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GEOEPOCHE-Buchtipps: Das China des Mao Zedong

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion.
In diesem Artikel
Der letzte Himmelssohn
Der rote Bandit
Japan greift an
Flucht in die Berge
Duell um China
Aufbruch in eine neue Zeit
Kampf gegen Amerika
Der große Sprung
Kulturrevolution
Besuch vom Klassenfeind
Tod des roten Kaisers
Ein Plan für den Aufschwung
Sturm über Beijing

Der letzte Himmelssohn

DER LETZTE HIMMELSSOHN

Pu Yi, Ich war Kaiser von China (DTV, München 2004), 452 Seiten, 12 Euro.

Mit zwei Jahren wurde Pu Yi Kaiser von China, mit sechs Jahren musste er abdanken. Als Elfjähriger bestieg er den Drachenthron ein zweites Mal – allerdings nur für 17 Tage. Er flüchtete nach Japan, wurde später unter Maos Herrschaft zum überzeugten Kommunisten. In seiner Autobiografie erzählt Pu Yi sein unglaubliches Leben.

Jonathan Spence, Chinas Weg in die Moderne (Hanser Verlag, München 1995), 984 Seiten, 68 Euro. Auf knapp 1000 Seiten schafft es der Sinologe und Yale-Professor Jonathan Spence nicht nur, die neuere und neueste Geschichte Chinas souverän zu analysieren, sondern sie zugleich lebhaft darzustellen. Er verliert sich nicht in Gelehrtensprache, sondern erzählt detailliert und spannend. Ein großer Wurf.

Buchtipp-Archiv

GEOEPOCHE Buchtipp-Archiv
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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

Der rote Bandit

DER ROTE BANDIT

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Philip Short, Mao. A Life (Hodder & Stoughton Ltd, London 1999) 782 Seiten, antiquarisch ab ca. 54 Euro (Angaben beziehen sich auf die gebundene Ausgabe, als Taschenbuch ist Shorts Biografie antiquarisch ab ca. 22 Euro erhältlich).

Ausführliche Mao-Biografie eines ehemaligen BBC-Journalisten, der auch einen anderen Massenmörder des 20. Jahrhunderts porträtiert hat: Pol Pot. Sein Buch über den „Großen Vorsitzenden“ ist glänzend geschrieben und detailreich erzählt.

Jonathan Spence, Mao (Claasen Verlag, Berlin 2003) 254 Seiten, antiquarisch ab 32 Euro.

Sehr empfehlenswerte Biografie des britischen Sinologen, der in Yale lehrt und aus dessen Feder auch ein Standardwerk zur modernen Geschichte Chinas stammt. Die Lebensbeschreibung ist kenntnisreich und anschaulich erzählt.

Japan greift an

JAPAN GREIFT AN

William G. Beasley, Japanese Imperialism 1894-1945 (Oxford University Press, Oxford 1987), 296 Seiten, 35,99 Euro.

Das Buch ist ein Standardwerk zur Rolle Japans in China seit dem 19. Jahrhundert. Der Autor schlägt zwar einen recht großen Bogen und stellt immer wieder Bezüge her zum Vorgehen anderer Mächte in China. Doch nur so erhalten der Mukden-Zwischenfall und die Mandschurei-Krise den zum Verständnis notwendigen historischen Kontext.

Flucht in die Berge

FLUCHT DURCH DIE BERGE

Sun Shuyun, Maos Langer Marsch. Mythos und Wahrheit (List, München 2009), 384 Seiten, 9,95 Euro.

Sun Shuyun wuchs in der Zeit der Kulturrevolution in einem chinesischen Dorf auf, ihre Kindheit war getränkt von den glorifizierenden Heldengeschichten des „Langen Marsches“. Später studierte sie Geschichte in Peking und Oxford und arbeitet heute als Journalistin und TV-Produzentin in London und China. Für dieses Buch interviewte sie Überlebende des Schreckensmarsches, reiste zu dessen berühmtesten Stationen, sprach mit Hütern der Parteiheiligtümer und chinesischen Historikern, die am Lack des Mythos kratzen. Ihre lebendige Geschichtserzählung macht auch sehr anschaulich, wie tief die verklärenden Legenden über den Marsch das kommunistische China geprägt haben.

Ed Jocelyn & Andrew McEwen, The Long March. The true story behind the legendary journey that made Mao’s China (Constable, London 2006), 345 Seiten, 10,55 Euro.

