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GEOEPOCHE-Buchtipps: Die Macht der Habsburger

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion.
In diesem Artikel
Aufstieg
Privilegium maius
Karl V.
Don Carlos
Prag
Die Türken vor Wien
Karl II.
Maria Theresia
Mozart
Tiroler Bauernaufstand
Metternich
Donaumonarchie
Sisi
Kaiser Maximilian von Mexiko
Wien 1908
Das Ende der Habsburger

Aufstieg

Aufstieg – Kampf um Österreich

Oswald Redlich, Rudolf von Habsburg. Das deutsche Reich nach dem Untergange des alten Kaisertums (Scientia Verlag, Aalen 1965) 811 Seiten, antiquarisch ab ca. 60 Euro.

In eine eher unbedeutende Grafenfamilie hineingeboren, schafft es Rudolf von Habsburg bis auf den römisch-deutschen Thron – und legt so den Grundstein für eine der mächtigsten Herrscherdynastien Europas. Diesen erstaunlichen Aufstieg zeichnet der österreichische Historiker Oswald Redlich in seinem erstmals 1903 erschienenen Klassiker nach. Er verfolgt den Lebensweg seines Protagonisten vor dem Hintergrund des Interregnums: jener Zeit von 1250 bis 1273, in der das Heilige Römische Reich ohne einen durchsetzungsstarken König war. Der machtbewusste Rudolf erweist sich, so Redlich, als „echtester Sohn“ dieser gewalttätigen Zeit – und beendet sie schließlich, indem er die Königswahl annimmt. Auch wenn viele Historiker heute ein weniger düsteres Bild des Interregnums zeichnen: Redlichs eindrucksvolles Werk ist auch nach über hundert Jahren unübertroffen.

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Karl-Friedrich Krieger, Rudolf von Habsburg (Primus Verlag, Darmstadt 2003) 294 Seiten, 29,90 Euro.

Wie kommt es zur folgenreichen Wahl Rudolfs zum römisch-deutschen König? Dieser Frage geht Karl-Friedrich Krieger, emeritierter Professor für Mittelalterliche Geschichte in Mannheim, in seinem Buch nach. Er analysiert politische Zusammenhänge, wiegt sorgsam Quellen gegeneinander ab und geht vor allem auf neuere Erkenntnisse ein. Kriegers Studie, die erste wissenschaftliche Biografie des Habsburgers seit dem 1903 erschienenen Klassiker von Oswald Redlich, ist kein epochales Mammutwerk – doch sie liefert eine längst überfällige Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes.

Privilegium maius

Privilegium maius – Der gefälschte Titel

Wilhelm Baum, Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit (Verlag Styria, Graz 1996) 399 Seiten, gebraucht ab ca. 65 Euro.

Anschaulich und umfassend schildert dieser Wälzer das Leben und die Zeit des österreichischen Herzogs Rudolf IV., die engere Fälschungsgeschichte des Privilegium maius nimmt breiten Raum ein. Sehr angenehm ist die durchaus kritische Distanz des Autors, der den Habsburger bei aller Faszination vor allem an seiner realen Wirkung misst. Mitunter verliert sich das Buch in Details, die Vielzahl an Namen und Orten wirkt bisweilen verwirrend. Doch wer das Buch mit etwas Geduld liest, kann wirklich verstehen, warum Rudolf IV. bis heute als besonderer Herrscher der Dynastie gilt.

Günther Hödl, Habsburg und Österreich 1273-1493. Gestalten und Gestalt des österreichischen Spätmittelalters (Böhlau Verlag, Wien 1988) 274 Seiten, gebraucht ab ca. 20 Euro.

Ein konzentrierter und klar gegliederter Abriss österreichischer Geschichte, der Rudolf IV. einbettet in langfristige politische und familiäre Entwicklungen. Sehr gut für Leser, die bestimmte Aspekte seines Lebens und Wirkens gezielt nachschlagen wollen. Neben der Geschichte des Privilegium maius werden Rudolfs politische Leistungen und wirtschaftliche Reformen pointiert geschildert und bewertet. Für Klarheit sorgen zudem Karten des Habsburger-Reichs und ein Stammbaum der Familie.

