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GEOEPOCHE-Buchtipps Rom - Kaiserreich

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion
In diesem Artikel
RÖMISCHES KAISERREICH - nachgeschlagen
AUGUSTUS – Der zweite Gründer Roms
VERWALTUNG – Im Zentrum der Macht
NERO – Oh brennendes Rom
GLADIATOREN – Seeschlacht im Kolosseum
TRAJAN – Der Fluch der Größe
HADRIANSWALL – Bollwerk gegen die Barbaren
MARK AUREL – Zum Herrschen verurteilt, zum Krieg verdammt
SOLDATENKAISER – Mörder auf dem Thron
ROM – Die Stadt der Städte
KONSTANTIN – Sieger im Zeichen des Kreuzes
THEODOSIUS – Verteidiger des wahren Glaubens
ALARICH – Der Angriff der Goten
UNTERGANG – Ende eines Weltreiches
PORTRÄTS – Denker und Dichter

RÖMISCHES KAISERREICH - nachgeschlagen

Klaus Bringmann, Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike (C. H. Beck Wissen, 8. Auflage München 2004), 128 Seiten, 8,95 Euro.

Zu den Arbeitsschwerpunkten des im Jahr 2000 emeritierten Professors für Alte Geschichte an der Universität Frankfurt gehört die späte Republik und die frühe Kaiserzeit. In diesem 1995 erstmals erschienenen kleinen Bändchen leitet Bringmann konzise her, wie sich der römische Staat insgesamt entwickelt hat. Von den frühesten Anfängen als Stadtkönigtum am Tiber, über die Republik und deren Scheitern, die Geburt des Kaisertums sowie dessen Krise und Niedergang, Nachhall in der europäischen Geschichte inklusive. Eine wunderbare Einstiegslektüre, die zugleich die unter manchen Historikern verbreitete Annahme widerlegt, eine komplexe Materie wie etwa das Römische Kaiserreich nicht auf knappstem Raum darstellen zu können.

Karl Christ, Die Römische Kaiserzeit. Von Augustus bis Diokletian (C. H. Beck Wissen, 2. Auflage München 2004), 128 Seiten, 8,95 Euro.

Der 2008 verstorbene Marburger Althistoriker war ein herausragender Kenner der römischen Geschichte – und zugleich ein begeisterter Vermittler zwischen Forschung und Öffentlichkeit. In diesem Band widmet er sich der Geschichte der römischen Kaiserzeit. Weniger chronologisch als analytisch-thematisch führt er den Leser in Themengebiete wie Struktur des Prinzipats, Aufbau der Gesellschaft, Wirtschaft, Religion, Kultur und Wissenschaft ein und zeigt so auf, welch ein Staatswesen mit Augustus seinen Anfang nahm und mit den Reformen des Diokletian seinen ersten Abschluss fand. Wer indes die ausführlichere Form schätzt, dem sei wärmstens sein Werk „Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis zu Konstantin“ empfohlen (C. H. Beck, 6. Auflage mit aktualisierter Bibliografie München 2010, 886 Seiten, 39,90 Euro).

Michael Sommer, Die Römischen Kaiser. Herrschaft und Alltag (Philipp von Zabern, Mainz 2010), 208 Seiten, 29,90.

Man merkt dem Autor an, dass er in Großbritannien lehrt, steht er doch in der exzellenten Tradition der dortigen Geschichtsvermittlung. Lebendig, unterhaltsam und akkurat zugleich führt der deutsche Althistoriker den Leser in die Welt der römischen Kaiser ein. Wie wird man überhaupt Herrscher? Welche Aufgaben hat man als Princeps? Wie verwaltet man das Riesenreich? Wie hat sich das Regierungssystem Kaisertum im Wandel der Jahrhunderte geändert? Wie läuft ein Tag ab im Leben eines römischen Machthabers? Welche Rolle spielt seine Familie? Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die Sie schon immer einmal stellen wollten.

Manfred Clauss (Hrsg.), Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian (C. H. Beck, 4. aktualisierte Auflage, München 2011), 502 Seiten, 24,95.

Der Titel ist Programm, die Porträts stammen allesamt aus der Feder von ausgewiesenen Fachleuten und sind zumeist auch äußerst lesenswert. Der schnellste Weg zu den Herrscherpersönlichkeiten des Imperium Romanum.

AUGUSTUS – Der zweite Gründer Roms

Werner Eck, Augustus und seine Zeit (C. H. Beck Wissen, München 2009), 128 Seiten, 8,95 Euro.