Zwei in China lebende britische Journalisten, einer davon promovierter Historiker, machten sich auf, um Maos „Langen Marsch“ von Anfang bis Ende nachzuwandern. Sie schlugen sich auf den alten Bergpfaden durch, fragten nach den Geschichten über die Rote Armee, die in den Dörfern überliefert wurden, und stöberten die Alten auf, die noch eigene Erinnerungen hatten. Ihr Buch ist eine anschauliche Geschichtsreportage und gleichzeitig der amüsante Bericht einer Reise durch die chinesische Provinz.

Nicola Spakowski, “Mit Mut an die Front”. Die militärische Beteiligung von Frauen in der kommunistischen Revolution Chinas 1925-1949 (Böhlau, Köln u.a. 2009), 416 Seiten, 49,90 Euro.

Nur wenige Dutzend Frauen gingen mit auf den „Langen Marsch“ der Kommunisten aus dem „Jiangxi-Sowjet“, einige Tausend gehörten zur „Vierten Armee“. Nicola Spakowski untersucht, wer diese Frauen waren, warum sie sich am Krieg beteiligen wollten und wie sie an den Kämpfen beteiligt oder davon ausgeschlossen wurden. Das wissenschaftliche, aber sehr lesbare Buch beruht auf ihrer Habilitationsschrift.

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Duell um China

DUELL UM CHINA

Steven I. Levine & James C. Hsiung (Hrsg.), China's bitter Victory. The war with Japan 1937-45, (Sharpe, Armonk 1992), 334 Seiten, ca. 29 Euro.

Die Aufsatzsammlung beleuchtet alle Aspekte des mörderischen Konflikts zwischen China und Japan: die Armut der Bauern im Riesenreich China, Japans Großmachtbestrebungen, den schwierigen Pakt zwischen chinesischen Kommunisten und Nationalisten, die militärische Dimension genauso wie die Rolle der westlichen Großmächte. Nicht immer ganz einfach zu lesen, aber auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand.

Suzanne Pepper, Civil War in China. The Political Struggle, 1945-1949 (University of California Press, Berkeley 1978), 472 Seiten, neu ab 38 Euro, antiquarisch ab 11 Euro.

Suzanne Peppers Studie gilt bis heute als ein Standardwerk zum Bürgerkrieg 1945-49. Ihre Kernthese: Die KPCh sei erfolgreich(er) beim Werben um die Bevölkerung gewesen, habe politische Maßnahmen ergriffen, um die Lebensverhältnisse der „kleinen Leute“ zu verbessern – und habe so deren Unterstützung bekommen und gesichert. Diese These ist selbstredend nicht unumstritten, doch kommt bis heute kein Autor, der zu der Thematik arbeitet, um Peppers damalige Feststellungen herum – mindestens in Abgrenzung werden sie aufgenommen und gewürdigt. Die Autorin selbst avancierte zu einer der einflussreichsten Expertinnen des Feldes, so schrieb sie das betreffende Kapitel in der „Cambridge History of China“ – was einem wissenschaftlichen Ritterschlag gleicht.

Aufbruch in eine neue Zeit

AUFBRUCH IN EINE NEUE ZEIT

Jeremy Brown & Paul G. Pickowicz (Hrsg.), Dilemmas of Victory (Cambridge, Harvard University Press 2007), 462 Seiten, neu ab 18,99 Euro.

Aufsätze auf aktuellem Forschungsstand zu den ersten Jahren der Volksrepublik und der kommunistischen Machtübernahme. Die Studien zeigen wie flexibel die KP in unterschiedlichen Regionen, Städten und Provinzen vorging und wie sehr ihre Ergebnisse dabei schwankten – zwischen völligem Versagen und geschicktem Übergang.

Gail Hershatter, The Workers of Tianjin (Stanford, Stanford University Press 1986), 314 Seiten, ab 48,99 Euro.

Porträt des Lebens der Arbeiter Tianjins vor der kommunistischen Machtergreifung. Eine großartige sozialgeschichtliche Studie, die deutlich macht, warum viele Arbeiter die frühen 1950er Jahre als „Goldenes Zeitalter“ und „Befreiung“ empfunden haben.

Kampf gegen Amerika

KAMPF GEGEN AMERIKA

Richard Peters & Xiaobing Li (Hrsg.), Voices from the Korean War. Personal Stories of American, Korean, and Chinese Soldiers (Lexington, University of Kentucky Press 2004), 292 Seiten, neu ab 31,99 Euro.

