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Grab von Dschingis Khan entdeckt?

Eine amerikanische Expedition erforscht in der Mongolei einen Hügel, der von einer Mauer weiträumig umschlossen ist. Wurde der sagenumwobene Herrscher hier bestattet?

John Woods, Historiker und Iranist an der Chicago University, zeigte sich erfreut: Eine "sehr faszinierende Entdeckung" sei seiner amerikanisch-mongolischen Expedition gelungen. Rund 300 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ulaanbaatar hatten die Forscher im August 2001 eine Anhöhe mit 20 ungeöffneten Gräbern näher untersucht. Umgeben ist die Nekropole an drei Seiten von einer 3,2 Kilometer langen und bis zu vier Meter hohen Mauer. Für Woods ein Indiz dafür, dass es sich um ein Refugium für Fürsten und hohe Beamte handele.

Spannend sei der Fund "wegen der Nähe des Geländes zu Orten, die im Leben von Dschingis Khans wichtig waren." Der Friedhof liegt nicht weit entfernt von den Stätten seiner Geburt (1162) und Krönung (1206).

Viele Legenden ranken sich um die Bestattung des Mongolen-Khans. 1227 hatte er sich vermutlich bei einem Sturz vom Pferd tödlich verletzt. Die Vasallen, die ihm seine Grabstatt einrichteten, sollen hernach von Soldaten erschlagen worden sein. Auch diese - 100 an der Zahl - habe man ermordet, damit niemand die Lage des Begräbnisses verraten würde. In der Überlieferung nennen die Mongolen die Stätte "Ikn Khoring", das "Große Tabu".

Ob der Sensationsfund tatsächlich einer ist, soll die nächste Expedition herausfinden. Gegenüber geo.de gab Woods an, er stelle gerade sein Team für die Grabungssaison Juni bis August 2002 zusammen.

Voller Spannung werden wenigstens zwei weitere Forschergruppen auf Woods Erfolge schauen: Chinesische Archäologen, die bereits im September 2000 verkündet hatten, Dschingis Khans Grab im Nordwesten Chinas entdeckt zu haben. Und jenes japanische Team, das drei Jahre lang vergeblich versucht hat, die Majestätsgruft anhand von Satellitenfotos ausfindig zu machen.

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Eine bis zu vier Meter hohe Mauer umgibt den jüngst erforschten Nekropolenhügel. In einem der 20 ungeöffneten Gräber vermuten die Ausgräber den Leichnam Dschingis Khans - und sagenhafte Schätze