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Feuersturm über Hamburg

Es ist nicht der erste Luftangriff auf eine deutsche Stadt, aber der bis dahin verheerendste: Am 28. Juli 1943 werfen britische Bomber Hunderttausende Spreng- und Brandsätze über Hamburg ab. Innerhalb weniger Stunden sterben mehr als 30 000 Menschen – Opfer eines Krieges, in dem keine Seite mehr die Zivilbevölkerung verschont

Lesen Sie einen Auszug aus der neuen Ausgabe von GEOEPOCHE zum Thema "Der Zweite Weltkrieg - Teil 2":

Aus 4000 Meter Höhe fällt eine Bombe 30 bis 40 Sekunden lang, ehe sie auf dem Grund detoniert. Sie stürzt nicht senkrecht hinab, sondern trudelt auf einer parabelförmigen Kurve, wird von Aufwinden gebremst, von Querwinden abgelenkt, und wenn sie den Boden erreicht, ist der Bomber, der sie abgeworfen hat, bereits drei Kilometer entfernt.

Am 28. Juli 1943 stürzt die erste Brandbombe um 1.02 Uhr aus dem Schacht einer britischen Lancaster auf Hamburg.

Der Brandsatz wiegt vier Pfund, ist 55 Zentimeter lang und achteckig, um besser in die Schüttwannen der Flugzeuge zu passen. Er besteht aus einer brennbaren Zink-Magnesium-Legierung. Beim Aufprall zündet ein Schlagbolzen 17 Thermitpillen, eine Stichflamme schießt hervor, verzehrt den gesamten Bombenkörper und erlischt nach acht Minuten.

In dieser Zeit muss die Flamme etwas Brennbares gefunden haben, einen Stapel Zeitungen, einen Vorhang, ein Kinderbett, sonst verpufft die Wirkung. Die Brandbombe ist nur der Zünder. Das Material des Brandes ist die Stadt selbst.

So schnell haben die Briten noch keine Großstadt entzündet

Um 2.25 Uhr trägt der Dienstführer in der Luftschutzleitung Hamburg erstmals jenen Begriff in seine Kladde, der für immer mit dieser Nacht verbunden sein wird: „Feuersturm“. Er muss ihm eingefallen sein angesichts dessen, was ihm seine Außenposten melden.

In diesen Minuten brennt ein Großteil des Hamburger Ostens ab. Eine solche Feuersbrunst hat es noch nie gegeben: Innerhalb von Stunden ersticken oder verbrennen mehr als 30 000 Menschen. Ein Gebiet, in dem vor dem Angriff fast eine halbe Million Menschen gelebt haben, wird auf Jahre unbewohnbar.

Nie zuvor hat ein einziger Luftangriff eine solche Katastrophe ausgelöst. Zwar wird es im Verlauf des Krieges weitere Feuerstürme geben, die verheerendsten davon in Dresden, Pforzheim und Tokyo. Doch Hamburg bleibt das Fanal, wird zum Sinnbild des totalen Krieges.

In jener Nacht beweist das Militär endgültig, dass es mit vergleichsweise geringem technischen Aufwand Zivilisten in ungeheurer Zahl umbringen kann. Der Bombenkrieg wird zu einer Industrie, deren Produkt der massenhafte Tod ist. Die Atombombe wird dieses Prinzip nur ökonomisch vervollkommnen.

Lange Zeit richten Luftangriffe auf Hamburg kaum Schäden an

Am Nachmittag des 27. Juli, zehn Stunden vor dem Feuersturm, packt Elfriede Sindel aus Borgfelde einen kleinen Lederkoffer. Der Vater will, dass sie und ihre Mutter in den Erdbunker am Berliner Tor gehen. Die 14-Jährige legt ihr Lieblingsbuch über die deutschen Kolonien in Afrika und ihre Schildkröten-Puppe „Deloris“ in den Koffer.

Es ist das erste Mal, dass ihr Vater sie in den Bunker schickt. Man ist lange Zeit sorglos gewesen, 141-mal ist Hamburg zuvor angegriffen worden, aber die Schäden blieben gering. Zudem häuften sich die Fehlalarme, weil die Bomberströme immer wieder an Hamburg vorbeizogen. Nicht viele sind bei jedem Alarm in die Bunker gegangen. Das ist jetzt anders.

