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Die Kelten Leseprobe: Zeitleiste - Das keltische Jahrtausend

Über Jahrhunderte bestimmt sie die Geschichte und Geschicke Mitteleuropas: Alle Daten und Fakten über die keltische Kultur im Überblick.

Lesen Sie einen Auszug aus GEOEPOCHE Nr. 47 "Die Kelten"

Ab etwa 800 v. Chr. bestimmt eine rätselhafte Völkerschar die Geschichte Mitteleuropas. Griechische Autoren werden diese Menschen später „Keltoi“ nennen (vielleicht „die Erhabenen“); Die Römer bezeichnen sie indes als „Galli“, die Germanen als „Welsche“. Keltische Stammesverbände leben zunächst in einigen fruchtbaren Gegenden Süddeutschlands, Ostfrankreichs, des heutigen Österreichs sowie der Schweiz. Später besiedeln sie weite Regionen zwischen Atlantik und Schwarzem Meer – bis die keltische Kultur um die Zeitenwende in der römischen aufgeht.

Einige wenige keltische Inschriften, Berichte antiker Autoren, von Archäologen geborgene Trinkgefäße und Waffen sowie rekonstruierte Siedlungen und Gräberfelder geben ebenso Auskunft darüber, wie und wo Kelten gelebt haben könnten, wie zahllose aus keltischer Zeit stammende Landschafts-, Orts- und Gewässernamen (etwa „Böhmen“, „Mailand“ und „Marne“).

Doch das von Sprachwissenschaftlern aus diesen geographischen Bezeichnungen rekonstruierte Verbreitungsgebiet des Keltischen deckt sich nicht überall und zu allen Zeiten mit den von Archäologen anhand von Funden als keltische Kulturregionen definierten Gebieten.

Auch haben Historiker Fehler und Ungereimtheiten in den Angaben griechischer und römischer Schriftsteller ausgemacht, die die Kelten und deren Siedlungsgebiet oft nur aus Berichten von Kaufleuten kannten. Und weil zudem die wenigen erhaltenen Inschriften keine Auskunft darüber geben, ob sich deren Autoren als Angehörige eines keltischen Volkes verstanden haben, streiten Altertumswissenschaftler seit Langem darüber, ab wann von „Kelten“ gesprochen werden kann und ob diese Kelten überhaupt ein Volk oder lediglich eine Schar vielfach verfeindeter Stämme waren.

Dennoch: Als „Kelten“ werden heute die Angehörigen der ältesten näher bekannten Kultur nördlich der Alpen bezeichnet. Wie aber hat sich diese Kultur – also die gemeinsame Kunst, Sprache und Lebensart – entwickelt? Ab wann haben sich die Menschen dieser Kultur als „Kelten“ verstanden? Und wie ist diese Kultur untergegangen?

Um 2800 v. Chr.

Aus Osteuropa stammende Nomaden (von manchen Altertumswissenschaftlern nach den charakteristischen Verzierungen ihrer Tongefäße als „Schnurkeramiker“ bezeichnet) wandern unter anderem ins spätere Kerngebiet der Kelten ein: in die Regionen der heutigen Staaten Österreich und Schweiz sowie nach Süddeutschland. Sie sprechen wie später auch die Kelten eine indoeuropäische Sprache (später werden Angehörige dieser Sprachfamilie von der Atlantikküste bis zum indischen Subkontinent siedeln). In den folgenden Jahrhunderten leben die Einwanderer im Keltengebiet neben dort bereits länger ansässigen Bevölkerungsgruppen, vermischen sich wohl auch mit diesen.

um 2200 v. Chr.

Im späteren Siedlungsgebiet der Kelten beginnen Handwerker, verstärkt Werkzeuge und Waffen aus Bronze herzustellen, einer relativ harten Legierung aus Kupfer und Zinn. Kupfer gewinnen sie vor allem im heutigen Salzburger Land – zunächst aus Erzadern nahe der Oberfläche, dann in Bergwerken. Zinn importieren die Metallexperten, die die neue Technik wahrscheinlich von Meistern aus Griechenland übernommen haben, aus entfernten Regionen, vielleicht aus dem Erzgebirge. Mit der beginnenden „Bronzezeit“ steigt die Nachfrage nach dem Metall in Mitteleuropa stark an. So entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte ein europäisches Handelsnetz.

vor 1500 v. Chr.

Nahe dem heutigen Hallstatt im österreichischen Salzkammergut beginnen Siedler mit dem Abbau von Salz in vertikalen Schächten – es entsteht das älteste bekannte Salzbergwerk Europas. Salz ist ein seltenes und begehrtes Gut, da es für die Gesundheit von Menschen und Haustieren sowie zur Konservierung von Fleisch unentbehrlich ist. Hallstätter Salz wird bald unter anderem nach Böhmen und Slowenien exportiert. Die durch den Handel mit Salz und Bronze wohlhabende Alpenregion wird später zu einem der bedeutendsten Zentren keltischer Kultur.

um 1500 v. Chr.