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GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

Karl V.

Karl V.

Ernst Schulin, Kaiser Karl V. Geschichte eines übergroßen Wirkungsbereiches (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1999) 202 Seiten, 17,90 Euro.

Eingängig geschrieben, liefert dieser schmale Band des Freiburger Historikers einen raschen Überblick über das unbehauste Leben Karls V. – und seine größten Herausforderungen: die Zerrissenheit des Reichs, die lebenslange Rivalität mit seinem französischen Konkurrenten Franz I. und die ihm verhasste Reformation. Es schildert einen Mann, der seine vom Mittelalter geprägten Vorstellungen mit den Forderungen der neuen Zeit in Einklang zu bringen sucht und selbstkritisch sein Scheitern erkennt.

Hugo Soly (Hg.), Karl V. und seine Zeit 1500-1558 (Dumont Verlag, Köln 2000) 529 Seiten, 29,90 Euro.

Dieses prächtig illustrierte Buch erfüllt eine Doppelfunktion: Zum einen sind in ihm neun Aufsätze zu wichtigen Aspekten der Regierungszeit Karls V. gesammelt: zu seinen politischen Wertvorstellungen, seinen religiösen Einstellungen, seinem Verhältnis zur eigenen Dynastie, zum Entstehen der Weltwirtschaft unter seiner Herrschaft. Zum anderen enthält der großformatige Band zahllose Reproduktion von Bildern und Drucken aus der Zeit, sodass man auch optisch eine gewisse Vorstellung von den wichtigsten Akteuren und ihrer Zeit bekommt.

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Don Carlos

Don Carlos – Ein Prinz als Verschwörer

Cesare Giardini, Don Carlos. Infant von Spanien (Callwey, München 1986) 290 Seiten, antiquarisch ab ca. 5 Euro.

In der erstmals 1936 veröffentlichten Biographie zeichnet Cesare Giardini ein abwägendes Portrait des aufbrausenden und nicht selten unberechenbaren Königssohnes Don Carlos. Schiller und Verdi hatten – wohl in künstlerischer Freiheit – den Infanten zu einem Freiheitshelden stilisiert, der in ihren Inszenierungen gegen einen tyrannischen Vater aufbegehrt. Giardini skizziert hingegen das Bild eines körperlich und geistig zurückgebliebenen Menschen, der sich seiner Schwächen im Laufe des Lebens immer bewusster wird. Der Tod des Prinzen wird folgerichtig aufgrund dessen pathologischer Persönlichkeit erklärt. Wenngleich sich Giardinis Buch auf eine breitere Quellenlage stützt und in weiten Exkursen das Panorama eines für Spanien großartigen 16. Jahrhunderts schildert, so bleiben manche Thesen vage oder spekulativ.

Friedrich Edelmayer, Philipp II. Biographie eines Weltherrschers (Kohlhammer, Stuttgart 2009) 332 Seiten, 22 Euro.

Der Wiener Geschichtsprofessor Friedrich Edelmayer beschreibt Philipp II. als einen machtklugen, von klaren Prinzipien geleiteten und streng katholischen Weltherrscher. Das Buch ist eine zwar nicht umfassende, aber doch aktuelle Biographie des spanischen Königs. Zumindest am Rande wird zudem das konfliktreiche Verhältnis zwischen Philipp II. und seinem Erstgeborenen Don Carlos thematisiert. Edelmayer schildert diese Beziehung in groben Strichen als eher kühl, von Rationalität geprägt und ohne große Herzenswärme.

Vivian Green, The Madness of Kings (Sutton Publishing Ltd, Gloucestershire 1993) 384 Seiten, antiquarisch ab ca. 4 Euro.

