Antony Beevor, Stalingrad (Pantheon Verlag, München Neuauflage erscheint im Dezember 2010) 544 Seiten, 16,95 Euro.

Der britische Militärhistoriker hat für sein Buch auch erstmals zugängliche Briefe sowjetischer Soldaten ausgewertet. Ihm gelingt ein umfassendes Bild des Kampfes, vom Überfall auf die Sowjetunion bis zur Rückkehr der letzten deutschen Gefangenen. Er schildert das Leiden auf beiden Seiten - kenntnisreich recherchiert und packend erzählt. Die Zahlen des 1999 erstmals bei Bertelsmann in deutscher Sprache erschienenen Bandes entsprechen heute nicht immer dem neuesten Forschungsstand, aber vielleicht wird dieses Manko ja in der Neuausgabe behoben.