Zwei Nächte zuvor haben mehr als 700 britische Bomber weite Gebiete des Hamburger Westens zerstört. Es gab rund 1500 Tote, noch immer brennen viele Häuser. Es war einer der schwersten Angriffe, die bis dahin eine deutsche Stadt getroffen haben.

Viele glauben, dass dieser Angriff erst der Auftakt ist. Es wird erzählt, die Engländer hätten Flugblätter abgeworfen: „Jetzt ist Hamburg dran!“ Doch solche Ankündigungen hat es nie gegeben, die Royal Air Force warnt Opfer nicht.

Feuersturm über Hamburg

Binnen kürzester Zeit stehen am 28. Juli Wohnblocks mit einer Straßenfront von 215 Kilometer Länge in Flammen. Die Feuersbrunst saugt Luft in riesigen Mengen an und erzeugt so einen tödlichen Sturm: Mit Orkangeschwindigkeiten peitschen Glutwinde über das Pflaster

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Frank Wolfson fliegt seinen Bomber in weiten Schwüngen über den nächtlichen Himmel; wie in einer Schaukel lässt er die viermotorige Lancaster von links nach rechts und zurück schwingen. Dieses swaying ist überaus kraftraubend, weil Höhen- und Seitenrudern die Servounterstützung fehlt, und es birgt stets die Gefahr, in der Dunkelheit mit einem anderen Bomber zusammenzustoßen. Aber es vermindert das Risiko, von einem deutschen Jäger oder den Flugabwehrkanonen abgeschossen zu werden. Stur geradeaus fliegen nur Draufgänger und Schwachköpfe.

Gemeinsam mit Wolfson nähern sich mehr als 700 Maschinen Hamburg. Sie fliegen im „Bomberstrom“. Der Theorie nach ist das eine rund 325 Kilometer lange Formation, in der die Bomber geordnet ihre Bahnen ziehen. In der Praxis ist es ein Durcheinander aus Flugzeugen, die durch die Nacht schwingen, mit Motorschäden zurückfallen oder brennend hinabstürzen – eher ein nervöses Rudel als ein disziplinierter Verband.

Der 21-jährige Wolfson fliegt seine 18. Mission. Damit zählt er bereits zu den Veteranen. Er sitzt vorn links in der Pilotenkanzel, einen Kopiloten hat er nicht; es ist ohrenbetäubend laut und stickig. Schräg unterhalb von Wolfson sitzt der Flugingenieur, dahinter kauern in der 21 Meter langen Maschine fünf weitere Crewmitglieder: Navigator, Funker, Bombenschütze, MG-Schützen. Sie sind alle um die 20 Jahre alt, haben sich freiwillig gemeldet und auf mindestens

30 Einsätze verpflichtet. Die Chance, dass sie eine solche „Tour“ überleben, ist gering; nur jeder Dritte kommt durch.

Sie sind bei der Royal Air Force, weil sie das Fliegen aufregend finden oder helfen wollen, das NS-Regime niederzuringen. Abenteurer und Idealisten in einem. Im Bombenschacht hängen beim Anflug auf Hamburg eine 2000-Kilo-Bombe sowie 2832 Brandbomben.

Die Piloten haben kaum eine Chance, ihr Ziel zu identifizieren

Es ist nicht einfach, nachts und in vier bis sechs Kilometer Höhe eine verdunkelte Metropole wie Hamburg zu finden. Nur in wolkenlosen Mondnächten haben die Piloten überhaupt eine Chance, ihr Ziel zu identifizieren. Im Verlauf des Krieges treffen 20 Angriffe, die eigentlich Kiel oder Lübeck gelten, aus Versehen Hamburg. Die Piloten verfliegen sich, weil Wolken das Ziel verschleiern oder weil sie die Elbe mit der Ostsee verwechseln, weil ihre Instrumente ausfallen oder weil Attrappen sie verwirren: 16 Kilometer elbabwärts etwa steht eine beleuchtete Tarnanlage, die der Hamburger Binnenalster gleichen und von ihr ablenken soll. Einmal lassen sich Piloten täuschen und zu einem Angriff auf die Holzimitation verleiten; dabei wird die Kleinstadt Wedel im Hamburger Randgebiet vernichtet.

