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Immer im Frühling begehen die Babylonier ein prächtiges Neujahrsfest. Für eine Prozession am achten Tag der Feierlichkeiten holen Tempeldiener die bunt bemalte Holzstatue ihres Stadtgottes Marduk aus dem Allerheiligsten des Esangil-Tempels

Hinter den Gläubigen erhebt sich der siebenstufige Turm Etemenanki; mit wohl 90 Metern ist er eines der höchsten Bauwerke der damaligen Welt. Eine steile Treppe führt hinauf zu einem dem Stadtgott gewidmeten Heiligtum, das mit blauen Ziegeln verkleidet ist

Über eine 20 Meter breite Straße bewegt sich die Neujahrsprozession auf ein monumentales Stadttor (im Vordergrund) zu, das der Kriegs- und Liebesgöttin Ischtar gewidmet ist. Von dessen Zinnen aus betrachtet, wirken die Streitwagen, auf denen sich Marduk und andere Gottheiten durch Babylon bewegen, winzig klein. Deutlich zeichnen sich hingegen der Tempelturm Etemenanki (hinten rechts) und der Palast des Königs Nebukadnezar (vorn rechts) im Stadtbild der Metropole ab

Bald nachdem die Neujahrsprozession das blau glänzende Ischtar-Tor (hinten links) durchquert hat, erreicht sie nördlich der Stadtmauer einen Seitenkanal des Euphrat. Hier werden die Statuen Marduks und der übrigen Götter behutsam auf Boote verladen. Auch König Nebukadnezar und sein Gefolge besteigen ein Schiff

Die Boote, auf denen die babylonischen Gottheiten vom Anleger (hinten Mitte) zum Neujahrsfesthaus außerhalb des Stadtzentrums gelangen, sind aufwendig geschmückt. Allein für Marduks Gefährt verwenden die Schiffbauer des Königs 740 Edelsteine und zahlreiche Rotgoldplatten. Unter einem Baldachin sitzt die Statue des Gottes auf einem Thron

Nach einer kurzen Fahrt auf dem Euphrat kommen die Boote mit den Götterstatuen am Neujahrsfesthaus an, einem gewaltigen Tempel, dessen Lage nicht genau bekannt ist. Drei Tage lang huldigen hier Priester und einfache Gläubige Marduk. Währenddessen gehen die Festlichkeiten auch in der Stadt weiter