Wie wirkt sich Macht auf die Psyche eines Menschen aus? Der Historiker Vivian Green liefert in seinem Buch dazu schillernde Porträts von Herrschern, die offenbar unter Ängsten, Traumata und Neurosen litten. Von Caligula über Heinrich VIII. bis Stalin beschreibt der Autor, wie psychische Krankheiten zu waghalsigen politischen Abenteuern führten. Green stützt sich – soweit möglich – auf medizinische Berichte und Charakterstudien, um Geisteskrankheit von Verleumdung und Propaganda zu unterscheiden. Dem spanischen Königssohn Don Carlos attestiert er, bei der Geburt einen Hirnschaden erlitten zu haben. Dies erkläre zumindest teilweise dessen impulsive Persönlichkeit, die sich nach und nach zum Selbstzerstörerischen ausprägte.

Michael de Ferdinandy, Philipp II. Größe und Niedergang der spanischen Weltmacht (Bechtermünz, Augsburg 1996) 448 Seiten, antiquarisch ab ca. 7,50 Euro.

Michael de Ferdinandys Biographie über Philipp II. stammt von 1977 und gilt längst als ein Klassiker. Vergleichsweise ausführlich und auf guter Quellenbasis schildert der ungarische Historiker die Generationskrise im spanischen Königshaus und den sich über die Jahre zuspitzenden Machtkampf zwischen Philipp II. und seinem Sohn Don Carlos. Mit seiner rhapsodischen Erzählweise gelingt es Ferdinandy, die immer turbulentere Beziehung in zahlreichen Facetten auszuleuchten – jedoch zulasten einer strengen Chronologie der Ereignisse.

Prag

Prag – Der Gelehrtenkaiser

Robert J. W. Evans, Rudolf II. Ohnmacht und Einsamkeit (Styria Verlag, Graz 1980) 252 Seiten, antiquarisch ab 12,90 Euro erhältlich.

Das Buch des Historikers Robert J. W. Evans von der University of Oxford ist mehr als 30 Jahre alt, doch es zählt noch immer zum Besten, was je über den Gelehrtenkaiser Rudolf II. von Habsburg geschrieben worden ist. Dabei versteht sich das Werk nicht als Biografie, es will eher den Monarchen in den geistigen Strömungen seiner Zeit verorten und – ganz nebenbei – die Person Rudolfs von den zahlreichen Legenden und Fehlurteilen reinwaschen, die sich um ihn ranken. Nach der Lektüre hat der Leser mit Rudolf einen ernsthaften, kunstsinnigen, wissenshungrigen aber auch getriebenen Mann vor Augen, der stets versucht hat, die ins Chaos gestürzte Welt seiner Zeit zu ordnen und sein Amt als Beschützer der abendländischen Christenheit auszufüllen. Nur bei der Beurteilung von Rudolfs Geisteszustand schießt der Autor über sein Ziel der Ehrenrettung hinaus, indem er das Leiden des zu krankhafter Schwermut neigenden Kaisers hinwegzudiskutieren versucht.

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Eliška Fučíková et al. (Hrsg.), Rudolf II and Prague: The Court and the City (Thames & Hudson, London 1997) 792 Seiten, antiquarisch ab 84 Euro erhältlich.

1997 setzte eine Ausstellung auf der Prager Burg und im Wallensteinpalais Rudolf II., seinem Mäzenatentum, seiner Sammlertätigkeit, seinen Forschungen und der Stadt Prag ein großartiges Denkmal. In den 30 inhaltsreichen Essays des Katalogbandes wird dem Leser jene Zeit näher gebracht, in der Rudolf die Stadt an der Moldau zu seiner Residenz erhob und zu einem Zentrum der Kunst und der Gelehrsamkeit machte. Die Vielfalt der Künstler, Kunsthandwerker und Forscher an seinem Hof ist Legende, was sie geschaffen und für den Fortgang ihrer Disziplinen erreicht haben, ist das Leitthema des Katalogs.

Peter Marshall, The Mercurial Emperor. The Magic Circle of Rudolf II in Renaissance Prague (Pimlico, London 2007) 276 Seiten, 15,99 Euro.

