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Archäologie: 'Christi Blut' kam aus Fernost

Neueste Fundstücke zeugen von frühen regen Handelsbeziehungen zwischen Europa und dem heutigen Sri Lanka.

Eine Delegation buddhistischer Mönche von der fernen Insel Taprobane, dem heutigen Sri Lanka, hat am Hof des Pracht liebenden Kaisers Claudius in Rom Aufsehen erregt. Das weiß zumindest der Historiker Plinius d. J. zu berichten. Anlass für die weite Reise der Asketen war ein sehr irdischer. Sie wollten nicht etwa die römische Welt für den Buddhismus gewinnen, sondern die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Gewürzinsel und dem Römischen Reich intensivieren.

Dass die Wirtschaftsabordnung nicht erfolglos war, beweist eine Grabung in Tissamaharama im Südosten Sri Lankas, die seit 1992 von der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie in Zusammenarbeit mit dem Archaeological Department Sri Lankas unter Leitung von Hans-Joachim Weißhaar durchgeführt wird. Im Schutt der alten Königsstadt Mahagama wurden zahlreiche spätrömische Münzen geborgen, ein Fund, der vom Interesse der Alten Welt an den Luxusgütern der Insel zeugt, etwa an Elfenbein, Edelsteinen, Sandelholz oder Gewürzen. Im Zuge eines europäisch-asiatischen Joint Venture gelangten aus Rom sogar Söldner, Architekten und Sklaven nach Südasien.

Als Schnittstelle der "maritimen Seidenstraße" zwischen China und Europa gewann Sri Lanka offenbar große Bedeutung für den Fernhandel. Die dort aufgefundenen Münzen aus dem äthiopischen Großreich Aksum und aus Palästina, Feinkeramik aus Nordindien, sassanidische Keramik persischer Provenienz und Fragmente chinesischer Porzellane aus unterschiedlichen Zeiten belegen weitreichende und lang andauernde Kontakte zwischen Morgen- und Abendland.

In Tissamaharama kam manches zu Tage, das für eine wichtige Rolle der heute eher unbedeutenden Stadt in der Antike spricht. So gelang es, ein Handwerkerviertel freizulegen, in dem das hohe Niveau der singhalesischen Metallverarbeitung vom 3. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. erkennbar wurde. Auch konnten mehrere Ziegelsteingebäude aus den 4. und 5. Jahrhunderten n. Chr. ausgegraben werden, die wegen darin entdeckter Fundstücke als Residenz einer wohlhabenden Familie zu interpretieren sind. Bisher kannte man auf Sri Lanka nur Sakralbauten aus Ziegelstein.

Aber auch nach dem Fall des Römischen Reiches rissen die Beziehungen zwischen Sri Lanka und Europa offenbar nicht ab: Der tiefrote Halbedelstein Almandin, der im europäischen Frühmittelalter als "Blut Christi" galt und der unter anderem Waffen des Frankenkönigs Childerich zierte, stammte von der fernen Insel.