Die Herrschaft des Augustus ist ein sehr komplexes Thema. Man kann Hunderte Seiten über das Prinzipat des ersten römischen Kaisers lesen - und noch immer nicht jeden Aspekt seiner Machtkonstruktion durchdrungen haben. Umso bemerkenswerter ist die Leistung des profilierten deutschen Althistorikers Werner Eck, der in diesem schmalen Band einen sehr fundierten Einstieg in das Thema bietet. So gelingt Eck nicht nur eine häufig pointierte Schilderung der Ereignisgeschichte. Er findet auf gerade mal 128 Seiten auch noch den Platz für die unerlässlichen und kundigen Erklärungen, ohne die Augustus' Prinzipat kaum zu verstehen ist.

Jochen Bleicken, Augustus. Eine Biographie (rororo-Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2010), 816 Seiten, 15 Euro.

Mit 816 Seiten die zurzeit wohl umfangreichste Augustus-Biografie. Sehr verständlich und detailliert schildert der 2005 verstorbene Althistoriker Jochen Bleicken den Weg des Augustus vom „ganz gewöhnlichen Terroristen“ und „meistgehassten Mann Italiens“ (Bleicken) zum Vater des Vaterlands. Das besondere Interesse des Autors gilt der rechtlichen Ausgestaltung des Prinzipats mit all seinen Sonderregelungen und Ausnahmegewalten. Zahlreiche Abbildungen und Karten.

Buchtipp-Archiv

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Seit Jahren stellt die GEOEPOCHE-Redaktion speziell für jede Ausgabe Listen mit Empfehlungen zur weiteren Lektüre zusammen. Hier werden sie gesammelt

VERWALTUNG – Im Zentrum der Macht

Francois Jacques & John Scheid, Rom und das Reich der Hohen Kaiserzeit 44 v. Chr. – 260 n. Chr. Bd. 1: Die Struktur des Reiches (Teubner, Stuttgart 1998), 998 Seiten, antiquarisch erhältlich ab 60 Euro.

Ein vorzügliches Handbuch: Wer sich einen Überblick über die Organisation des römischen Kaiserreiches verschaffen will, über seine politische Ordnung, die Wirtschaftsstruktur, den Aufbau von Militär und Verwaltung, die gesellschaftliche Gliederung, das Verhältnis von Zentralmacht und Provinzen – für den ist diese ausführliche Darstellung ein Muss. Noch dazu ist es trotz der mitunter spröden Themen, etwa der Besoldungsstufen der Beamten, sehr gut lesbar.

Aloys Winterling, Caligula. Eine Biographie (C. H. Beck, München 2003), 208 Seiten, 19,80 Euro.

Eine konzise, kritische Biografie, die vorsichtig versucht, das Bild eines blutrünstigen, wahnsinnigen Imperators zurechtzurücken. Der Althistoriker erklärt, warum der jugendliche Kaiser zwar grausam, aber nicht unbedingt das maßlose Monster war, zu das ihn die römischen Geschichtsschreiber gemacht haben. Eine gute Einstiegslektüre, gerade wieder broschiert neu erschienen in der beck’schen Reihe, 14,95 Euro günstig.

Michael Sommer, Die Römischen Kaiser. Herrschaft und Alltag (Philipp von Zabern, Mainz 2010), 208 Seiten, 29,90.

Man merkt dem Autor an, dass er in Großbritannien lehrt, steht er doch in der exzellenten Tradition der dortigen Geschichtsvermittlung. Lebendig, unterhaltsam und akkurat zugleich führt der deutsche Althistoriker den Leser in die Welt der römischen Kaiser ein. Wie wird man überhaupt Herrscher? Welche Aufgaben hat man als Princeps? Wie verwaltet man das Riesenreich? Wie hat sich das Regierungssystem Kaisertum im Wandel der Jahrhunderte geändert? Wie läuft ein Tag ab im Leben eines römischen Machthabers? Welche Rolle spielt seine Familie? Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die Sie schon immer einmal stellen wollten.

NERO – Oh brennendes Rom

Miriam T. Griffin, Nero. The End of a Dynasty (Routledge, New York 1987), 320 Seiten, ca. 31 Euro. Die Standardbiografie zu Nero (in englischer Sprache).

Akribisch widmet sich die Autorin allen verfügbaren Quellen und versucht rationale Motive hinter den oft irrational wirkenden Handlungen des letzten Kaisers der julisch-claudischen Dynastie aufzuspüren. Am Ende steht das Bild von einem Mann, der zwar nicht wahnsinnig, aber „in der Rolle des Princeps auf ganze Linie gescheitert war“.

