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Ein Polynesier in Amerika

Der rätselhafte Schädel des "Kennewick Man" weist auf dessen südostasiatische Abstammung hin

Als im Juli 1996 die 9200 Jahre alten Skelettreste des "Kennewick Man" im US-Bundesstaat Washington gefunden wurden, erregten sie großes Aufsehen: Zum einen, weil die Form des Schädels einige erstaunlich europäische Züge aufweist, zum anderen, weil dennoch Indianer in ihm das Relikt eines Vorfahren sehen, dessen Überreste sie ihren religiösen Vorstellungen gemäß bestatten wollen. Um den Fund entbrannte ein gerichtlicher Streit.

Jetzt haben die Archäologen Joseph Powell und Jerome Rose den Schädel des Mannes für eine Studie des US Department of the Interior erstmals an vielen Punkten genauestens vermessen und die Daten mit den entsprechenden anderer prähistorischer und heutiger Bevölkerungen verglichen. Resultat: Weder waren die Ähnlichkeiten zu Europäern groß genug, als dass die Vorfahren des Mannes aus der Alten Welt stammen könnten, noch ist eine Verwandtschaft zu heutigen Indianern zu erkennen.

Vielmehr ähnelt der Fund am meisten den Schädeln von Menschen aus dem Südpazifik, aus Polynesien sowie denen der Ainu, einem ursprünglichen Volk auf Hokkaido, Sachalin und den Kurilen, das von den Japanern weitgehend verdrängt wurde. Offenbar kamen die Ahnen des "Kennewick Man" aus Südostasien nach Amerika.