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GEOEPOCHE-Buchtipps zur Bismarck-Ära

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In diesem Artikel
ALLGEMEINE LITERATUR ZUR BISMARCK-ZEIT
DER JUNGE BISMARCK
PREUßEN IN DER INDUSTRIELLEN REVOLUTION
BISMARCK ALS MINISTERPRÄSIDENT
KRIEG GEGEN FRANKREICH UND REICHSGRÜNDUNG
GRÜNDERZEIT UND GRÜNDERKRISE
BERLINER KONGRESS – BISMARCKS AUßENPOLITIK
KOLONIALPOLITIK
KAMPF UM HAMBURG – BISMARCKS KONFLIKT MIT DEN SOZIALDEMOKRATEN
DIE LETZTEN JAHRE

ALLGEMEINE LITERATUR ZUR BISMARCK-ZEIT

Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866: Bürgerwelt und starker Staat (C.H. Beck, München 1983) 838 Seiten, 39,90 Euro.

Ders., Deutsche Geschichte 1866-1918, Bd. 1: Arbeitswelt und Bürgergeist (C.H. Beck, München 1990) 885 Seiten, 39,90 Euro.

Ders., Deutsche Geschichte 1866-1918, Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie (C.H. Beck, München 1992) 948 Seiten, 39,90 Euro.

Nipperdeys dreibändiges Werk (mittlerweile auch als Taschenbuchausgabe erhältlich) ist nach wie vor das Standardwerk zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts: kompetent, detailreich, hervorragend erzählt.

Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 3: Von der "Deutschen Doppelrevolution" bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914 (2. Auflage C.H. Beck, München 2007) 1515 Seiten, 59,90 Euro.

Schwer lesbar, aber extrem ausführlich (auch in der Literaturübersicht) und mit starken Bewertungen zu Bismarck: ebenfalls ein Standardwerk.

Christopher Clark, Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947 (Pantheon Verlag, München 2008) 896 Seiten, 19,99 Euro.

Herausragende Gesamtschau der preußischen Geschichte, verfasst von einem britischen Historiker – und das heißt wie so oft: besser lesbar als die Werke deutscher Geschichtswissenschaftler.

Buchtipp-Archiv

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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

DER JUNGE BISMARCK

Otto von Bismarck, Gedanken und Erinnerungen (Herbig, München, Sonderausgabe 2007) 633 Seiten, 9,99 Euro.

In hohem Alter aus dem Amt gedrängt, verfasste Bismarck seine Memoiren als Abrechnung – in mehr als einem Sinne. Selbstverständlich gibt da jemand Zeugnis über ein langes, ereignisreiches Leben. Aber zugleich schreibt da auch der lebenslange, unversöhnliche, geschickte Polemiker, der mit grimmigem Humor die Menschen, die seine Wege kreuzten, nach eigenem Gutdünken schildert. Seine Kindheit, Jugend und die turbulente Zeit der Revolution 1848 nehmen darin nicht einmal ein Zehntel des Umfangs ein. Sie sind aber eine gute, gelegentlich selbst-entlarvende, für manche Aspekte auch die einzige Quelle zum Werden des umstrittenen Staatsmannes.

Christian Graf von Krokow, Bismarck (dtv, München 2000) 496 Seiten, antiquarisch ab etwa 5,00 Euro erhältlich.

Eine kluge, fein geschriebene und dankenswerterweise auch illustrierte Biografie. Ein guter Einstieg für alle Neulinge in Sachen Bismarck.

Ludwig Reiners, Bismarcks Aufstieg 1815-1864 (dtv, München 1980) 460 Seiten, antiquarisch ab etwa 1,00 Euro erhältlich.

Der erste Teil einer zweiteiligen Biografie des "Eisernen Kanzlers". Mehr als ein halbes Jahrhundert alt, doch faktenreich und einigermaßen gut geschrieben. Die umfangreichste Darstellung von Bismarcks frühen Jahren – geschrieben von einem Gelehrten, der von den Liberalen und den Revolutionären von 1848 allerdings auch nicht viel mehr hielt als der Junker aus der Altmark.

PREUßEN IN DER INDUSTRIELLEN REVOLUTION

Hans-Werner Hahn, Die Industrielle Revolution in Deutschland (Oldenbourg, München 2011) 193 Seiten, 19,80 Euro.

