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GEOEPOCHE-Buchtipps Wikinger

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In diesem Artikel
GESAMTDARSTELLUNGEN
DIE ERSTEN WIKINGER - ANGRIFF AUF LINDISFARNE
SCHIFFBAU - HERRSCHER ÜBER WIND UND WELLEN
WINTER AUF DEN LOFOTEN – EIN FEST FÜR ODIN
ÜBERFÄLLE IM FRANKENREICH - DRACHENBOOTE VOR PARIS
DIE RAUBZÜGE DER WIKINGER - LURS AUF GIBRALTAR UND ITALIEN
HAITHABU - METROPOLE ZWISCHEN DEN MEEREN
DAS NORDISCHE HANDELSNETZ - VOM NORDKAP BIS IN DEN ORIENT
LANDNAHME AUF ISLAND - DIE SIEDLER DER EISINSEL
BEGRÜNDUNG DER NORMANDIE - DYNASTIE DER SEERÄUBER
SIEDLUNGEN UND REICHE - DAS ERBE DER EROBERER
DIE ENTDECKUNG AMERIKAS - KURS AUF VINLAND
WARÄGERGARDE - IM DIENST DES KAISERS
HARALD DER HARTE - DER LETZTE WIKINGER

GESAMTDARSTELLUNGEN

Claudia Banck, Die Wikinger (Theiss, Stuttgart 2009) 175 Seiten, 19,95 Euro.

Ein leicht lesbarer, profunder Einstieg ins Thema. Als Nachschlagewerk bietet sich das Buch der Historikerin und Skandinavistin jedoch nicht an: Die Gliederung wirkt anekdotisch, ein Stichwortverzeichnis fehlt. Hilfreich sind aber die am Ende aufgeführten Hinweise auf vertiefende Literatur.

Katherine Holman, The A to Z of the Vikings (The Scarecrow Press, Lanham et al. 2009) 383 Seiten, 25 Euro.

Dieses Buch bietet einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Protagonisten, Schlachten, Alltagsaspekte und Relikte der Wikingerzeit. Ein geniales Hilfsmittel, das zudem einen umfängliches Literaturapparat bietet - sowie eine Liste, in der die wichtigsten europäischen Museen aufgeführt sind, die sich den Nordmännern und ihrer Zeit widmen.

Arnulf Krause, Die Welt der Wikinger (Campus Verlag, Frankfurt/New York 2006) 297 Seiten, 29,90 Euro.

Wie kein anderes Volk prägten die Wikinger das frühe Mittelalter als Piraten und Entdecker, als Söldner, Händler, Handwerker und Kolonisten. In zehn Kapiteln zeichnet Arnulf Krause den Aufstieg der Nordmänner zu einer Seemacht nach, deren Einflussgebiet vom Polarkreis bis zum Bosporus reichte. Der Autor befasst sich mit den Fahrten der Wikinger nach Britannien, ins Frankenreich, nach Russland, Byzanz, Island, Grönland und Nordamerika. Auch das Leben im frühmittelalterlichen Skandinavien sowie die Genese des romantisierenden Wikingerbildes in der Neuzeit skizziert der Germanist. Zahlreiche Abbildungen sowie Exkurse, die spezielle Themen wie Runen, Skalden, Religion, Handel oder Schiffsbau behandeln, machen das Buch zu einem übersichtlichen, spannend zu lesenden Einstiegswerk in den Wikingerkosmos – wobei man im Hinterkopf haben sollte, dass der Autor Schriftzeugnisse wie die isländischen Sagas recht unkritisch bewertet und ausschlachtet.

Peter Sawyer (Hg.), Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes (Nikol, Hamburg 2008) 304 Seiten, 39,90 Euro.

Der emeritierte Mittelalterforscher Peter Sawyer ist einer der profiliertesten Kenner der nordischen Geschichte. Das von ihm herausgegebene, inzwischen mehrfach aufgelegte Standardwerk versammelt Beiträge international renommierter Wissenschaftler, die die Ursachen, Formen und Folgen des skandinavischen Expansionsdrangs pointiert beleuchten und sich differenziert mit den Schriftquellen, aber auch mit archäologischen und kunsthistorischen Befunden sowie der isländischen Sagaliteratur auseinandersetzen.