Im Frühjahr 1943 kommen etwas verlässlichere Leitsysteme zum Einsatz, die von englischen Bodenstationen Peilstrahlen in den deutschen Luftraum schicken und den Flugzeug-Navigatoren verraten, wo am Nachthimmel sie sich ungefähr befinden. Einige Flieger verfügen über Bordradar, das allerdings nur vage Kontraste auf einen kleinen Bildschirm projiziert: Wasser erscheint dunkel, Land hell, eine Stadt glänzend. Die Umrisse gleicht der Navigator an Bord mit einem Bodenatlas ab, doch immer wieder kommt es zu Verwechslungen.

Bereits am 27. Mai 1943 hat der Chef der britischen Bomberflotte, Arthur „Butch“ Harris, im streng geheimen Einsatzbefehl Nr. 173 seine Pläne für die Hafenstadt in schmerzhafter Knappheit formuliert: „Absicht: Hamburg zerstören.“ Ob er dabei an einen Feuersturm dachte, ist unklar. Aber seit Langem experimentiert die Royal Air Force mit unterschiedlichen Abwurfmustern und Munitionsmischungen, um Städte möglichst effizient in Brand zu setzen.

Die Piloten erfahren von Harris’ Absicht nichts. Für sie heißt es wie immer: Industrie- und Militärziele. Von Zivilisten ist bei keinem Einsatz die Rede.

Aber es wäre ihnen auch gleichgültig gewesen, sagt Wolfson. Sie befinden sich im Krieg. Coventry und London sind ebenfalls bombardiert worden, auch Warschau, Rotterdam – und Belgrad. Erst im Frühjahr 1941 hat die deutsche Luftwaffe die schutzlose jugoslawische Hauptstadt mit fast 500 Flugzeugen angegriffen. Dabei haben die Piloten Luftminen abgeworfen, deren starke Druckwellen weite Gebiete Belgrads verwüsteten. Mehr als 1500 Zivilisten kamen bei der Attacke um (einige Historiker gehen gar von 17 000 Opfern aus).

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Bereits einer der ersten großen deutschen Luftangriffe des Krieges, am 25. September 1939 auf Warschau, trug alle Merkmale eines Terrorangriffs: Ziellos warfen Besatzungsmitglieder mehr als 600 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf die belagerte Stadt. Mehrere Tausend Zivilisten kamen ums Leben.

Doch die Grenze zwischen Bombenterror und Luftkrieg ist bis zur Unsichtbarkeit dünn. Der Angriff deutscher Verbände auf Rotterdam acht Monate später etwa liegt genau auf jener unsichtbaren Linie. Rein formal gilt er manchen Militärhistorikern als „korrekt“: Die niederländische Hafenstadt wird verteidigt und liegt in der Frontlinie, die Piloten versuchen militärisch relevante Ziele zu treffen. Doch macht die formale Differenzierung keinen Unterschied für die Zivilbevölkerung: In Rotterdam sterben 825 Menschen durch deutsche Bomben.

Keine zwei Tage nach dem Luftschlag gegen die niederländische Metropole, in der Nacht zum 16. Mai 1940, eröffnet das britische Bomber Command mit dem ersten großen Angriff auf das Ruhrgebiet den Luftkrieg gegen das Deutsche Reich. Ziele sind kriegswichtige Produktionsstätten in Wanne-Eickel, Gelsenkirchen und anderen Städten des Industriereviers. Dortmund etwa wird in diesem Jahr 20-mal bombardiert.

Im Sommer 1940 beginnt Hitler die „Luftschlacht um England“: Seine Piloten konzentrieren ihre Angriffe zunächst auf Rüstungsbetriebe, Luftabwehrstellungen und Stützpunkte der Royal Air Force; doch ab September sind vor allem die großen Städte Ziel der deutschen Bomben, darunter London, Birmingham, Glasgow und Coventry.

Die Angriffe gelten gemeinhin als reine Terrorattacken, also als gezielte Angriffe gegen die Bevölkerung – um die Menschen zu zermürben. Allein gegen die Hauptstadt fliegen die Deutschen 65 Nachtangriffe, die mittelenglische Industriestadt Coventry zerstören sie nahezu vollständig.

