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Das Tutanchamun-Pektoral

Unter den unermesslichen Kunstschätzen, die der britische Archäologe Howard Carter nach seiner Entdeckung der Grabanlage des Pharaos im oberägyptischen Tal der Könige im Jahre 1922 zutage gefördert hatte, war auch eine Preziose, die mit anderen Geschmeiden in einer Truhe lag.

Im Zentrum des aus Gold, Silber, Glasflüssen und edlen Steinen gefertigten Juwels, das die Kosmologie der alten Ägypter wiedergibt, ist der jugendliche Sonnengott als Skarabäus dargestellt ? mit Beinen, Flügeln und dem Schwanz eines Falken. Vorderbeine und Flügelspitzen tragen die Himmelsbarke mit dem Horusauge, flankiert von zwei Uräusschlangen. Darüber erhebt sich die Mondsichel - und in dieser wiederum eine Mondscheibe aus Silber mit goldenen Applikationen. Das Schmuckstück symbolisiert die kosmische Ordnung und den ewigen Zyklus allen Lebens.

Der Skarabäus selber besteht aus einem grünlich schimmernden Stein, der bisher in sonst keinem einzigen Objekt der ägyptischen Hochkultur entdeckt worden ist. Da Howard Carter es nicht besser wissen konnte, klassifizierte er das Material als einen Chalzedon, eine der vielen Quarzvarianten.

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Edles Geschmeide: das Tutanchamun-Pektoral

1998 aber untersuchte der italienische Mineraloge Vincenzo de Michele den Skarabäus mit einem Refraktometer, einem optischen Gerät, mit dem der Brechungsindex und damit die mineralische Struktur von Edelsteinen geprüft werden. Das Resultat war verblüffend: Der Skarabäus ist zweifelsfrei aus LDSG, aus "Libyan Desert Silica Glass", geschliffen worden. Dieses so genannte Wüstenglas aus hochreinem Siliziumoxid zählt zu den seltensten Mineralien, die auf der Erde vorkommen; sehr viel rarer noch als es Diamanten sind.

Der edle Stein kann, nach Meinung von Fachleuten, nur durch ein kosmisches Ereignis ins Innere der Libyschen Wüste gelangt sein.