Dieses Werk bietet nur eine kursorische Zusammenfassung des Kriegsverlaufs – lässt aber dafür die Soldaten selbst zu Wort kommen. Wer wissen will, wie sich die Kämpfer auf beiden Seiten der Front gefühlt haben, sollte dieses Buch lesen. Achtung: Kritiker vermuten, dass Beijing bei der Planung von Interviews mit chinesischen Veteranen „assistiert“ hat. Dies sollte man bei der Lektüre unbedingt im Kopf behalten.

Der große Sprung

DER GROSSE SPRUNG

Frank Dikötter, Mao’s Great Famine. The History of China’s Devastating Catastrophe, 1958-62 (Bloomsbury, London 2010), 420 Seiten, ca. 30 Euro.

Preisgekrönte Darstellung, die aber in Teilen der „academic community“ auch kritisiert wurde: Dikötters Perspektive ist sehr breit und wird entsprechend kaum den lokalen und regionalen Besonderheiten der Hungersnot gerecht. Für den interessierten Laien lohnt sich der Blick in das Buch dennoch.

Jasper Becker, Hungry Ghosts. China’s Secret Famine (Murray, London 1996), 352 Seiten, antiquarisch ab 14 Euro.

Das Buch gilt als Startpunkt einer erkennbar intensivierten internationalen Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Auswirkungen des „Großen Sprungs“. Bis dahin war in erster Linie über die Gründe für das Projekt und die Rolle Mao Zedongs diskutiert worden. Der Journalist Becker besuchte die Hauptgebiete des Massensterbens Ende der 1950er Jahre, etwa das Xinyang-Gebiet in der Provinz Henan, und sprach mit den Landbewohnern über ihre Erinnerungen.

Felix Wemheuer, Steinnudeln. Ländliche Erinnerungen und staatliche Vergangenheitsbewältigung der „Großen Sprung“-Hungersnot in der chinesischen Provinz Henan (Lang, Frankfurt a. M. 2007), 294 Seiten, ca. 63 Euro (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 27: Asiatische und afrikanische Studien Band 100).

Das Buch analysiert eine umfängliche Serie von Interviews, die der Sinologe Felix Wemheuer in der zentralchinesischen Provinz Henan durchgeführt hat. Das ist nicht unbedingt einzigartig – aber was Wemheuers Buch eindeutig auszeichnet, ist die solide Analyse, das überzeugende theoretische Fundament und der Blick für das Wesentliche.

Kulturrevolution

KULTURREVOLUTION

Gao Xingjian, Das Buch eines einsamen Menschen (Fischer, Frankfurt a.M. 2006), 478 Seiten, 12,95 Euro.

Der Roman des chinesischen Nobelpreisträgers für Literatur ist eine Auseinandersetzung mit der „Kulturrevolution“. Mit autobiografischen Zügen. Denn Gao Xingjian wird 1968 selbst zur „Umerziehung“ aufs Land gezwungen. Meisterhaft beschreibt er die traumatischen Erfahrungen durch den Terror der Gehirnwäsche zur „Korrektur“ des politischen Denkens und zur Ausrottung der „alten Kultur“.

Gao Yuan, Born Red. A Chronicle of the Cultural Revolution. Foreword by William A. Joseph (Stanford, Stanford University Press 1987), 416 Seiten, 25,99 Euro.

„Born Red“ ist eine Analyse der „Kulturrevolution“ und zugleich eine Art Tagebuch. Als Schüler schließt sich Gao Yuan in einer Provinzstadt den „Roten Garden“ an. Um, wie Mao der Jugend Chinas einredet, den Sozialismus im Land zu retten. Detailliert und eindringlich schildert Gao Yuan, wie die Roten Garden unaufhaltsam in einen Strudel aus Anarchie und brutaler Gewalt geraten. Ein beeindruckendes, ein herausragendes Buch.

Hu Jie, Though I am gone (Dokumentarfilm, China 2007), zu beziehen über http://dgeneratefilms.com/catalog/though-i-am-gone-wo-sui-si-qu

Eindringlicher Film über das erste Opfer der Kulturrevolution: die Lehrerin Bian Zhongyun. Regisseur Hu Jie konzentriert sich in der ruhigen, ganz in schwarz-weiß gedrehten Dokumentation auf den Ehemann der zu Tode geprügelten Pädagogin – und die Erinnerungen des Witwers an den Sommer 1966.