In den nordöstlichen Alpen sammeln die Bewohner der späteren keltischen Region goldhaltiges Quarzgestein, wie einige wenige archäologische Funde vermuten lassen. Bei den Kelten ist das edle Metall später lange Zeit nur den Adeligen vorbehalten.

um 1340 v. Chr.

Im Hallstätter Salzbergtal fügen Zimmerleute die älteste erhaltene Holztreppe Europas in einer Abbauhalle eines Bergwerks zusammen. Inzwischen sind zahlreiche Arbeitskräfte in die reiche Region zugewandert – vielleicht aus dem Unterinntal. Zur Versorgung der wachsenden Zahl von Menschen bewirtschaften Bauern nun auch Weiden in entlegenen Alpentälern. Landwirte bauen Gerste, Hirse und Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen an. Ehemals vereinzelte Höfe und Wohnstätten wachsen jetzt zu Dörfern heran.

nach 1300 v. Chr.

In den südlichen Alpen, nahe dem Lago Maggiore und dem Comer See, sprechen Menschen eine frühe Form des Keltischen, so das Ergebnis sprachwissenschaftlicher Studien. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Stammesgruppen vom nordwestlichen Alpenrand in diesen außerhalb des späteren keltischen Siedlungsgebiets gelegenen Landstrich zugewandert sind.

Hier verschmelzen die Kulturen der Einwanderer und der einheimischen Bevölkerung zu der „Golaseccakultur“ (benannt nach einem Ort in Oberitalien), die Inschriften in einem keltischen Dialekt hinterlässt. Nördlich der Alpen verbreitet sich in den folgenden Jahrhunderten das Keltische wahrscheinlich zunächst – durch Warentausch und soziale Kontakte zwischen den Stämmen begünstigt – als eine Art Handelssprache. Mit der Sprache gleichen sich wohl auch allmählich die Sitten und Werte der Keltisch sprechenden Menschen an.

um 1200 v. Chr.

In einigen Regionen des bronzezeitlichen Europas – etwa im Salzkammergut, im Westen Ungarns sowie in Böhmen – entsteht innerhalb kurzer Zeit eine neue Kultur, deren auffälligstes Merkmal ein neuer Bestattungsbrauch ist: Die Hinterbliebenen verbrennen die Leichname der Verstorbenen und setzen deren Asche in Tongefäßen bei – eine Sitte, die etwa 100 Jahre später auch in Südfrankreich und Katalonien verbreitet ist.

In der Zeit dieser „Urnenfelderkultur“ treiben Handwerker aus Bronzeblech zum Teil aufwendig mit geometrischen Mustern verzierte Gefäße. Die Menschen bauen jetzt neben unbefestigten, weilerartigen Siedlungen auch durch Wall- und Grabenwerke geschützte Ortschaften. Spätestens seit 1200 v. Chr. unterhalten die Bewohner Britanniens intensive Handelskontakte zum Festland. Sie werden die wohl wichtigsten Lieferanten von Zinn; möglicherweise importieren sie im Austausch unter anderem Waffen.

800 v. Chr.

In Hallstatt und den meisten anderen Gebieten der Urnenfelderkultur verarbeiten Handwerker neben Bronze nun vermehrt Eisen, das sie etwa zu Schwertern schmieden. In der Sichtweise vieler Archäologen markieren die beginnende „Eisenzeit“ und der damit verbundene kulturelle Wandel den Anfang des keltischen Zeitalters – denn jetzt beginnt die glanzvollste Epoche der mitteleuropäischen Vorgeschichte. Neben der Verwendung von Eisen ist ein Wandel in der Bestattungskultur ein weiteres auffälliges Merkmal der neuen Ära: Die Toten werden zumeist nicht mehr verbrannt, sondern – vielfach in Hügelgräbern – beigesetzt.

Die Ruhestätten werden je nach sozialer Stellung des Verstorbenen mit mehr oder weniger aufwendigen Beigaben ausgestattet. Doch brechen die Menschen dieser „Hallstattkultur“ nicht vollkommen mit den Traditionen ihrer Vorfahren der Urnenfelderkultur. So verzieren die Handwerker ihre Produkte weiterhin mit geometrischen Mustern. Die Hallstattkultur breitet sich nördlich der Alpen bis Prag aus sowie zwischen Wien im Osten und dem Burgund im Westen.

Die vollständige Zeittafel finden Sie in der gedruckten Ausgabe von GEOEPOCHE Nr. 47 "Die Kelten"

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