Jürgen Malitz, Nero (C. H. Beck Wissen, München 1999), 128 Seiten, 8,95 Euro.

Jürgen Malitz, bis 2011 Professor für Alte Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt, hat mit diesem Band eine kompakte, informative Nero-Biografie geschrieben. Gut zum Einstieg in das Thema geeignet, Gedanken zu Neros politischem Programm oder den Motiven für sein Künstlertum werden allerdings höchstens angedeutet. Mit einem Stammbaum, Karte und Zeittafel.

Egon Flaig, Die Ästhetisierung von Politik hat Grenzen – Nero und der Brand Roms, erschienen in: Ulrich Raulff (Hrsg.), Vom Künstlerstaat. Ästhetische und politische Utopien (Hanser Verlag, München/Wien 2006), 192 Seiten, 16,90 Euro.

Dieser nur zwölf Seiten lange, aber sehr lesenswerte Essay des Althistorikers Egon Flaig geht der Frage nach: Wie ist die Legende entstanden, Nero habe im Angesicht des brennenden Roms gesungen und Verse deklamiert? Flaigs These: Nero selbst hat das Gerücht heraufbeschworen, weil er kurz vor dem Brand Münzen prägen ließ, die ihn als Musiker mit der Lyra zeigten. „Die Römer der Hauptstadt spiegelten das Wunschbild des kaiserlichen Selbst zurück, und zwar im Gerücht und auf fatale Weise.“

Kurt Wallat, Sequitur clades. Die Vigiles im antiken Rom (Peter Lang, Frankfurt a. M. 2004), 205 Seiten, 48,20 Euro.

Im Jahr 6 v. Chr. gründet Kaiser Augustus die vigiles – eine Berufsfeuerwehr von bis zu 7000 Mann, die auch während des Großbrands in Neros Regierungszeit im Einsatz ist. Dieses Buch schildert die Geschichte und die Methoden der Brandbekämpfung im alten Rom – von der Organisation und Unterbringung der Wehren über Ursachen von Feuern bis zur Löschtechnik mit Pumpen und Feuerpatschen. Mit vielen Zitaten aus antiken Quellen.

GLADIATOREN – Seeschlacht im Kolosseum

Peter Connolly, Colosseum. Arena der Gladiatoren (Philipp Reclam jun., Stuttgart 2005) 224 Seiten, antiquarisch um 40 Euro.

Peter Connolly verbindet Lesevergnügen mit Fachwissen. Der Londoner Archäologe beschreibt verständlich, anschaulich und mit spitzer Feder die Geschichte des Kolosseums und des Gladiatorenwesens. Dabei bleibt er nicht an der Oberfläche, sondern zeigt etwa das Zugangssystem des Amphitheaters in zahlreichen Details. Manchmal allerdings interpretiert der Autor antike Quellen etwas zu fantasievoll. Bei besonders farbenfrohen Schilderungen ist Vorsicht angebracht.

Eckart Köhne & Cornelia Ewigleben (Hrsg.), Caesaren und Gladiatoren – Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom (Philipp von Zabern, Mainz 2000), 160 Seiten, antiquarisch um 20 Euro.

Katalogband zu der gleichnamigen Ausstellung. Die einzelnen Aufsätze analysieren gründlich, wie in der Kaiserzeit die "Brot und Spiele"-Kultur aufkam und welche Wechselwirkung zwischen Gladiatoren und Publikum entstand. Wie die Gladiatoren lebten und ausgebildet wurden, in welchen Waffengattungen sie gekämpft haben schildert unter anderem einer der hierzulande besten Kenner der Materie Marcus Junkelmann (aktuell: Marcus Junkelmann, „Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren“ , Philipp von Zabern, Mainz 2008, 270 Seiten, 39,90 Euro).

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TRAJAN – Der Fluch der Größe

Karl Strobel, Kaiser Traian: Eine Epoche der Weltgeschichte (Pustet Verlag, Regensburg 2010), 479 Seiten, 49,90 Euro.