Wer ein Gefühl für die geistigen Umwälzungen der späten Renaissance, die Magie Prags und die Person des Kaisers bekommen möchte, dem sei zuletzt noch dieses Buch empfohlen. Marshall gelingt es, den Leser gekonnt durch das Leben des Kaisers und zugleich durch die Vielfalt seiner Interessensgebiete zu führen: von der Kunst des Manierismus über die Wunderkammerstücke bis zu den magischen, alchemistischen und astrologischen Forschungen an seinem Hof und in den Gassen Prags. Doch Vorsicht: In den Details ist Marshall nicht immer akkurat. Und zuweilen bemüht er Sagen, deren Ursprünge viel jüngeren Datums sind als die Zeit um 1600.

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Die Türken vor Wien

Die Türken vor Wien

Andrew Wheatcroft, The Enemy at the Gate: Habsburgs, Ottomans and the Battle for Europe (Basic Books, New York 2009) 384 Seiten, Euro 19,90.

Über Habsburger und Osmanen hat der britische Historiker Andrew Wheatcroft schon in früheren Büchern geschrieben. Hier nun erzählt er vom entscheidenden Zusammenprall der mächtigsten Herrscher der christlichen und der islamischen Welt vor den Toren Wiens. Ermutigt vom Sieg am Kahlenberg, beginnt Kaiser Leopold I. einen Eroberungskrieg in Ungarn und auf dem Balkan. Wheatcroft schildert auch diese Kämpfe und die Heldenmythen, die daraus entstanden. Das beste neue Buch über die Belagerung von Wien, spannend geschrieben in gut lesbarem Englisch.

Johannes Sachslehner, Wien anno 1683 (Pichler Verlag, Wien 2006) 359 Seiten, antiquarisch ab ca. 40 Euro.

Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember entfaltet Johannes Sachslehner die Ereignisse des Jahres, das die Geschichte Europas in eine andere Bahn lenkte: eine farbige Chronik voller Details. Dabei schildert der Autor auch den weniger bekannten Aufstand der ungarischen Protestanten gegen die brutale Rekatholisierung unter dem Kaiser und König Leopold I., der fatale Folgen für Wien zeitigte – denn die Rebellen verbündeten sich mit den Osmanen, öffneten ihnen den Weg nach Westen und sicherten ihren Nachschub.

Ekkehard Eickhoff, Venedig, Wien und die Osmanen. Umbruch in Südosteuropa 1645-1700 (Klett-Cotta, Stuttgart 2009) 464 Seiten, 29,90 Euro.

Während in Europa der Dreißigjährige Krieg tobte, war das Osmanische Reich mit sich selbst beschäftigt. Doch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entbrennen an mehreren Fronten Kämpfe zwischen den türkischen Sultanen und mitteleuropäischen Mächten: auf Kreta ringen die Osmanen mit Venedig um die Herrschaft im östlichen Mittelmeer, in der Ukraine führen sie Krieg gegen Polen. Ekkehard Eickhoff stellt den Kampf um Wien in dieses breitere Panorama, in seinem ebenfalls schon klassischen, aktualisierten und immer noch sehr lesenswerten Buch.

Karl II.

Karl II. – Der Fluch des Hauses Habsburg

Karl Vocelka/Lynne Heller, Die private Welt der Habsburger. Leben und Alltag einer Familie (Verlag Styria, Graz 1998) 368 Seiten, nur noch antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich.

Wie lösten die Habsburger politische und menschliche Konflikte? Wie sah das Leben an ihren Höfen aus? Wie ihr Alltag, wie ihre Feste? Das Buch gibt anschaulich Antwort – auch über die aus der Heiratspolitik der Familie resultierende Inzucht, deren gesundheitliche Folgen Karl II., den letzten spanischen König der Dynastie, ganz besonders belasteten.

Maria Theresia

Maria Theresia

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Edwin Dillmann, Maria Theresia (DTV, München 2000), 159 Seiten, 10 Euro.