Historisches Museum der Pfalz Speyer (Hg.), Die Wikinger (Edition Minvera, München 2008) 304 Seiten, 35 Euro.

Es gibt etliche Ausstellungskataloge, die sich der Wikingerzeit widmen - dieser opulent gestaltete Band gehört zu den aktuellsten und besten. Das Historische Museum der Pfalz in Speyer widmete den Nordmännern im Dezember 2008 eine Sonderausstellung und dokumentierte die Dramatik dieser Epoche mit bedeutenden archäologischen, kunsthistorischen und literarischen Hinterlassenschaften jener Zeit. Ein Schwerpunkt von Ausstellung und Begleitband ist der Alltag der Räuber und Händler im wikingerzeitlichen Skandinavien, der durch Abbildungen von Waffen, Geschirr, Schmuck und mythologischen Figuren repräsentiert wird - sowie einer Buddha-Figur, die einst auf verschlungenen Wegen von Asien bis nach Schweden gelangte. Renommierte Wissenschaftler beschäftigen sich in übersichtlichen Artikeln zudem mit Aspekten wie der Runenkunst und dem Schiffbau – und stellen archäologische Sensationen wie die Trelleborgen vor, die der dänische König Harald Blauzahn Ende des 10. Jahrhunderts an fünf Orten seines Reiches anlegen ließ: Ihre streng symmetrische Form gibt den Forschern bis heute Rätsel auf.

Buchtipp-Archiv

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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

DIE ERSTEN WIKINGER - ANGRIFF AUF LINDISFARNE

F. Donald Logan, The Vikings in History (Routledge, New York 2005) 224 Seiten, ca. 29 Euro.

Lange galt das Frankenreich unter Karl dem Großen als jener Ort, an dem sich im Frühmittelalter die Geschichte Europas entschied. In seinem erstmals 1983 erschienenen Buch fordert der US-amerikanische Historiker Donald Logan seine Leser auf, stattdessen nach Norden zu blicken – auf die Kultur der Wikinger, die sich zur gleichen Zeit in fast alle Himmelsrichtungen ausbreiten. Logan beschreibt, wie aus den Piraten Siedler werden, die zwischen Grönland und Russland neue Reiche gründen und Europa so für immer verändern. Nicht alle Argumente Logans sind überzeugend, doch die Stärke seiner Neubewertung des europäischen Frühmittelalters sind eine klare Strukturierung und die gute Auswahl der historischen Quellen.

Stefan Brink & Neil Price (Hg.), The Viking World (Routledge, London 2008), 717 Seiten, ca. 42 Euro.

Für das beeindruckende Werk haben die die Wikinger-Experten Stefan Brink und Neil Price angesehene Fachkollegen als Autoren gewonnen. In 49 Kapiteln wird nahezu jeder Aspekt der altnordischen Welt abgehandelt: Schiffbau, Waffen, Handwerk und Textilien bis hin zu Sklaverei, Volksglauben und Totenkult. Ein großer Teil des Buches widmet sich den Eroberungszügen, die die Wikinger im Osten an die Wolga und im Westen bis nach Nordamerika führen. Kapitel über die Christianisierung und die allmähliche Herausbildung der skandinavischen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden beschließen diese umfassende Schau des aktuellen Forschungsstands.

SCHIFFBAU - HERRSCHER ÜBER WIND UND WELLEN

Ole Crumlin-Pedersen/Olaf Olsen, The Skuldelev Ships I. Topography, Archaeology, History, Conservation and Display (Viking Ship Museum/National Museum of Denmark, 2002) 360 Seiten, 82 Euro.

Der jüngst verstorbene Schiffsarchäologe Ole Crumlin-Pedersen gründete das Wikingerschiffsmuseum in Roskilde und galt bis zu seinem Tod als federführende Autorität seines Fachs. Dieses Buch berichtet darüber, wie er mit Kollegen vor rund 50 Jahren sechs vor der Hafeneinfahrt der dänischen Stadt Roskilde versunkene Wikingerboote hob, konservierte und die teils in winzige Bruchstücke zerfallenen Bauteile analysierte. Wie die meisten Bücher zum Thema ist auch dieses große Standardwerk in Englisch verfasst und in technisch-nüchternem Duktus geschrieben – ein Buch von enormer Detailfülle, das sich vor allem für Leser eignet, die bereits etwas von Booten verstehen.