Anschaulich zeichnet der Althistoriker, der an Universität Klagenfurt lehrt, das Leben und Wirken des Imperators nach. Dabei kehrt er immer wieder zur Frage zurück: Worauf beruht eigentlich der gute Ruf des optimus princeps Trajan? Kenntnisreich deckt Strobel dabei etwa auf, wie kalkuliert die Mächtigen damals politische Propaganda betrieben. Er schreibt sehr ausführlich, doch keine Sorge, das Buch ist auch für den Laien ohne Vorkenntnisse verständlich. Tatsächlich lässt dieses Werk den Leser so tief in das Leben Trajans eintauchen wie kaum ein anderes.

Yann Le Bohec & Cècile Bertrand-Degebach, Die Römische Armee (Nikol Verlag, Hamburg 2009), 344 Seiten, antiquarisch ca. 58 Euro.

Es gibt viele Bücher über die Römische Armee, manche sind reich bebildert und fantasievoll, andere streng wissenschaftlich und nicht leicht zu verstehen. Den beiden französischen Forschern ist ein Werk gelungen, das vor allem durch seine verständliche Darstellung und klare Struktur besticht. So erläutern die Autoren ausführlich die Organisation der Armee, die Rekrutierung der Soldaten, das Heer in Aktion, die materielle, politische und kulturelle Rolle der Legionen für das Römische Imperium. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die Blütezeit des kaiserlichen Roms – also die Epoche rund um Trajans Herrschaft. Auf Deutsch gibt es das Buch nur noch im antiquarischen Handel zu kaufen, doch die französische Originalfassung L'armée romaine sous le Haut-Empire ist für 39,99 Euro noch regulär erhältlich.

Paul Erdkamp (Hrsg.), A Companion to the Roman Army (Wiley-Blackwell, Chichester 2011), 574 Seiten, ca. 36 Euro.

Chronologische Entwicklung der römischen Armee, von den Anfängen bis zum Ende der Kaiserzeit - und wie nahezu alle companions eine großartige Ressource.

HADRIANSWALL – Bollwerk gegen die Barbaren

Anthony Birley, Hadrian. Der rastlose Kaiser (Philipp von Zabern, Mainz 2006), 124 Seiten, antiquarisch ca. 15 Euro.

Birleys Standardwerk über das Leben und Sterben des „Reisekaisers“ wartet mit einer Fülle von Details auf, die vor allem ein genaues Bild des privaten Hadrian zeichnen, seiner Stärken, Schwächen und Marotten. Allerdings wurde die deutsche Fassung im Vergleich zur englischen stark gekürzt und leidet dadurch mehr noch als das Original unter einer Marotte des Autors: einem ausgeprägten Hang zur Abschweifung, was die Chronologie des Textes gelegentlich gehörig durcheinander wirbelt und dem Leser die Orientierung nicht eben leichter macht. Trotz dieser Mängel ist Birleys Hadrian-Biografie ein fachlich solides, streckenweise sogar recht kurzweilig zu lesendes Buch über den Mann, dessen Mausoleum noch heute, umgewidmet zur „Engelsburg“, eines der markantesten Bauwerke Roms ist.

David J. Breeze, J. Collingwood Bruce’s Handbook to the Roman Wall (Society of Antiquaries of Newcastle upon Tyne, 14. Auflage Newcastle upon Tyne 2006), 512 Seiten, ca. 55 Euro.

Im Jahr 1863 bereits erschien die erste Ausgabe dieser wohl umfassendsten Beschreibung von Planung, Bau und Verlauf des Hadrianwalls in Englands Norden. Die aktuelle, inzwischen 14. Auflage des Buches wurde allerdings von einem anerkannten Experten überarbeitet und komplett neu geschrieben: Prof. David Breeze leitete mehrere Ausgrabungen am Wall und war bis zum Jahr 2005 Chef der schottischen Denkmalsaufsicht. Seine Neufassung des Buches berücksichtigt vor allem die in den knapp 150 Jahren seit der Erstausgabe hinzugewonnenen Erkenntnisse über das antike Bauwerk, ist mit Fotos und Grafiken reich bebildert und folgt gleichwohl stilistisch sowie in der Gliederung Bruces Original.

David J. Breeze & Brian Dobson, Hadrian’s Wall (Penguin Books, London 2000), 384 Seiten, ca. 12 Euro.

Trotz eines gewissen Hangs zu Zahlen und Statistik lassen Breeze und Dobson vor allem die antike Welt um den Wall wieder lebendig werden. So ist ein Kapitel der römischen Armee und ihren Strukturen, ein anderes dem Leben am und auf dem Wall gewidmet. Dazu geht ihre Darstellung über die Zeit Hadrians hinaus und beschreibt die römische Geschichte in Britannien noch bis zu ihrem Ende zu Beginn des fünften Jahrhunderts. Sehr informativ, wenngleich etwas trocken geschrieben.