Bomber sind Großbritanniens einzige Waffe

Premierminister Winston Churchill ordnete noch vor dem Angriff auf Coventry an, verstärkt Brandbomben über deutschen Städten abzuwerfen, um den „Feuern jede Gelegenheit zu geben, sich auszudehnen“. Denn Großbritannien steht ganz allein. Frankreich, Belgien, die Niederlande, Polen und die Tschechoslowakei sind besetzt, die USA

scheuen den Kriegseintritt – und es steht kein britischer Soldat mehr auf dem europäischen Kontinent. Die letzten sind Anfang Juni 1940 vom Strand in Dünkirchen evakuiert worden.

Die Bomber sind Großbritanniens einzige Waffe gegen Berlin. Ein Jahr später, nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, befiehlt Churchill, „die Moral der deutschen Zivilbevölkerung insgesamt zu zerstören, und die der Industriearbeiter im Besonderen“. Um diese Zeit hat die Luftwaffe die Angriffe auf Großbritannien zwar bereits weitgehend eingestellt (denn Hitler benötigt die Kampfflugzeuge nun für den Krieg im Osten), doch sind bis dahin mehr als 40 000 Briten durch deutsche Fliegerangriffe ums Leben gekommen.

Am 14. Februar 1942 geht die Royal Air Force mit der „Area Bombing Directive“ offiziell zum Flächenbombardement über. Im Anhang gibt der britische Luftwaffenstabschef zu Protokoll: „Es ist klar, dass die Zielpunkte Siedlungsgebiete sein sollen.“ Im Frühjahr wendet Arthur Harris die neue Politik erstmals an. Er wählt dafür Lübeck, weil die Stadt militärisch unwichtig und kaum verteidigt ist und ihr mittelalterlicher Stadtkern mit den eng gebauten Häusern eher „einem Feueranzünder als einer menschlichen Siedlung“ gleicht, so Harris. In der Nacht auf den 29. März 1942 werfen 234 Flugzeuge Spreng- und Brandmunition ab.

Nach 20 Minuten frisst sich eine Flammenwand am Ufer der Trave entlang, bald fegen Feuerwellen durch mehr als 1500 Häuser, schließlich brennen 130 Kilometer Straßenfront. 320 Menschen sterben, so viele wie bei keinem britischen Angriff zuvor – ein „großartiger Erfolg“, so das Bomber Command.

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Die Nacht auf den 28. Juli ist ungewöhnlich warm. Im Osten Hamburgs füllen sich die Lokale und Cafés mit Menschen, trotz des Angriffs vor 48 Stunden auf den Westen. In Hamm und Borgfelde leben vorwiegend Handwerker und kleine Beamte, manche Straßen werden von stuckverzierten Häusern aus der Gründerzeit gesäumt. Im Billwerder Ausschlag und in Hammerbrook in der Nähe der Elbbrücken leben dicht gedrängt Arbeiter. In den schmalen Straßen steht kaum

ein Baum, auf den Balkons türmen sich Kaninchenställe, Kohlensäcke, Zinkwannen, die Wohnungen sind eng und mit kinderreichen Familien belegt.

Um 23.38 Uhr werden die Flakstellungen über die nahende Bomberflotte informiert. Luftalarm. Per Radio wendet sich Staatssekretär Georg Ahrens an die Einwohner: „Starke Anflüge auf Hamburg. In wenigen Minuten fallen die ersten Bomben. Suchen Sie die Luftschutzkeller auf.“ Wegen seiner ruhigen Stimme wird Ahrens nur „Onkel Baldrian“ genannt. Um 23.40 Uhr ertönen drei an- und abschwellende Sirenensignale: Fliegeralarm.

Dann senkt sich eine große Ruhe über die Stadt. Eine Frau aus Hamm erinnert sich: „Es war vollkommen still. Keine Flugzeuge. Keine Flak. Eine zauberhaft schöne Sommernacht.“ Otto Sander verschläft. Der 24-jährige Bäcker ist einer der besten Langstreckenläufer des Reiches. An der Ostfront wurde sein linker Unterarm zerschossen, jetzt bildet er in einer Hamburger Kaserne Rekruten aus.