Besuch vom Klassenfeind

BESUCH VOM KLASSENFEIND

Xu Guoqi, Olympic Dreams. China and Sports 1895-2008 (Cambridge, Harvard University Press 2008), 378 Seiten, 24,99 Euro.

Die Ping-Pong-Diplomatie ist nur eines von vielen Kapiteln in diesem Buch, das die gesellschaftliche Bedeutung von Sport in China untersucht. Denn das Reich der Mitte ist ein zutiefst sportbegeistertes Land – und auch Mao Zedong teilte diese Leidenschaft.

William Burr (Hrsg.), The Kissinger Transcripts. The Top-Secret Talks With Beijing and Moscow (New Press, New York 1999), 516 Seiten, ab 14 Euro.

Er gilt als einer der umstrittensten Außenminister, die die USA je hatten: Henry Kissinger. Das Buch enthält zahlreiche Transkripte von Gesprächen, die der wichtigste westliche Diplomat des Kalten Krieges mit Mao Zedong, Deng Xiaoping, Leonid Breschnew und Zhou Enlai geführt hat. Gespräche, die Geschichte gemacht haben.

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Tod des roten Kaisers

TOD DES ROTEN KAISERS

Li Zhisui, Ich war Maos Leibarzt. Die persönlichen Erinnerungen des Dr. Li Zhisui an den „Großen Vorsitzenden“ (Lübbe, Bergisch Gladbach 1994), 688 Seiten, antiquarisch ab 24 Euro.

Doktor Li war über Jahrzehnte der Arzt an der Seite von Chinas mächtigstem Mann – und bekam so einen umfassenderen Blick auf den „Privatmenschen“ Mao als fast jeder andere Untertan: Auf dessen unsteten Tagesrhythmus, seine eigenwillige Körperhygiene, den Appetit auf junge „Kulturarbeiterinnen“... Nach dem Tod seines berühmten Patienten setzte sich der Mediziner in den Westen ab und veröffentlichte seine Memoiren. Sie sind nicht politisch oder analytisch, bilden bis heute aber die wichtigste (und im Wesentlichen bislang auch nicht von irgendwem korrigierte) Schilderung des „unsichtbaren“ Mao – inklusive der Dramen, die sich vor und nach dem Tod des „Großen Vorsitzenden“ abspielten.

Ein Plan für den Aufschwung

EIN PLAN FÜR DEN AUFSCHWUNG

Ezra F. Vogel, Deng Xiaoping and the Transformation of China (Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge 2011), 876 Seiten, ca. 30 Euro.

Monumentale Studie über den Mann, der Maos Erbe antrat – und China zu dem machte, was es heute ist: eine industrielle Supermacht. Minutiös schildert Vogel den Aufstieg Dengs und die wirtschaftliche Revolution, die er ausgelöst hat. Gerade erst erschienen und sehr zu empfehlen.

Sturm über Beijing

STURM ÜBER BEIJING

Zhang Liang & Andrew J. Nathan & Perry Link, Die Tiananmen-Akte (Propyläen, Berlin 2001), 766 Seiten, neu ca. 26 Euro.

Ein Unbekannter mit offenbar besten Kontakten zur Führungsriege in Beijing schmuggelte zur Jahrhundertwende Tausende Seiten Aktenmaterial aus dem Herzen der KPCh in den Westen, wo es übersetzt und kommentiert in diesem Band herausgegeben worden ist. Polizei- und Spitzelberichte, Protokolle von Sitzungen des Politbüros und anderer Gremien, Umfragen, Statistiken, Funktionärsberichte: Ein Panorama der Proteste in jenem Frühjahr 1989, die zunächst zur größten Demonstration in Chinas Geschichte, später zu deren blutiger Niederschlagung führten – alles aus Sicht der bedrohten, ratlosen, uneinigen Staatsspitze. Stellenweise eine zähe Lektüre, was bei Akten dieser Art nicht verwundert, insgesamt aber, auch dank der klugen Einführungen, ein ebenso faszinierendes wie erschreckendes Zeugnis vom Epochenjahr in China. Problematisch bleibt, das schreiben auch die Herausgeber, dass der Informant nicht bekannt ist, sich die Authentizität vieler Dokumente nicht mit letzter Gewissheit bestätigen lässt.

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