Richard Hobbs & Ralph Jackson, Das Römische Britannien (Theiss, Stuttgart 2011), 160 Seiten, 24,95 Euro.

Reich bebildeter Band aus der Feder zweier Männer, die etwas von ihrem Metier verstehen. Die Autoren sind Kuratoren am British Museum in London und dort für die römisch-britannische Abteilung zuständig.

Grenzen des Römischen Imperiums (Philipp von Zabern, Mainz 2006), 196 Seiten, 19,95 Euro.

In 26 Kapiteln diskutieren renommierte Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern Planung, Ausführung und strategische Bedeutung der kaiserzeitlichen Grenzanlagen in Afrika, dem Nahen Osten und Europa. Interessant an diesem Band ist vor allem die Einordnung der Grenzziehungen in die sich zusehends wandelnde Außenpolitik Roms. Gut zu lesen und mit Farbfotos und Grafiken reich illustriert.

MARK AUREL – Zum Herrschen verurteilt, zum Krieg verdammt

Anthony Birley, Mark Aurel. Kaiser und Philosoph (C. H. Beck, 2. Auflage München 1977), 468 Seiten, antiquarisch ab ca. 18 Euro.

Immer noch das Standardwerk zu Leben und Zeit des berühmten Herrschers - obwohl bereits 1966 auf Englisch erschienen. Gut verständlich, detail- und materialreich erzählt Birley das Leben des Philosophen-Kaisers, erklärt die historischen Hintergründe und erörtert die teils schwierige Quellenlage. In Einzelheiten überholt, zuweilen etwas sehr um Rechtfertigung des Prinzeps bemüht.

Jörg Fündling, Marc Aurel (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008), 240 Seiten, 29,90 Euro.

Die aktuelle, schwungvoll geschriebene Biografie. Der Aachener Althistoriker berücksichtigt neuere Forschungsergebnisse, wagt sich an – meist überzeugende – psychologische Spekulationen und begegnet dem Kaiser und Philosophen skeptischer als Birley. Gerade deshalb gelingt ihm ein plastisches, berührendes Lebensbild. Den Abschluss bildet ein mild ironischer Ausblick auf die spätere Idealisierung.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Reclam, Stuttgart 1986), 188 Seiten, 4,95 Euro.

Wann hat man einmal Gelegenheit, einem Kaiser beim Nachdenken über sich selbst, das Leben als Herrscher und Mensch zuzuhören? Zugleich ein Klassiker der Philosophiegeschichte und maßgeblich für das spätere Bild Mark Aurels als des „vollendet edlen Heiden“. Wer zu lange darin lese, warnte indes schon Mark Aurels Biograf Anthony Birley, „wird leicht melancholisch“.

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SOLDATENKAISER – Mörder auf dem Thron

Udo Hartmann & Thomas Gerhardt & Klaus-Peter Johne (Hrsg.), Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. 235 – 284 (Oldenbourg Akademie, Berlin 2008), 2 Bände mit insgesamt 1421 Seiten, 178 Euro.

Nicht vom Preis, nicht vom sperrigen Titel, nicht vom schieren Volumen schrecken lassen: Dieser Sammelband mit Beiträgen unterschiedlicher Forscher bietet das wohl umfassendste Bild zu einem turbulenten halben Jahrhundert römischer Geschichte – von den Ereignissen (Welcher Kaiser regierte wann? etc.) bis hin zu Einzelfragen, etwa der „Inflation“ durch Münzverschlechterung. Das Niveau der einzelnen Beiträge schwankt naturgemäß, ebenso das stilistische Können der Autoren. Insgesamt jedoch ist dies eine erstaunlich gut lesbare Darstellung geworden. Sehr empfehlenswert.

Ingemar König, Die gallischen Usurpatoren von Postumus bis Tetricus (C. H. Beck, München 1996), 237 Seiten, vergriffen.

König, inzwischen emeritierter Professor für Alte Geschichte in Trier, legt eine wohl durchdachte, kompakte Studie über jenes seltsame politische Gebilde vor, das als „Gallisches Sonderreich“ in die Annalen der Soldatenkaiserjahre eingegangen ist. Wehrmutstropfen 1: Als ordentliche deutsche althistorische Studie ist es dröge, fußnotenüberfrachtet und auch nicht immer ganz glücklich inhaltlich gegliedert. Wehrmutstropfen 2: Das Buch ist auch antiquarisch nicht leicht zu ergattern. Bitte auf Bibliotheken ausweichen.

