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Geschichte: Woher kam die Jade der Olmeken?

Woher bezogen die mittelamerikanischen Hochkulturen ihre kostbaren Schmucksteine? Ein Hauptlager haben Archäologen jetzt in Guatemala gefunden

Als die spanischen Eroberer in Mittelamerika einfielen und die Ureinwohner unterjochten, trieb sie die Gier nach Gold und Silber. Den indianischen Völkern selbst war ein Mineral noch wertvoller: "Blaue Jade", eine seltene blau-grüne Variante des meist weißlich-grünen Edelsteins.

Seit mindestens 1400 v. Chr. verwendeten die Indios das Mineral. Aus diesem Stein formten die Olmeken, die früheste Hochkultur des Kontinents, kunstvolle Menschenfiguren und Schreckensmasken. Und die Maya gaben verstorbenen Fürsten Schmuckstücke aus Blauer Jade mit ins Grab.

Woher aber bezogen die Ureinwohner über drei Jahrtausende die Steine, ohne einen Mangel an dem edlen Material zu haben?

Die Antwort gab buchstäblich der Wind: Ein Wirbelsturm hatte 1998 Zentralamerika heimgesucht, in dessen Verlauf riesige Wassermassen zahlreiche Erdrutsche auslösten. In einigen Flüssen Guate- malas tauchten plötzlich wieder größere Mengen Blauer Jade auf und wurden schließlich Touristen in Souvenirläden angeboten.

Der amerikanische Archäologe Russell Seitz, seit Jahrzehnten auf der Spur der mystischen Steine, wurde hellhörig: Mit einem Team erkundete er in mehreren Expeditionen die bewaldeten Flanken mehrerer Zuflüsse des Motagua im bergigen Südosten Guatemalas. Dort fanden die Forscher schließlich, was sie suchten: meterlange Wände aus dem grünlich-blau schillernden Mineral auf einem Areal von der vierfachen Größe Hamburgs. Neben Spuren von Minentätigkeit entdeckten die Forscher jüngst auch Reste einer alten Straße, auf der die Ureinwohner die kostbare Last transportiert haben könnten. Den genauen Ort halten sie noch geheim – aus Angst vor Plünderern.