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Paläontologie: Wie Saurier groß wurden

Eine US-Forschergruppe glaubt erklären zu können, wie die Riesenechsen der Urzeit ihre Größe erreicht haben

Gigantosaurus so klein wie ein Kaninchen, Tyrannosaurus rex so lächerlich winzig, dass er in einem Überraschungsei gemütlich ein Nickerchen hätte machen können - Hollywood wären viele Millionen Dollar und uns etliche schaurig-schöne Kinominuten entgangen. Aber warum wurden die Saurier eigentlich so groß?

Lange Zeit gingen die meisten Paläontologen und Physiologen davon aus, dass die Riesenechsen ihre enorme Größe dadurch erreichten, dass sie - wie moderne Reptilien - ihr ganzes Leben lang weiterwuchsen. Andere wiederum favorisierten die These, Dinosaurier wären ähnlich wie Säugetiere oder die heutigen Vögel - enge Verwandte der Saurier - in ihren Jugendjahren vergleichsweise schnell herangewachsen, hätten aber mit dem Erreichen der Geschlechtsreife das Wachstum eingestellt.

Mit den Ergebnissen zweier unabhängig voneinander arbeitender US-Forschergruppen scheint der Streit unter den Dino-Wissenschaftlern vorerst entschieden zu sein. Die Untersuchung von Knochen unterschiedlich alter Tiere ergab: Dinosaurier wuchsen in den ersten Lebensjahren relativ rasch, veränderten ihre Körpergröße im Erwachsenenalter aber kaum noch.

Die amerikanischen Forscher nutzten bei ihren Studien, dass Knochen, ähnlich den Jahresringen von Bäumen, Wachstumsringe bilden, an denen man das Alter eines Lebewesens einschätzen kann. Zudem war es den Forschern möglich, aus Knochenlänge und Nachbildungen des Körpers das Gewicht der Dinosaurier zu bestimmen. Aus dem errechneten Alter und Gewicht mehrerer Saurier einer Art wurde dann die Wachstumsgeschwindigkeit ermittelt.

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Auch Saurier haben klein angefangen, das weiß man durch Funde von Embryos in der Eierschale - hier ein Therizinosaurus-Modell nach einem Orginal, das in der Mongolei entdeckt wurde

Das Wachstum der Dinosaurier richtete sich, ähnlich wie bei den Säugetieren, nach der Körpergröße. Sehr große Sauropoden hatten eine Wachstumsgeschwindigkeit vergleichbar der von Walen. Der Apatosaurus zum Beispiel brachte im Erwachsenenalter von 15 Jahren nahezu 26 Tonnen auf die Waage, so viel wie 26 Mittelklassewagen, und nahm in seiner Jugend jeden Tag umgerechnet mehr als 14 Kilogramm zu.

Trotz der beeindruckenden Wachstumsraten dieser urzeitlichen Erdbewohner ist das am schnellsten wachsende Tier immer noch der Blauwal, der von einem Tag zum anderen 66 Kilogramm mehr auf die Waage bringen kann.

Wissenschaftler vermuten, das rasche Wachstum von Säugetieren und Vögeln in den ersten Lebensjahren sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Tiere Warmblüter sind, also viel Energie umsetzen müssen, um ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Daher sei es günstig, den Prozess des Heranwachsens so schnell wie möglich "hinter sich zu bringen".

Anders bei Reptilien: Diese wechselwarmen Tiere brauchen relativ wenig Energie, um ihren Stoffwechsel aufrechtzuerhalten - und wachsen langsamer, dafür aber meist ihr Leben lang. Von ihrer Wachstumsphysiologie her ähneln die Saurier also eher Warmblütern und riesenhaften Säugetieren wie Walen als den heutigen Reptilien.