Kompakte und gut lesbare Biografie der Habsburger-Herrscherin, die drei große Kriege um Schlesien gegen Friedrich II. von Preußen führte, deren Feinde ihr das Reich wegnehmen wollten – und die sich doch in einer Männerwelt durchsetzte. Und zudem noch 16 Kinder zur Welt brachte.

Hannes Etzlsdorfer, Maria Theresia. Kinder, Kirche & Korsett. Die privaten Seiten einer Herrscherin (Kremayr & Scheriau Verlag, Wien 2008) 223 Seiten, 9,90 Euro.

Während Dillmanns Biografie im Wesentlichen die Herrscherin Maria Theresia behandelt, schreibt Etzlsdorfer über das Privatleben der Erzherzogin von Österreich: Über die Ehefrau des Kaisers Franz I. und die 16-fache Mutter, die starken Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder nahm.

Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart

Wolfgang Hildesheimer, Mozart (Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005) 423 Seiten, 10 Euro.

Der biographische Essay des Schriftstellers Wolfgang Hildesheimer, erstmals im Jahr 1977 erschienen, ist trotz und wegen seiner gelehrten Subjektivität ein Klassiker der uferlosen Mozart-Literatur: das glänzend geschriebene Werk eines kritischen Liebhabers, der ohne Ehrfurcht vor der Chronologie, aber dafür mit detektivischem Blick die Fakten neu wertet und sortiert – und dabei im Vorübergehen die Mozart-Mythen seiner Zeit zertrümmert.

Maynard Solomon, Mozart. Ein Leben (Metzler, Stuttgart 2005) 618 Seiten, antiquarisch ab ca. 7 Euro.

Der amerikanische Schallplattenproduzent und Musikwissenschaftler liefert in seinem für den Pulitzer-Preis nominierten Buch nicht nur eine atemberaubende Fülle an zeitgenössischem, oft erstmals veröffentlichtem Quellenmaterial, sondern auch zahlreiche neue Einsichten und – bisweilen streitbare – Thesen zu Musik und Leben des Komponisten. Dabei scheut er sich auch nicht, Erkenntnisse aus Soziologie, Psychoanalyse und Religionswissenschaft heranzuziehen.

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Tiroler Bauernaufstand

Tiroler Bauernaufstand

Hans Magenschab, Andreas Hofer. Held und Rebell der Alpen (Amalthea Signum, Innsbruck 2007) 384 Seiten, 9,95 Euro.

Ist der Aufstand der Tiroler von 1809 nichts als der Kampf rückständiger Bauern und religiöser Fanatiker? Gegen die Aufklärung, gegen jede moderne Entwicklung? Und wie gerät ausgerechnet ein politisch so naiver Mann wie Andreas Hofer an die Spitze der Rebellion? Und mitten in die epochale Auseinandersetzung zwischen Napoleon und Kaiser Franz von Österreich um die Neuordnung Europas? Auf diese Fragen gibt der Staatswissenschaftler Hans Magenschab Antworten. Seine herausragende Hofer-Biographie beschreibt die Geschichte eines blutigen Dramas, das mitunter absurde und geradezu operettenhafte Züge annimmt. Ein spannendes Buch – und dabei stets hart an den Fakten.

Meinrad Pizzinini, Andreas Hofer. Seine Zeit – sein Leben – sein Mythos (Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2008) 372 Seiten, 39,95 Euro.

Der reich bebilderte Band des Historikers Pizzinini ist wohl das ultimative Werk zu Tirol und zu Andreas Hofer. Akribisch zeichnet er die Entwicklung Tirols vom Mittelalter bis in die Zeit Napoleons nach. Doch Pizzinini beleuchtet nicht nur den historischen Boden, auf dem Hofer steht. Ausführlich widmet er sich auch der Hofer-Rezeption. Vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Metternich

Metternich – Hüter der alten Ordnung

Wolfram Siemann, Metternich. Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Verlag C.H. Beck, München 2010) 128 Seiten, 8,95 Euro.