Jan Bill u.a., Welcome on board! The Sea Stallion from Glendalough. A Viking longship recreated (Viking Ship Museum/National Museum of Denmark, 2008) 67 Seiten, 18,99 Euro.

Mit viel Begeisterung und so originalgetreu wie möglich bauten Schiffsarchäologen vor einigen Jahren die "Skuldelev 2" nach, ein nordisches Langschiff aus dem 11. Jahrhundert. Der schmale Band dokumentiert, wie herausfordernd es für die Bootsbauer von heute war, die Arbeitsweise der wikingerzeitlichen Schiffskonstrukteure nachzuahmen. Klar in Kurzartikel gegliedert, reich bebildert und auch für Laien verständlich, bietet das Buch einen gelungenen Einstieg in die nautische Welt der Nordmänner.

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WINTER AUF DEN LOFOTEN – EIN FEST FÜR ODIN

Gerd Stamsö Munch (Hg.), Borg in Lofoten: A Chieftain’s Farm in North Norway (Tapir Academic Press, Trondheim 2003) 310 Seiten, 55,99 Euro.

Es war Glück, dass ein Bauer auf Vestvagoy beim Pflügen auf die Überreste eines Hauses stieß - und Glück, dass er den Wert seines Fundes erkannte und die Arbeit sofort einstellte. Über mehrere Sommer gruben Forscher in den 1980er Jahren auf der Lofoteninsel und legten das größte Langhaus frei, das bisher in Europa gefunden wurde: den Häuptlingssitz von Borg. In dem Band berichten die Archäologen von ihrer Ausgrabungstätigkeit, erklären C-14-Analysen, deuten Pfostenlöcher - lassen aber auch den Alltag der Menschen von Borg lebendig werden.

Kirsten Wolf, Daily Life of the Vikings (Greenwood Press, Westport 2004) 210 Seiten, 43,99 Euro.

Woran glaubten die Wikinger? Was aßen sie? Wo schliefen sie? Welche Kleidung trugen sie? Welche Rechte hatten ihre Frauen? Wie nannten sie ihre Kinder? Was immer man über den Alltag der Nordmänner weiß – Kirsten Wolf hat es zusammengetragen. Die amerikanische Professorin für Skandinavistik liefert ein erschöpfendes Überblickswerk zu allen Aspekten des skandinavischen Lebens zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert.

ÜBERFÄLLE IM FRANKENREICH - DRACHENBOOTE VOR PARIS

Walther Vogel, Die Normannen und das Fränkische Reich bis zur Gründung der Normandie 799-911 (BiblioBazaar 2008, Nachdruck der Ausgabe Heidelberg 1906) 442 Seiten, etwa 40 Euro.

Eine Berliner Dissertation über jene Jahrzehnte, in denen Wikingerhorden immer tiefer, immer brutaler ins Frankrenreich vorstießen – auch bis hin zur Belagerung von Paris. Ausführlich, verständlich – aber nicht mehr ganz taufrisch. Achtung: Der Nachdruck ist tatsächlich unverändert, berücksichtigt also die neue Literatur der letzten 100 Jahre nicht – und ist, wie zu Kaisers Zeiten, noch in Fraktur gedruckt, die zumindest der Generation iPad so leicht leserlich vorkommen mag wie die Runen der Wikinger. Trotzdem bis heute eigentlich das beste Überblickswerk zum Thema.

Nirmal Dass (Hg.), Viking Attacks on Paris: The Bella parisiacae urbis of Abbo of Saint-Germain-des-Prés (Peeters, Paris et al. 2007) 130 Seiten, ca. 40 Euro.

Gut kommentierte zweisprachige Ausgabe eines langen Gedichtes, in dem der fränkische Mönch Abbo die Belagerung von Paris durch die Wikinger beschreibt. Der Geistliche war Augenzeuge des Krieges, harrte in den entscheidenden Monaten hinter den Mauern der belagerten Gemeinde aus. Sein Text – die weitaus beste Quelle zum Geschehen – ist in anspielungsreichem, komplizierten Latein verfasst. Nirmal Dass hat dankenswerterweise eine zuverlässige englische Übersetzung Zeile für Zeile beiseite gestellt. Es bleibt trotzdem keine ganz leichte Lektüre und somit eher ein Buch für diejenigen, die tief ins Thema einsteigen wollen.