Eine Fülle von Literatur gibt es zur Geschichte der Industriellen Revolution, ihren Ursachen und Rahmenbedingungen. Der schmale Band von Hans-Werner Hahn, Professor für Neuere Geschichte in Jena, ist ein Standardwerk, das sich bestens zur Einführung eignet. Knapp und klar geschrieben, behandelt er verschiedene Aspekte des Themas und stellt unterschiedliche Forschungsansätze vor. Wer tiefer einsteigen will, findet in dem umfangreichen Literaturteil eine Orientierungshilfe.

Helmut Lehmann, Eisenbahnen in Preußen (Alba, Düsseldorf 1998) 168 Seiten, 16,40 Euro.

Ein üppig bebildertes Bändchen für Eisenbahnfans, das die Geschichte der Bahnen in Preußen von der Eröffnung der ersten Strecke zwischen Berlin und Potsdam bis zum effizient organisierten Staatsbetrieb der Jahrhundertwende auffächert. Der Autor beleuchtet die technische Entwicklung, die wirtschaftliche Bedeutung und die Verstaatlichung der Eisenbahngesellschaften, aber auch die militärische Nutzung mit Fakten und Anekdoten.

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BISMARCK ALS MINISTERPRÄSIDENT

Julius H. Schoeps, Bismarck und sein Attentäter. Der Revolveranschlag Unter den Linden am 7. Mai 1866 (Ullstein, Frankfurt am Main 1984) 188 Seiten, antiquarisch ab ca. 1,50 Euro.

Am 7. Mai 1866 schießt der Tübinger Ex-Student Ferdinand-Cohen Blind aus nächster Nähe auf Otto von Bismarck, doch der preußische Regierungschef überlebt wie durch ein Wunder. Mit seiner Quellensammlung beleuchtet der Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps die Hintergründe und Folgen der Tat: Anhand von Presse- und Polizeiberichten, Briefen und Gedichten dokumentiert er die Reaktionen von Bismarcks Zeitgenossen. Aus den Quellen ergibt sich ein ebenso vielschichtiges wie faszinierendes Stimmungsbild, das nicht zuletzt die Zerrissenheit Deutschlands zu jener Zeit widerspiegelt.

Lothar Gall, Bismarck. Der weiße Revolutionär (Ullstein, München 2002) 927 Seiten, 14,95 Euro.

Lange spalteten sich die Historiker in zwei Lager: das der Bismarck-Bewunderer und das der Bismarck-Hasser. In seiner wegweisenden, erstmals 1980 erschienenen Biografie beschreitet Lothar Gall einen Mittelweg: Er räumt mit Vorurteilen auf, zeichnet ein fundiertes und unvoreingenommenes Bild des preußischen Machtpolitikers. Galls mitunter sperriger Stil erfordert Konzentration, sein Buch ist keine Entspannungslektüre. Doch wer Bismarck verstehen will, kommt an dem Werk des Frankfurter Historikers nicht vorbei.

Christian Graf von Krockow, Bismarck. Eine Biografie (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2000) 495 Seiten, antiquarisch ab ca. 3 Euro.

Der Politikwissenschaftler und Schriftsteller Christian Graf von Krockow hat eine auch für den Laien gut zugängliche Biografie geschaffen. Er schildert das Handeln Bismarcks im geschichtlichen Zusammenhang, spart dabei auch die Widersprüche seines Charakters nicht aus. Mit vielen Zitaten lässt er Bismarck selbst und seine Zeitgenossen zu Wort kommen. Ein klarer, gut lesbarer Überblick über Leben und Wirken des umstrittenen Staatsmannes.

KRIEG GEGEN FRANKREICH UND REICHSGRÜNDUNG

Geoffrey Wawro, The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871 (Cambridge University Press, Cambridge 2003) 327 Seiten, 23,49 Euro.

Leider gibt es kein deutsches Grundlagenwerk zur Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges, das nicht nur in erster Linie für Militärstrategen und Waffenkundler interessant ist. Ersatz bietet immer noch das breit, anschaulich und detailreich erzählte Buch von Wawro. Der Professor für Militärgeschichte in Texas berichtet über die Entstehung des Konflikts, der die beiden Nachbarländer in den Krieg führte, stellt die Hauptakteure vor und ihre Absichten, interessiert sich aber eben auch dafür, wie die Soldaten, die anfangs noch begeistert in die Schlacht zogen, einen Krieg erlebt haben, in dem erstmals nicht Krankheiten und Seuchen die meisten Todesopfer forderten, sondern die moderne Waffentechnik.