Ein finsterer Reaktionär, hoffnungslos rückwärtsgewandt – so hat man Klemens von Metternich lange gesehen. Zu lange, meint der Historiker Wolfram Siemann und versucht in diesem schmalen Band, das Bild des langjährigen österreichischen Staatskanzlers neu zu zeichnen. Überzeugend arbeitet er heraus, dass die Schaffung eines dauerhaften Friedens in Europa das wichtigste Ziel von Metternichs Politik war – ein Ziel, in dem er bestärkt wurde durch seine Erfahrungen mit dem kriegslüsternen Napoleon. Außerdem zeigt er, wie Metternich besonders in seinen letzten Amtsjahren versucht hat, die verkrustete Habsburgermonarchie zu reformieren – und dabei von der Kaiserfamilie ausgebremst wurde. Ein sehr anregendes Buch und ideale Einstiegslektüre für alle, die sich intensiver mit Metternich beschäftigen wollen.

Guillaume de Bertier de Sauvigny, Metternich. Staatsmann und Diplomat im Zeitalter der Restauration (Diederichs, München 1996) 560 Seiten, antiquarisch ab ca. 5 Euro.

Von den Schlafzimmern in die Kabinette und wieder zurück – diese Biographie stellt Metternich nicht nur als Staatsmann vor, sondern auch als einen Mann, der noch ganz von der Zeit des Rokoko geprägt ist: ein Frauenliebhaber, der neben seinen drei Ehen immer wieder zahlreiche Affären mit anderen, meist adeligen Damen hatte. Privates und Politisches mischen sich dabei oft, etwa bei Metternichs Beziehung zu Napoleons Schwester Caroline. Ein lebendig geschriebenes Buch, das auch ausführlich den turbulenten Verlauf des Wiener Kongresses schildert.

Donaumonarchie

Donaumonarchie – k.u.k. Die letzte Blüte

Jean-Paul Bled, Franz Joseph: Der letzte Monarch der alten Schule (Böhlau, Wien 1988) 617 Seiten, antiquarisch ab ca. 13 Euro.

Umfassende und dennoch spannend geschriebene Biographie des Habsburgers. Jean-Paul Bled, Professor in Paris und ausgewiesener Experte für österreichische Geschichte, wechselt geschickt zwischen großer Politik und privaten Schicksalsschlägen hin und her, um das lesenswertes Panorama eines langen Lebens zu zeichnen. Über die sozialen Entwicklungen in der Donaumonarchie erfährt der Leser allerdings nur am Rande.

Peter Csendes (Hrsg.), Österreich 1848-1918: Das Zeitalter Kaiser Franz Josephs I. (Verlag Christian Brandstätter, Wien 1989) 320 Seiten, antiquarisch ab ca. 20 Euro.

Bilderreiche Chronik einer Epoche. Peter Csendes, stellvertretender Direktor des Wiener Stadtarchivs, kombiniert zeitgenössische Karikaturen, Fotografien und Plakate mit Kurzbiographien sowie knappen Artikeln über Wirtschaft, Kunst und Kultur. Das Ergebnis wirkt wie das bunte Tagebuch des Habsburgerreiches – zur Zeit seiner letzten Blüte. Die Themen werden zwar nicht erschöpfend behandelt, aber dafür bietet Csendes einen kurzweiligen Überblick.

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Sisi

Sisi – Rebellin am Wiener Hof

Brigitte Hamann, Elisabeth. Kaiserin wider Willen (überarbeitete Neuausgabe, Piper Verlag, München 2010) 639 Seiten, 14,95 Euro.

Mitreißend erzählte Standardbiografie über „Sisi“, die 1854 als 16-Jährige den österreichischen Kaiser Franz Josef geheiratet hat. Die junge Frau rebelliert gegen die starre Etikette am Wiener Hof, gegen ihre strenge Schwiegermutter, sie liest verbotene Bücher, raucht, turnt, lässt sich tätowieren – und unterstützt den Unabhängigkeitskampf der Ungarn.