DIE RAUBZÜGE DER WIKINGER - LURS AUF GIBRALTAR UND ITALIEN

John Haywood, Historical Atlas of the Vikings (Penguin, London 1996) 144 Seiten, ca. 24 Euro.

Ein reich bebildertes, umfassendes Kartenwerk zur Expansion der Wikinger – mit einem Schwerpunkt auf ihren Raub- und Kriegszügen. Durch Begleittexte angereichert, bietet das Buch differenzierte Antworten auch auf schwierige Fragen wie "Wieviele europäische Klöster haben die Skandinavier überfallen?" oder "Waren die Wikinger wirklich brutaler als ihre Zeitgenossen?"

Martina Sprague, Norse Warfare, The Unconventional Battle Strategies of the Ancient Vikings (Hippocrene Books, New York 2007) 369 Seiten, 25 Euro.

Auf welche Weise die Wikinger kämpften, warum sie meistens gewannen und wie ein nordischer Krieger auf seine Gegner gewirkt hat - die Grundlagen der skandinavischen Kriegsführung, solide recherchiert und packend erzählt.

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HAITHABU - METROPOLE ZWISCHEN DEN MEEREN

Sven Kalmring, Der Hafen von Haithabu (Wacholtz, Neumünster 2010) 672 Seiten, 120 Euro.

Drei Jahrzehnte nach der letzten großen archäologischen Kampagne in Haithabu – der aufwendigen Ausgrabung des Hafenbeckens – hat Sven Kalmring für seine Dissertation sämtliche Funde zusammengetragen, analysiert und mit einer Fülle von weiteren Dokumenten ergänzt. Das Ergebnis ist ein archäologisches Fachbuch, das auch interessierte Laien fesselt. Der Kaufpreis ist abschreckend hoch, aber kein anderes Werk bietet einen so umfassenden Einblick in die Welt der größten Hafenstadt der Wikingerzeit.

Hannelore Elsner, Haithabu - Schaufenster einer frühen Stadt (Archäologisches Landesmuseum, Schleswig 2004), 128 Seiten, antiquarisch ab 17 Euro.

Die Dauerausstellung im Wikinger Museum Haithabu ist vor kurzem modernisiert worden, doch der Begleitband zur alten Schau ist immer noch lesenswert. Hannelore Elsner erzählt die Geschichte der Stadt – illustriert mit Rekonstruktionszeichnungen, großen Karten und Auszügen aus mittelalterlichen Quellen. Besonders die Kapitel über Alltag und Ernährung sind zu empfehlen. Wer sich vor allem für das Handwerk der Wikinger interessiert, dem sei der neue Austellungskatalog ans Herz gelegt:

Birgit Maixner, Haithabu: Fernhandelszentrum zwischen den Welten, (Archäologisches Landesmuseum, Schleswig, 2010) 211 Seiten, 21,95 Euro.

DAS NORDISCHE HANDELSNETZ - VOM NORDKAP BIS IN DEN ORIENT

Dirk Meier, Seefahrer, Händler und Piraten im Mittelalter (Jan Thorbecke, Sindelfingen 2004) 192 Seiten, 24,90 Euro.

Reich bebildert, mit vielen zeitgenössischen Berichten und auch für Laien verständlich erzählt. Zum Einstieg in die mittelalterliche Seefahrergeschichte Nordeuropas sowie als Überblick zum gewaltigen Handelsnetz, das die Wikinger aufspannten, ist dieses Buch aus der Feder des Leiter der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie an der Universität Kiel perfekt.

LANDNAHME AUF ISLAND - DIE SIEDLER DER EISINSEL

William Fitzhugh und Elizabeth Ward (Hg.), Vikings - The North Atlantic Saga (National Museum of Natural History and Smithsonian Institution Press, Washington 2000), 424 Seiten, 29 Euro.

Der Band vereint Beiträge führender Wikinger-Experten, die in zwölf reich bebilderten Kapiteln nahezu jeden Aspekt der Reisen und Entdeckungen der Nordmänner im Atlantik schildern. Nach einer allgemeinen Einführung in die frühmittelalterliche skandinavische Welt folgen etwa Beiträge über die Besiedlung der Faröer, Islands und Grönlands, außerdem zu den nordischen Göttern und isländischen Sagas. Nicht immer leicht zu lesen, aber aufgrund der thematischen Breite als Einstiegswerk dennoch empfehlenswert.

