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Das Magazin für Geschichte

Familienmitglieder demonstrieren 2009 in einem feierlichen Rundgang, dass sie das Sagen haben in den Straßen von Kabukicho. Heute sind diese Umzüge verboten

Angehörige der Yakuza-Familie treffen sich vor einem der Nachtclubs in Kabukicho, die unter ihrer Kontrolle stehen. Wer in dem Rotlichtbezirk Geschäfte machen will, muss die Erlaubnis der Bande einholen und eine Gebühr bezahlen

In den Stripteasebars entscheiden die Mädchen, wie weit die Vorstellung geht. Die Dollarnoten, die eine Tänzerin einem tätowierten Yakuza mit den Zähnen aus dem Gürtel zieht, sind nicht echt. Sie werden von der Bar eigens zu diesem Zweck ausgegeben

Malik Kusters überreicht das Kuvert, in dem er und sein Bruder der Yakuza-Familie ihr Projekt vorstellen. Zu diesem Zeitpunkt Anfang 2009 liegen zehn Monate Vorbereitung hinter ihnen

Die drei obersten Bosse der Yakuza-Bande bei einem Spitzentreffen - darunter auch der oyabun, das Familienoberhaupt. Es geht um große Geschäfte

Junge Yakuza-Rekruten erlernen in einem Ausbildungslager an der Küste die Kunst der Meditation und des Kampfes. Die Hierarchie in den Gangs ist streng. Widerspruch gegenüber ranghöheren Bandenmitgliedern wird nicht geduldet

Rekruten beim Training. Sich selbst verstehen die Yakuza als Erben der Samurai, des alten japanischen Schwertkriegeradels

Mitglieder der Bande entspannen sich in einem onsen. Viele öffentliche Bäder untersagen Yakuza aber mittlerweile den Zutritt. Schilder warnen: Tätowierte Menschen sind unerwünscht

Eine Überwachungskamera zeigt auf dem Bildschirm an, wer sich gerade am Eingang zum Büro der Bande in Kabukicho Zutritt verschaffen will

Nitto-san lässt sich zum Niigata-Gefängnis chauffieren, um Mitglieder der Familie nach der Haft zurück „in der Gesellschaft“ zu begrüßen

Zwei Mitglieder der Familie werden an diesem Tag im Jahr 2009 aus dem Gefängnis entlassen. Früh am morgen. Um kein Aufsehen zu erregen

Etlichen Yakuza fehlt mindestens ein Fingerglied. Sie haben es sich selbst abgetrennt, um damit bei ihrem Oyabun um Vergebung für einen Fehler zu bitten

Durch Tätowierungen demonstrieren die Bandenmitglieder ihre Zugehörigkeit zur Yakuza - und ihre Fähigkeit, Schmerz zu ertragen

Der Oyabun eines Yakuza-Clans ist tot. Mitglieder anderer Gruppen erweisen ihm im Februar 2010 die letzte Ehre. Der Weg in der Mitte bleibt frei. Jeder Neuankömmling wird dort lautstark begrüßt

Die traditionelle Papierlaterne wirbt für eine Bar in Kabukicho. Bis heute zelebrieren die Yakuza alte japanische Werte

Es ist nicht einfach gewesen, die Genehmigung zu erhalten. Über zehn Monate hinweg haben Anton Kusters und sein Bruder Malik verhandelt. Immer wieder haben sie sich mit ihrem Verbindungsmann Taka-san in Tokyo beraten, haben Strategien besprochen, Wochen in den Gassen, Restaurants und Bars von Kabukicho verbracht, dem alten Rotlichtbezirk der japanischen Hauptstadt am Shinjuku-Bahnhof.

Bis zu diesem Punkt: Malik Kusters darf die schriftliche Ausarbeitung ihres Projektes in einem kunstvoll mit Bändern umwundenen Kuvert an ein Mitglied jener Yakuza-Familie überreichen, ohne deren Zustimmung niemand ein Geschäft eröffnen kann in Kabukicho.

Und tatsächlich: Im April 2009 erhalten sie die Erlaubnis. Für zwei Jahre dürfen sie die Familie und deren Mitglieder begleiten, auf der Straße, in den Bars und Stripteaseclubs, im Ausbildungscamp an der Küste und im Bad, auf dem Weg zum Gefängnis, beim Besuch eines Tattoo-Meisters oder bei geheimen Treffen in abgeschirmten Cafés.

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Angehörige der Yakuza-Familie treffen sich vor einem der Nachtclubs in Kabukicho, die unter ihrer Kontrolle stehen. Wer in dem Rotlichtbezirk Geschäfte machen will, muss die Erlaubnis der Bande einholen und eine Gebühr bezahlen

Die Brüder dokumentieren eine verborgene Welt

In Fotografien, Filmen, Texten und Gedichten erarbeiten die Brüder seither eine multimediale Dokumentation einer verborgenen Welt. Sie erzählt vom Leben unter Männern, die ihren Namen einem der schlechtesten Blätter im alten japanischen Kabufuda-Kartenspiel verdanken (8-9-3, ya-ku-za) und deren Geschichte Jahrhunderte zurückreicht in die Feudalzeit des asiatischen Inselreiches.

Rund 86 000 Yakuza gibt es noch heute. Die Familie, die die Straßen von Kabukicho kontrolliert, zählt allein 1600 Köpfe. Selbstständig aber ist sie nicht. Sie gehört zu einem weitaus größeren Syndikat.

Anton und Malik Kusters erforschen die Symbiose zwischen Organisiertem Verbrechen und dem restlichen Japan auf lokaler Ebene. Sie zeichnen das intime Porträt einer einzigartigen Zweckgemeinschaft: Skizzen von Männern aus einer anderen Zeit, eingebunden in die Moderne, hilfsbereit und grausam zugleich, milde und skrupellos, voller Mitgefühl für die Schwachen und ohne Gnade für jene, die ihre Kreise stören.

Männer mit der Zahlenkombination 8-9-3 im Namen.

Die Geschichte der Yakuza können Sie im aktuellen Heft von GEOEPOCHE nachlesen.

Die multimediale Dokumentation von Anton und Malik Kusters erscheint als fortlaufendes englischsprachiges Magazin, als Fotokunstbuch und Film. Für 2012 ist eine Ausstellung über das Projekt geplant.

„893 Magazine Issue #1“ über den Anfang des Projektes ist bereits erhältlich. Die zweite Ausgabe stellt einzelne Protagonisten und Szenen im Alltag der Yakuza genauer vor. Preis pro Ausgabe ca. 50 Euro.

Das Buch "ODO YAKUZA TOKYO” präsentiert 100 ausgewählte Fotos im Großformat und Kalligrafien auf hochqualitativem Japanpapier. Wie „893 Magazine Issue #2“ wird es ab Juni 2011 über http://www.antonkusters.com erhältlich sein.

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