ROM – Die Stadt der Städte

Karl-Wilhelm Weeber, Alltag im Alten Rom (Artemis & Winkler, Mannheim 2011), 448 Seiten, 14,95 Euro.

Standardlexikon zum Alltagsleben in der Stadt Rom, mit dem Schwerpunkt auf die ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte. Der klassische Philologe und Althistoriker Weeber schreibt fundiert und verständlich von A wie Abendessen über F wie Fußgängerzone bis Z wie Zoo. Zu jedem Eintrag gibt er Quellenverweise und weiterführende Literatur an. Weeber räumt mit dem verbreiteten Vorurteil vom dekadenten und blutrünstigen Römer auf, hat gleichzeitig ein Auge für das interessante Detail wie die römische Kulturgeschichte des Kusses, sowie einen Hang zur Ironie – mit Vorliebe für den Satiriker Juvenal.

Ingemar König, Caput Mundi. Rom – Weltstadt der Antike (Theiss, Stuttgart 2009), 144 Seiten, 34,95 Euro.

Reich bebildertes und leicht verständlich geschriebenes Porträt der Stadt am Tiber und ihren Vierteln.

Nancy H. Ramage & Andrew Ramage, Das alte Rom. Leben und Alltag (Theiss, Stuttgart 2012), 192 Seiten, 24,95 Euro.

Druckfrisch! Die Auswahl der Bilder und gezeigten Objekte zum Alltag der Römer besticht. Kein Wunder, denn das Buch ist 2008 im englischen Original unter dem Titel „Ancient Rome“ von der British Museum Press verlegt worden. Das Londoner Museum verfügt über eine hervorragende Antikensammlung. Großartig etwa die aus Krokodilhaut gefertigte Paraderüstung eines römischen Soldaten aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. auf Seite 46. Nur die Sprache lässt in der deutschen Fassung leider hier und da Wünsche übrig, Bezugsfehler sind häufig. Doch das muss ja nicht jeden stören.

Frank Kolb, Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike (C. H. Beck Verlag, München 2002), 783 Seiten, 39,90 Euro.

Kein Werk für den interessierten Laien, sondern eher für fortgeschrittene Romliebhaber. Etwa tausend Jahre Bau-, Politik-, Religions- und Gesellschaftsgeschichte der Stadt werden zuverlässig und mit Blick auf den Forschungsstand betrachtet, ergänzt durch ein Glossar, Register und ein beeindruckendes Quellenverzeichnis.

Marcus Reuter & Romina Schiavone (Hrsg.), Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich (Philipp von Zabern, Mainz 2011), 438 Seiten, 19,90 Euro (an der Museumskasse im LVR-Archäologischen Park Xanten/LVR-Römer Museum Xanten).

Die Schattenseiten des Römischen Imperiums stellt dieser umfangreiche Ausstellungskatalog vor; etwa Schlüssel und Schlossbleche aus der Colonia Ulpia Traiana (heute Xanten), deren Zustand zeigt, dass sich jemand mit Gewalt Zugang verschaffen wollte zu den versperrten Häusern der Bewohner. In 29 Artikeln behandeln die Autoren Themen wie das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung, verschiedene Kriminaldelikte wie Diebstahl, Betrug, Falschmünzerei, Wegelagerei, Fahnenflucht, Grabfrevel oder Mord sowie die Aktionen des Staates dagegen, mithin Strafverfolgung und Rechtsprechung.

KONSTANTIN – Sieger im Zeichen des Kreuzes

Manfred Clauss, Konstantin der Große und seine Zeit (C. H. Beck Wissen, München 1996), 128 Seiten, 8,95 Euro.

Anschaulich und analytisch führt der Althistoriker in das Leben des wirkungsmächtigen Kaisers ein - doch nicht ohne Sinn für den dramatischen Moment: Der Bericht beginnt mit dem Skandal um das 20. Regierungsjubiläum in Rom, bei dem Konstantin das Opfer auf dem Kapitol verweigert. Von diesem Moment aus interpretiert Clauss die Karriere des Aufsteigers - und bewertet dennoch alle Spekulationen um eine "Bekehrung" des Kaisers mit gründlicher Skepsis.

Klaus Martin Girardet, Der Kaiser und sein Gott (De Gruyter, Berlin/New York 2010), 213 Seiten, 69,95 Euro.