Jesse L. Byock, Viking Age Iceland (Penguin, London 2001) 432 Seiten, 17 Euro.

Wer sich für die um 870 einsetzende Besiedlung Islands durch skandinavische Auswanderer interessiert, muss Byocks Buch lesen. Umfassend wie kein anderer beschreibt der US-amerikanische Archäologe und Historiker die Geschichte der nordatlantischen Vulkaninsel unter den Wikingern. Besonders detailliert geht Byock auf die Hierarchie der dort entstehenden Gesellschaft ein, in der es keinen König oder Fürsten gab, aber mächtige Großbauern, die tonangebend waren bei den Thingen, den Versammlungen aller freien Männer, auf denen die Siedler ihre Konflikte schlichteten.

BEGRÜNDUNG DER NORMANDIE - DYNASTIE DER SEERÄUBER

Trevor Rowley, Die Normannen (Magnus Verlag, Essen 2007) 192 Seiten, 12,95 Euro.

Der britische Historiker ist mit zahlreichen Publikationen zur mittelalterlichen Geschichte hervorgetreten. In diesem reich bebilderten Buch bietet er einen fundierten Überblick über die Entwicklung der Normannen – schildert also, wie aus plündernden Wikingern christliche Herrscher im Norden des Frankenreichs wurden, wie diese 1066 den englischen Thron eroberten und schließlich sogar im Süden Europas ein normannisches Königreich errichteten.

Alheydis Plassmann, Die Normannen. Erobern – Herrschen – Integrieren (Kohlhammer, Stuttgart 2008) 366 Seiten, 18,80 Euro.

Das Buch der Bochumer Historikerin ist eine vorzügliche Gesamtdarstellung zur Geschichte der Normannen in Europa, die 911 damit beginnt, dass der norwegische Wikingerführer Rollo Land im Seinebecken als Lehen vom westfränkischen König erhält. Unter Rollos Nachfolger steigt das entstehende christliche Herzogtum Normandie zu einem der mächtigsten Fürstentümer Europas auf. Prägnant und auf dem neuesten Forschungsstand.

SIEDLUNGEN UND REICHE - DAS ERBE DER EROBERER

Julian D. Richards, Viking Age England (The History Press, Stroud 2004) 254 Seiten, 17 Euro.

Ins Detail gehendes Werk über die Eroberung und Besiedlung Englands durch die Wikinger, das im Wesentlichen auf der Auswertung archäologischer Funde basiert: Julian Richards von der University of York, der selbst bedeutende Ausgrabungsprojekte auf den Britischen Inseln geleitet hat, schlägt den Bogen von den ersten, blitzartigen Raubüberfällen der Nordmänner um 800 über die Gründung eigener Städte und Siedlungen bis zum Entstehen einer anglo-skandinavischen Mischkultur, die sich in archäologischen Artefakten und in der heutigen englischen Sprache wiederspiegelt.

DIE ENTDECKUNG AMERIKAS - KURS AUF VINLAND

Anne Stine und Helge Ingstad, The Norse Discovery of America. Excavations of a Norse Settlement at L'Anse Aux Meadows, Newfoundland 1961-1968 (Scandinavian University Press, Oslo et al. 1977), 2 Bände, zusammen 1032 Seiten plus Tafeln, nur antiquarisch erhältlich.

Die Bibel für alle, die sich ernsthaft mit der Geschichte der nach Amerika segelnden Wikinger beschäftigen wollen: ziegelsteinrot, ziegelsteingroß, ziegelsteinschwer. Anne Stine und Helge Ingstad, die in den 1960er Jahren die fast 1000 Jahre alte Wikingersiedlung auf Neufundland wiederentdeckten, berichten hier nicht nur von ihren Funden, sondern handeln alle Aspekte des Themas ab, von mittelalterlichen Chroniken über Schiffbautechniken der Nordmänner bis hin zu Fragen von Klima und Meeresströmungen. Außerdem sind die beiden wichtigsten mittelalterlichen Texte, die "Grönländersaga" sowie die "Saga von Erik dem Roten", in englischer Übersetzung vollständig abgedruckt. Also: Auf ZVAB, ebay und Co. nach dem Werk fahnden, Brieftasche ausquetschen - und kaufen. Es gibt bis heute nichts Besseres.