Sander und seine Frau überhören die Sirenen, erst das einsetzende Flakfeuer weckt sie. Sie rennen zum Hochbunker am Hammer Deich, wo Sanders Schwiegermutter bereits ungeduldig wartet. Sie gehören zu den Letzten, die eingelassen werden, hinter ihnen schlagen die schweren Stahltüren zu.

Ein typischer Bunker. Wände und Decken sind bis zu zwei Meter dick, das verlangt die Norm für den „Volltrefferschutz“. Auf drei Etagen harren rund 300 Schutzsuchende dicht gedrängt auf schmalen Bänken aus, zwischen den Füßen die Koffer mit dem Notwendigsten. In separaten Räumen sitzen Schwangere und Stillende, Alte und Gehbehinderte. Es herrscht wie immer eine Art hysterische Ruhe im Bunker. Einige reden unablässig vor sich hin, andere schweigen in stummer Todesangst, manche weinen, wieder andere wünschen sich mit Galgenhumor „BoLoNa“, die Kurzformel für: bombenlose Nacht.

Die letzten Kilometer sind bei einem Angriff die schlimmsten. Frank Wolfson muss die Maschine gerade halten, damit die Bomben beim Abwurf nicht verkanten. Meist fliegen die Piloten in dieser Phase durch einen Schleier aus detonierenden Flakprojektilen. Die Flugzeuge werden durch die Druckwellen vom Kurs geschleudert, Granatsplitter durchtrennen die Flugzeugrümpfe oder die Tanks – die meisten Bomber gehen in den Minuten unmittelbar vor dem Abwurf verloren.

Eine neue Taktik rettet vielen Piloten das Leben

Aber diesmal ist alles anders. Die Flak ist blind, die deutschen Jäger sind ohnmächtig. Denn die Briten setzen erstmals eine Wunderwaffe ein: Rund 55 Kilometer vor der deutschen Küste haben die Bombenschützen begonnen, bündelweise Stanniolstreifen abzuwerfen.

Die 24,8 Zentimeter langen und zwei Zentimeter breiten Metallfolien sind auf die halbe Wellenlänge der deutschen Radargeräte zugeschnitten. In der Luft entfalten sie sich zu reflektierenden Wolken, die unzählige Radarechos erzeugen. In der Jägerleitzentrale in Stade glauben die Offiziere zunächst, es seien mehr als 10 000 Bomber im Anflug.

In jahrelanger Arbeit haben die deutschen Flugabwehrtruppen von den Niederlanden bis zur dänischen Küste einen tief gestaffelten Sperrwall aus Horchstationen, Radarposten, Scheinwerferabteilungen und Flakbatterien aufgebaut. Über dieses Bollwerk spannen sich Luftsektoren, in denen deutsche Piloten radargeleitet Jagd auf britische Bomber machen.

Hamburg gilt als besonders gut verteidigt: 80 Flak- und 22 Scheinwerferstellungen sichern den größten Hafen Deutschlands. Doch als die erste Stanniolwolke fliegt, ist der Sperrriegel wertlos, geblendet von den Radarreflexen. Die Lichtkegel irren ziellos über den Himmel, die Jagdflieger greifen flatternde Metallfolien an, die Flak feuert 50 000 Schuss blind in die Nacht. Die Engländer hören den deutschen Funkverkehr ab und registrieren nichts als „Überlastung und Verwirrung, Wut und Angst“.

Für die britischen Piloten bedeutet das: praktisch keine Verluste. Insgesamt werfen sie in dieser Nacht 90 Millionen Stanniolstreifen ab, die Deutschen können den Blendvorhang zu keiner Zeit durchdringen – das rettet, gemessen

an der zu erwartenden Abschussquote, rund 100 Besatzungen das Leben. Die Piloten können sich auf den Zielanflug konzentrieren, den Wolfson als „äußerst ruhig und gesittet“ bezeichnet. „Es war die reine Magie, ein wundervoller Angriff.“

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEOEPOCHE zum Thema "Der Zweite Weltkrieg - Teil 2" nachlesen.

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