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Wie der "Himmelsstein" auf die Erde kam

Seit Patrick A. Clayton 1932 die ersten kleinen Brocken dieses erstaunlichen Minerals aus der Wüste mitgebracht hat, beschäftigt sich die Wissenschaft damit. Je mehr Geologen, Mineralogen und Chemiker herausfanden, desto sicherer wurde die Vermutung, dass ein extrem energiereicher "thermischer Puls" - etwa ein Meteoritenaufprall oder der "Streifschuss" eines kosmischen Objektes - den siliziumreichen Sandstein im Untergrund des Gilf-Kebir-Plateaus geschmolzen und in Glas verwandelt hat.

Tatsächlich finden sich in vielen Glasbrocken winzige Einschlüsse, deren chemische Analyse eine Zusammensetzung von Elementen ergeben hat, die typisch ist für die meisten der auf die Erde gestürzten Meteoriten.

Der italienische Physiker Carlo Patuelli glaubt, dass der Aufprall des Meteoriten von solcher Gewalt gewesen sei, dass er irdisches Material glutflüssig in den Weltraum geschleudert habe. Es sei dort sekundenschnell zu Glas erstarrt und dann auf die Erde zurückgestürzt - vor fast 30 Millionen Jahren.

Die Amerikaner Darryl S. Futrell und John A. O´Keefe gehen noch weiter: Bei der Examinierung des Wüstenglases meinen die beiden Forscher auffällige chemische und mineralogische Ähnlichkeiten mit Material ermittelt zu haben, das die Mannschaften von "Apollo 15" und "Apollo 17" Anfang der siebziger Jahre vom Mond mitgebracht hatten.

Von diesem weiß man heute, dass es irgendwann auf dem Erdtrabanten durch gewaltige vulkanische Eruptionen entstanden sein muss. Da der Mond nur eine geringe Schwerkraft besitzt, halten es die Amerikaner für vorstellbar, dass Teile des vulkanischen Mondglases durch Meteoriteneinschläge weit hinaus in den Weltraum geschleudert, irgendwann von der Schwerkraft der Erde eingefangen worden und in der Libyschen Wüste herabgefallen sind.

An anderen Objekten ist ein solcher Vorgang bereits nachgewiesen: Schon mehrfach sind Brocken aus Mond-, sogar Marsgestein in der Sahara gefunden worden.