WARÄGERGARDE - IM DIENST DES KAISERS

Ellis Davidson, The Viking Road to Byzantinum (Allen & Unwin, Great Britain 1976) 368 Seiten, antiquarisch ab 37 Euro

Die beste und kundigste Studie zu jenen Wikinger, die ab 988 als „Warägergarde“ den byzantinischen Kaisern dienten, deren Leben schützten und für sie Krieg an vielen Fronten der damals bekannten Welt führten. Das Buch beschreibt ausführlich, wie es dazu kam, dass nordische Söldner über Jahrhunderte fern ihrer Heimat fremden Herrschern dienten, und lässt den Alltag der in Konstantinopel stationierten Leibwache in vielen Details lebendig werden.

Sigfús Blöndal/Benedikt S. Benedikz, The Varangians of Byzantinum (Cambridge University Press, Cambridge 2007) 242 Seiten, 38,15 Euro.

Sigfús Blöndal, der bereits 1950 verstarb, war ein Pionier der Waräger-Forschung. Seine bereits etwas ältere Monografie hat ein jüngerer Historiker überarbeitet, aktualisiert und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht. Eine brauchbare Darstellung.

Simon Franklin/Jonathan Shepard, The Emergence of Rus 750-1200 (Longman 1996) 472 Seiten, 57 Euro.

Das Buch der beiden Slawisten gilt als Standardwerk; es macht die erstaunliche Rolle deutlich, die Wikingern bei der Entstehung des russischen Staates zukam.

HARALD DER HARTE - DER LETZTE WIKINGER

John Marsden, Harald Hardrada – The Warrior’s Way (Sutton Publishing, Stroud 2007) 242 Seiten, 25 Euro.

Aus isländischen Sagas, byzantinischen Chroniken, Geschichtswerken des mittelalterlichen England und Frankenreich sowie aus dem, was moderne Archäologen und Historiker über die Welt der Wikinger zusammengetragen haben, formt Marsden seine umfangreiche Biographie des norwegischen Wikingerkönigs Harald Sigurdsson, genannt „der Harte“. Mehr als über die meisten Figuren der wikingischen Geschichte lässt sich über den jahrelangen Söldner und erfahrenen Kriegsherren erzählen, auch wenn vieles nach dem genauen Abwägen und Analysieren der Quellen, das Marsden betreibt, mehr gut begründete These als sicheres Wissen bleiben muss. Beeindruckend vor allem sind die weiten Reisen (auf den Karten des Buches nachvollziehbar), die Harald unternimmt, ehe sein Weg bei der Invasion Englands ein jähes Ende findet. Marsden konzentriert sich nicht nur auf Harald, sondern stellt zudem zahlreiche Personen aus dessen Umgebung vor, erklärt den historischen Kontext und Nebenaspekte wie das byzantinische Militärwesen. Die vielen Zusatzinformationen lassen den Leser allerdings manchmal den roten Faden, die Lebenserzählung, aus den Augen verlieren. Dennoch: eine Standardbiographie.

Kelly DeVries, The Norwegian Invasion of England in 1066 (Boydell Press, Woodbridge 2003) 322 Seiten, 26 Euro.

Das Jahr 1066 in England ist nicht nur das Jahr der Eroberung durch die Normannen unter Herzog Wilhelm in der berühmten Schlacht bei Hastings. Es ist auch das Jahr, in dem, nur wenige Wochen zuvor, der norwegische König Harald der Harte von Skandinavien aus die englische Krone an sich reißen will – und an der Stamford Bridge bei York mit seinem Wikingerheer tödlich scheitert. Der US-amerikanische Militärhistoriker DeVries beschäftigt sich ausführlich mit eben jener zweiten – chronologisch ersten – Schlacht, die sonst zu unrecht eher wenig Aufmerksamkeit erhält. Gut lesbar, klar gegliedert und dennoch spannend schildert DeVries sämtliche Aspekte der Wikinger-Invasion: das historische Verhältnis zwischen Skandinavien und England, die Biographien der königlichen Kontrahenten, die Ausrüstung und Organisation der beiden Heere, die Überfahrt und Ankunft der Wikinger. Und natürlich die eigentliche Schlacht. Am Ende würdigt der Autor dann auch auch die Kämpfe von Hastings – in einem sehr kurzen Ausblick.

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