Der Althistoriker Girardet steht auf der Seite derer, die Konstantin als dezidiert christlichen Herrscher werten. Mit großer Akribie liest er aus den spärlichen Daten heraus, dass sich Konstantin wohl schon im Jahr 311 dem Christentum zugewandt habe - und interpretiert auch seine spätere Politik durchgehend in diesem Licht. Dabei rechnet er unter anderem mit dem Mythos ab, Konstantin habe vor der Schlacht an der

Milvischen Brücke eine Vision ("In diesem Zeichen wirst du siegen") empfangen.

THEODOSIUS – Verteidiger des wahren Glaubens

Hartmut Leppin, Theodosius der Große (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003), 280 Seiten, antiquarisch ca. 10 Euro.

Theodosius der Große war keine besonders schillernde Figur. Ein passabler Feldherr, aber kein brillanter; ein Kaiser, der es verstand, sich an der Macht zu halten, aber kein genialer Stratege. Einer, der eher zufällig den Mantel der Geschichte übergezogen bekam und sich damit, so gut es ihm möglich war, arrangierte: So nähert sich der Althistoriker Hartmut Leppin der Person und Persönlichkeit des Kaisers an. Wenig Verlässliches ist über dessen Charakter überliefert – Leppin zitiert die meist voreingenommenen Quellen und schafft es, eine neutrale Sicht zu vermitteln. So schildert er ausführlich, wie sich Theodosius’ Handeln einerseits auf taktische Überlegungen, andererseits auf seinen Glauben gründet. Trotz der teils etwas antiquierten Sprache lässt einen Leppins nüchterner Blick das Wesentliche verstehen: Wie es kam, dass einer, dem das Kaisertum keineswegs von Geburt an beschieden war, am Ende der christlichen Religion zum Durchbruch verhalf.

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ALARICH – Der Angriff der Goten

Peter Heather, Invasion der Barbaren. Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus (Klett-Cotta, Stuttgart 2011), 668 Seiten, 39,95 Euro.

Ein fulminantes und grundlegendes Werk, bestimmt für Leser, die sich gut in der römischen Geschichte auskennen; weniger chronologisch erzählt, vielmehr diskursiv: Heather erörtert, und verwirft, etliche gängige Thesen zu Ursachen, Dynamik und Auswirkungen der zahlreichen Wanderungsbewegungen – vom Hunnensturm bis zu den Wikingern. Sein Ansatz: Der am Londoner Kings College lehrende Historiker argumentiert mithilfe von Erkenntnissen der modernen Migrationsforschung.

Mischa Meier & Steffen Patzold, August 410 – Ein Kampf um Rom (Klett-Cotta, 2. Auflage Stuttgart 2010), 260 Seiten, 19,95 Euro.

Es war ein Ereignis, das symbolisch den Niedergang Westroms vorwegnahm: Im August 410 plünderten die Goten drei Tage lang Rom. Was genau geschah, lässt sich heute kaum mehr rekonstruieren. Zu spärlich sind die historischen Quellen. Doch unmittelbar nach der Plünderung entbrannte eine jahrhundertelange Diskussion über die religiös-weltanschaulichen Ursachen. In ihrem locker lesbaren Buch stellen der Althistoriker Meier und der Mediävist Patzold exemplarische Debattenbeiträge vor: von Hieronymus und Augustinus bis hin zu den aktuellen Deutungen des österreichischen Historikers Herwig Wolfram. Am Ende des Buches ahnt der Leser, dass der Deutungsstreit wohl niemals abgeschlossen sein wird.

UNTERGANG – Ende eines Weltreiches

Alexander Demandt, Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr. (C.H. Beck, 2. Auflage München 2008), 604 Seiten, 39,90 Euro.

Der Berliner Emeritus dürfte einer der besten Kenner der antiken Welt sein. Er hat zahlreiche Bücher über die römische Geschichte publiziert. Dieses Standardwerk bündelt auf ebenso übersichtliche wie umfassende Weise sein Wissen über die Spätzeit Roms. Auf thematisch gegliederte Kapitel folgt eine chronologische Darstellung der Ereignisse, schließlich eine komprimierte Diskussion sämtlicher Theoriegebäude, die den Untergang Roms zu erklären versuchen. Das empfehlenswerteste Buch zum Thema.

Alexander Demandt, Der Fall Roms (C. H. Beck, München 1984) 694 Seiten, antiquarisch ca. 150 Euro.