Johannes Willms, Napoleon III. Frankreichs letzter Kaiser (C.H. Beck Verlag, München 2008) 311 Seiten, 24,90 Euro.

Zum Mann im Schatten hat die historische Erinnerung Napoleon III., den letzen Kaiser von Frankreich, gemacht. Sein Ruhm ist verblasst im Schatten seines großen Onkels, Napoleon Bonapartes, und in dem seines Gegenspielers Bismarcks. Seine Erfolge verdunkelt die Niederlage seines Regimes in der Schlacht von Sedan. Es ist das Verdienst von Johannes Willms, nicht nur an den großen Verlierer zu erinnern, sondern auch an dessen Leistungen, die hinter seinem unrühmlichen Ende verschwinden. Denn Napoleon erkannte die Bedeutung der Wirtschaftspolitik und förderte freien Handel und den Ausbau der Infrastruktur. Er hoffte auf ein Europa autonomer Staaten. Das Paris, dessen Schönheit noch heute gerühmt wird, ist Ergebnis seiner gewaltigen Umgestaltung. Willms zeigt eine spannende, widersprüchliche Figur, die in ihren Gedanken ihrer Zeit oft weit voraus war, dafür allzu oft blind für die Erfordernisse seiner Gegenwart, vor allem in der Außenpolitik. Er schildert das Leben Napoleons mit großer sprachlicher Eleganz und viel Empathie für den tragischen Herrscher.

GRÜNDERZEIT UND GRÜNDERKRISE

Fritz Stern, Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder (C.H. Beck, München 2008) 861 Seiten, 19,95 Euro.

Die Doppelbiografie dokumentiert das Leben und Wirken des jüdischen Bankiers Gerson Bleichröder. Weil dieser den Reichskanzler Bismarck sowohl bei privaten Geschäften als auch etwa bei der Verhandlung der französischen Reparationszahlungen beriet, wirft das Buch auch ein ungewöhnliches Licht auf den mächtigen Kanzler und dessen politische Karriere – aus der Perspektive seines Bankiers, der enormen Einfluss auf Bismarck und sein Umfeld ausübte. Zudem hat der Autor die Vita des Berliner Bankiers derart gründlich untersucht, dass dem Leser die eher unbekannte Figur Bleichröders nachgerade zum Vertrauten wird – etwa bei seinem Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung oder der aufkeimenden Feindschaft mit Bismarcks Sohn Herbert.

Manfred Ohlsen, Der Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg. Eine preußische Gründerkarriere (Verlag der Nationen, Berlin 1987) 350 Seiten. In Bibliotheken erhältlich.

Gründlich recherchierte Biografie des unverfrorenen Unternehmers, pointiert geschrieben und voller anschaulicher Details. So schildert der Autor etwa, wie Strousberg auf dem Höhepunkt des Gründerbooms für ein zu verkaufendes Haus immer abenteuerlichere Summen verlangt – und sie bekommt. Allerdings ist der Text mit Vorsicht zu genießen: Die bissigen Seitenhiebe auf Strousbergs Skrupellosigkeit und die Schattenseiten des Kapitalismus dürften ideologisch motiviert sein. Das Buch wurde 1987 in Ost-Berlin verlegt.

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BERLINER KONGRESS – BISMARCKS AUßENPOLITIK

Ernst Engelberg, Bismarck, Band 2: Das Reich in der Mitte Europas (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1993, 600 Seiten, antiquarisch ab ca. zwei Euro.

Die Bismarck-Biografie des 2010 verstorbenen Historikers Ernst Engelberg ist zwar schon über 20 Jahre alt – an Relevanz hat sie dennoch nicht verloren. Denn Engelberg analysiert nicht nur übersichtlich und kenntnisreich das politische Wirken des ersten Reichskanzlers; man merkt seinem Werk ebenso an, wie sehr sich der Autor für den Menschen Bismarck interessiert hat.

