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Archäologie: Rätselhaftes aus der Bronzezeit

Ein merkwürdiger Fund aus dem 3. Jahrtausend vor Christus verblüfft die Experten

Notgrabungen werden anberaumt, bevor ein Bauvorhaben archäologisches Terrain zerstört. Als die Grabungsleiterin Barbara Wewerka im Auftrag des österreichischen Bundesdenkmalamtes, Abteilung für Bodendenkmale, zu einem vermuteten bronzezeitlichen Pfostenloch gerufen wurde, stand eine Sondierung beim Bahnhof Hadersdorf am Kamp in Niederösterreich kurz vor ihrem Abschluss - alles sah nach Routine aus. Was die Archäologin dann dort und in weiteren Siedlungsgruben entdeckte, war gänzlich unerwartet.

Es fanden sich bronzezeitliche Figuren aus Ton mit rundlichen Proportionen; darunter abstrahierte menschliche Köpfchen so groß wie eine Kinderfaust. Deren maskenartige Gesichter ähneln Tieren. Ein Köpfchen trägt Hörner, bei einem zweiten bilden Nase und Mundpartie einen Schnabel. Die Nasenlöcher liegen knapp unter den Augen und verstärken das vogelartige Aussehen. Eine dritte Maske erinnert an eine Raubkatze.

Arrangiert waren die drei "Maskenträger" um ein Vogelgefäß. Im Innern barg diese rund 20 Zentimeter lange Hohlkeramik eine weitere Überraschung: zwei Ringe, einen herzförmigen Anhänger mit Sonnenzeichen, eine gebogene Säge und ein zugespitztes Kupferblatt. Vermutlich, so die wissenschaftliche Bearbeiterin Alexandra Krenn-Leeb, seien dies Kultgegenstände; für andere Zwecke seien die Fundstücke zu fragil. Möglicherweise handelt es sich aber bei Säge und Kupferblatt auch um chirurgische Instrumente. Entsprechende Eingriffe sind schon sehr früh belegt.

Selbst die Schädeloperation ist seit der Steinzeit bekannt. Dafür seien die Geräte jedoch wohl nicht gedacht gewesen. Eine genaue Einordnung fällt schwer. Denn einen vergleichbaren Fund für die Zeit zwischen 2200 bis 1600 v. Chr. gibt es in ganz Mitteleuropa noch nicht.