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Herrschaften

Nicht jeder ist ein Sonnenkönig: die Mächtigen der Geschichte und ihre Regierungszeiten.

Jahrzehntelang verkörperte er den Staat, machte sich mit Geld und Intrigen den Adel untertan und feierte dabei stets sich selbst: der "Sonnenkönig" Ludwig XIV., 72 Jahre lang Herrscher über Frankreich. Für keinen Potentaten ist eine längere Regierungszeit verbürgt - von 1643 bis 1715. Auch nicht für den legendären ägyptischen Pharao Ramses II., der 1213 v. Chr. seinen Thron räumte, nach 66 Jahren.

Im Gegensatz zu vielen männlichen Kollegen hat sich Queen Victoria weder durch Verschwendung noch durch übermäßige Selbstdarstellung hervorgetan, aber ausdauernd auf dem Thron war auch sie: Sie blieb länger als jede andere Frau in Amt und Würden, stand von 1837 bis 1901 immerhin fast 64 Jahre für Kontinuität in der britischen Monarchie.

Im zaristischen Russland prägten Iwan der Schreckliche und Peter der Große halbe Jahrhunderte. Großfürst Iwan IV. begann seine knapp 51-jährige Regierungszeit 1533 im Alter von drei Jahren. Zum ersten Zaren von Russland wurde er 1547. Sein Nachfolger, Peter I., reorganisierte in den 43 Jahren seiner Herrschaft, 1682-1725, den Staatsapparat und führte den Julianischen Kalender ein.

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Der kubanische Revolutionär, Fidel Castro, könnte die beiden Zaren noch übertreffen. Er ist seit 1959, 41 Jahre, an der Macht - und damit Rekordhalter unter den ungekrönten Herrschern.

Lange Regierungszeiten sind die Spezialität jener, die sich um Legitimation nicht zu scheren hatten. Franco Bahamonde etwa wurde 1936 durch Militärputsch und Bürgerkrieg zum Staatsoberhaupt Spaniens: für 39 Regierungsjahre, in denen er jegliche Opposition und freie Parteien unterdrückte. Fast ebenso lang herrschte der wegen seiner Grausamkeit berüchtigte lahme Timur, ein Mongole aus Samarkand; ab 1370 unterwarf er Zentral-asien - seine Spezialität in 35-jähriger Tyrannei waren Schädelpyramiden.

Mao Zedong zog zwar nicht mordend umher, doch in 27 Jahren als "Großer Vorsitzender" der Volksrepublik China starben nach Schätzungen 20 bis 45 Millionen Menschen; viele als "Klassenfeinde" während der Kulturrevolution. Josef Stalin stand dem Chinesen nur wenig nach: In den 24 Jahren von 1929 bis 1953 soll Stalin für mindestens 10 bis 20 Millionen Tote der UdSSR verantwortlich gewesen sein.

Demokratisch gewählte Oberhäupter tun sich naturgemäß mit langen Regierungszeiten etwas schwerer. Die 16 Jahre Helmut Kohls auf dem Kanzlersessel sind schon eine Ausnahme, die 14 Jahre seines Freundes François Mitterrand als Frankreichs Staats-präsident ebenso. Von 1933 an verbrachte der 32. amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt 12 Jahre im Weißen Haus. Zu Beginn der vierten Amtsperiode verstarb Roosevelt; seither ist im Oval Office nach der 2. Amtsperiode Schluss.

Von der unbegrenzten Möglichkeit zur Wiederwahl profitierte die Eiserne Lady, Margaret Thatcher. Die erste Premierministerin Großbritanniens führte über 11 Jahre die Regierungsgeschäfte. Tendenz zum schnelleren Machtverfall auch bei einigen der berüchtigsten Despoten: Idi Amin konnte in Uganda von 1971 an 8 Jahre morden, foltern und sich bereichern. In fast 4 Jahren Terrorregime fielen Pol Pot in Kambodscha zwei Millionen Menschen zum Opfer.

Amin und Pol Pot hielten sich damit immerhin länger als der Vater des modernen Terrors: Nur 1 Jahr, 1793-1794, währte die Schreckensherrschaft von Maximilien de Robespierre. Lang genug, um zehntausende Menschen mit der Guillotine hinrichten zu lassen - am Ende dann rollte sein eigener Kopf.

Und die Rekordhalter der Kürze? Nur ein 1/2 Jahr hielt sich der 20. Präsident der USA, James A. Garfield. Im September 1881 starb er an den Folgen eines Attentats. Noch weniger Glück hatte einer seiner Vorgänger: Der neunte amerikanische Präsident William H. Harrison holte sich bei seinem Amtsantritt im März 1841 eine Lungenentzündung und verschied 1/12 Jahr später.

Einem anderen war noch kürzere Machtfülle beschieden: Kronprinz Luis Filipe von Portugal wurde 1908 zusammen mit dem König Opfer eines Attentats, starb aber angeblich 20 Minuten nach seinem Vater - regierte also theoretisch in dieser Zeit, nicht einmal 1/365 Jahr, das Land. Weniger Zeit an der Spitze hat, trotz mittlerweile 57 Nachkriegsregierungen, nicht einmal ein italienischer Ministerpräsident gehabt.