Imanuel Geiss (Hg.), Der Berliner Kongreß 1878: Protokolle und Materialien (Boldt, Boppard am Rhein 1978) 428 Seiten, in Bibliotheken erhältlich.

Die Materialien-Sammlung über den Berliner Kongress ist vor allem deswegen so wertvoll, weil sie die detaillierten Protokolle sämtlicher Sitzungen enthält. So kann man tief eintauchen in den Verhandlungsalltag der damals mächtigsten Staatsmänner Europas, ihre Konkurrenz zueinander und ihre persönlichen Eitelkeiten besser verstehen. Dabei helfen auch die ausführlichen Fußnoten zu den Protokollen sowie die kundige Einführung des Herausgebers.

KOLONIALPOLITIK

Sebastian Conrad, Deutsche Kolonialgeschichte (C.H. Beck, München 2008) 128 Seiten, 8,95 Euro.

Kurzer, neuerer Überblick. Ein Einstieg für die weitere Beschäftigung mit der Geschichte des deutschen Kolonialreiches, das Bismarck nach 1884 aus innenpolitischen Gründen entgegen seinen ursprünglichen Absichten schuf.

Axel T. G. Riehl, Der "Tanz um den Äquator": Bismarcks antienglische Kolonialpolitik und die Erwartung des Thronwechsels in Deutschland 1883 bis 1885 (Duncker & Humblot, Berlin 1993) 886 Seiten, 76 Euro.

Warum Bismarck dennoch dem Erwerb von "Schutzgebieten" durch das Reich zustimmte, damit befasst sich ausführlich diese umfangreiche Dissertationsschrift.

KAMPF UM HAMBURG – BISMARCKS KONFLIKT MIT DEN SOZIALDEMOKRATEN

Heinrich Laufenberg, Geschichte der Arbeiterbewegung in Hamburg, Altona und Umgegend, Band 1 (J.H.W. Dietz, Berlin 1977; Nachdruck der Ausgabe von 1911) 646 Seiten, in Bibliotheken erhältlich.

Unübertroffen detailreiche Darstellung der frühen Jahre der Hamburger Sozialdemokratie und damit vor allem der Verfolgung unterm Sozialistengesetz. Verfasst hat das Werk der damalige Parteihistoriker der SPD. Der zweite Band erschien 1931.

Jürgen Rath, Arbeit im Hamburger Hafen. Eine historische Untersuchung (Ergebnisse Verlag: Hamburg 1988) 377 Seiten, antiquarisch ab ca. 10 Euro.

Das Hafenleben vor Erfindung des Containers: Von Schauerleuten, Ewerführern, Speicherarbeitern.

DIE LETZTEN JAHRE

Otto Pflanze, Bismarck. Der Reichskanzler (C.H. Beck, München 2008) 800 Seiten, 19,95 Euro.

Die acht Jahre nach Bismarcks Entlassung werden in den meisten Biografien nur auf wenigen Seiten behandelt. Wenigstens zwei der Standardwerke gehen dennoch ausführlicher auf die Zeit ein, in der letztlich der Mythos Bismarck entstand: Der amerikanische Historiker Otto Pflanze beschreibt im zweiten Teil seiner Lebensbeschreibung nicht nur - unter akribischer Berücksichtigung der Krankengeschichte - die Entwicklung des Geschassten zum Schreckgespenst für Kaiser und Regierung, sondern zieht auch eine ernüchternde Bilanz für dessen Lebenswerk, das sich weitgehend darin erschöpft habe, den "Fortbestand eines eigentlich zum Untergang verurteilten Systems" künstlich zu verlängern: "Der größte Teil des von Bismarck Geschaffenen verschwand innerhalb von fünfzig Jahren nach seinem Tod".

Ernst Engelberg, Bismarck, Band 2: Das Reich in der Mitte Europas (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1993, 600 Seiten, antiquarisch ab ca. zwei Euro.

Der marxistische Historiker Ernst Engelberg, der große alte Mann der DDR-Geschichtswissenschaft, beschreibt im letzten Band seiner 1600-Seiten-Biografie ausführlich, wie der Alte vom Sachsenwald in seinen letzten Jahren zwar geradezu kultisch "verehrt, aber nicht mehr gehört" wird - und bringt dabei dem Sozialistenfresser Bismarck mehr Sympathie entgegen als mancher Kollege aus dem kapitalistischen Westen.

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