Dieses leider vergriffene und antiquarisch sehr teure Buch stellt die Erklärungsversuche zum Kollaps des Imperiums ausführlicher dar. Eine Ergänzung zu dem oben genannten Standardwerk.

Peter Heather, Der Untergang des Römischen Weltreichs (rororo-Taschenbuch, Reinbek 2010), 640 Seiten, 14,99 Euro.

Der britische Historiker Peter Heather rekonstruiert mit Liebe zum Detail die nicht selten tragisch anmutende Geschichte vom Ende Westroms. Es ist eine anschaulich erzählte, episch angelegte und spannungsreiche Reise durch das chaotische 4. und 5. Jahrhundert. Heather stellt insbesondere die Rolle der Hunnen heraus, deren Drang nach Westen ursächlich zum Niedergang geführt hat. Inwiefern innerrömische Zerwürfnisse den Zerfall beschleunigt haben, wird leider weniger ausführlich diskutiert. Faszinierend ist, dass er sowohl literarische wie archäologische Quellen ausgewertet hat. Hilfreich sind die prägnanten Biografien und die Zeittafel am Ende des Buches.

Hans-Peter von Peschke, Das Ende des Römischen Reiches (Theiss, Stuttgart 2012), 152 Seiten, 14,95 Euro.

In der Reihe „Wendepunkte der Geschichte“ des Theiss-Verlages nehmen sich Autoren Tagesdaten vor, die die Welt veränderten. Oftmals haben diese Daten erst in der Nachschau die Bedeutung, die ihnen beigemessen wird. So auch hier: Natürlich ging das Imperium Romanum nicht sofort unter, als am 4. September 476 n. Chr. in Ravenna der letzte weströmische Kaiser abgesetzt wurde – laut Peschkes Rekonstruktion des Tages kurz nach 14 Uhr Ortszeit. Es behauptet aber auch niemand. Denn viele Zeitgenossen haben den Wechsel zunächst gar nicht realisiert: Im Ostteil des Imperiums regierte weiterhin ein Kaiser, in Italien ein König. Nach und nach erst zerfielen auch die letzten Strukturen des einstigen Weströmischen Reiches, traten germanische Herrscher in den einstigen Provinzen an die Stelle der alten Obrigkeit. Kompakt, anschaulich und leicht verständlich erzählt der Band die Geschichte vom Untergang des Römischen Reiches. Eine ideale Lektüre zum Verständnis einer komplizierten Zeit und ihrer Rezeption durch die Nachwelt. Und vermutlich der einfachste Zugang zum Thema.

PORTRÄTS – Denker und Dichter

Manfred Fuhrmann, Geschichte der römischen Literatur (Philipp Reclam jun., Ditzingen 2005), 576 Seiten, 14 Euro.

Einer der überragenden Altphilologen Deutschlands verhilft mit dieser übersichtlichen und verständlichen Darstellung auch dem Laien zum Einstieg in die römische Literatur. Das Buch des 2005 verstorbenen Professors an der Universität Konstanz ist gleichermaßen als Nachschlagewerk wie als Lektüre geeignet und porträtiert römische Geistesgrößen aus fünf Jahrhunderten. Ein Muss für den, der sich einen Hintergrund für die Lektüre antiker Autoren verschaffen möchte.

Elaine Fantham, Roman Literary Culture. From Cicero to Apuleius (John Hopkins University Press, Baltimore 1999), 352 Seiten, 27,80 Euro.

Wer einen Überblick nicht nur über die Literaten der späten Republik und Kaiserzeit, sondern auch über ihre Leser, ihr Umfeld und ihren Stand in der Gesellschaft sucht, wird bei Elaine Fantham bestens versorgt: Der emeritierten Professorin für Klassische Philologie der Universität Princeton gelingt das Kunststück, ein Porträt der klassischen römischen Autoren vorzulegen und deren Wirken gleichzeitig in den Kontext der Sozialgeschichte Roms zwischen 50 v. Chr. und 150 n. Chr. einzubetten. Sie richtet ihren Blick auf die Mäzene der Autoren und ihre Anhänger, auf literarisch dilettierende Aristokraten wie auf Einfluss nehmende Kaiser, und webt aus allem ein anschauliches, fachlich präzises und gleichzeitig unterhaltendes Bild der römischen Literaturlandschaft. Die deutsche Fassung des Buches ist 1998 bei Metzler unter dem Titel Literarisches Leben im antiken Rom. Sozialgeschichte der römischen Literatur erschienen und derzeit nur antiquarisch erhältlich (ab ca. 15 Euro).

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