Katrin Unterreiner, Sisi. Kaiserin Elisabeth von Österreich. Ein biografisches Porträt (Verlag Herder, Freiburg 2005) 192 Seiten, 12,95 Euro.

Kurze und kompakte Lebensbeschreibung der Kaiserin, verfasst von der früheren wissenschaftlichen Leiterin des Wiener Sisi-Museums.

Kaiser Maximilian von Mexiko

Kaiser Maximilian von Mexiko

Brigitte Hamann, Mit Kaiser Max in Mexiko. Aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenmüller 1864-1867 (Piper, München 2001) 311 Seiten, antiquarisch ab ca. 12 Euro.

Mit seinen Spielschulden und Affären war der junge preußische Adelige Carl Khevenmüller für seine Familie zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Da bietet sich 1864 die Chance, den jugendlichen Hitzkopf außer Land zu schaffen: Khevenmüller tritt in das österreichische Freiwilligencorps ein, das Kaiser Maximilian auf seinem mexikanischen Abenteuer begleitet – und ihm bis zur Schluss die Treue hält. Nach dem Tod des Habsburger Herrschers verhandelt Khevenmüller über den Abzug der Österreicher. Die Historikern Brgitte Hamann hat die Tagebucheinträge des jungen Grafen gesammelt, editiert und kommentiert. Das Buch vermittelt ein lebendiges, authentisches Bild von der Lebens- und Gedankenwelt der mexikanischen Abenteurer.

Wien 1908

Wien 1908 – Metropole der Kunst

Carl E. Schorske, Fin-De-Siecle Vienna: Politics and Culture (Vintage, New York 1980) 432 Seiten, 18,99 Euro.

Vielleicht das Standartwerk zur Wiener Geisteswelt um die Jahrhundertwende. Schorske zeichnet an den Beispielen von Klimt, Freud, Schnitzler und anderen Wiener Größen die Geburt der Moderne nach. Der emeritierte Princeton- und Harvard-Professor wurde für sein Hauptwerk mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Gebraucht auch in einer deutschen Übersetzung zu kaufen, unter dem Titel: „Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle“.

Jean-Paul Bled, Wien. Residenz, Metropole, Hauptstadt (Böhlau, Wien 2002) 448 Seiten, antiquarisch für ca. 35 Euro.

Für Leser, die etwas über den Aufstieg Wiens zu einer der kulturellen Hauptstädte Europas erfahren möchten. Jean-Paul Bled erzählt von der kaiserlichen Residenz nach der Belagerung der Türken, vom Glanz des Barock, von den ideologischen Rückzugsgefechten unter Metternich und von der neuen kulturellen Blüte der Metropole am Übergang zum zwanzigsten Jahrhundert. Der Autor ist Professor für Neuere Österreichische und Deutsche Geschichte an der Pariser Sorbonne und ehemaliger Direktor des Centre d'Etudes Germaniques in Straßburg.

Das Ende der Habsburger

Das Ende der Habsburger

Manfried Rauchensteiner, Der Tod des Doppeladlers (Verlag Styria Verlag, Graz 1993) 719 Seiten, in Bibliotheken erhältlich.

Kein anderes Buch behandelt die Rolle Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg derart umfassend wie das von Rauchensteiner. Ob Außen- oder Innenpolitik, ob Kriegsführung oder das Leid der Zivilisten – der österreichische Historiker widmet sich jedem Thema mit beeindruckender Akribie. Besonders gut beschreibt er die ungleiche Partnerschaft zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich. Insgesamt merkt man dem Werk auf jeder Seite an, dass es seinen Autor sieben Jahre Arbeit gekostet hat.

Mark Cornwall (Hrsg.), The last Years of Austria-Hungary (University of Exeter Press, 2002), 228 Seiten, 21 Euro.

Die vom britischen Historiker Mark Cornwall herausgegebene Aufsatzsammlung berücksichtigt neue Forschungserkenntnisse über den Zerfall des Habsburgerreiches, bleibt bei aller Präzision aber dennoch allgemein verständlich. Absolut lesenswert.

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