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Buchtipps: Der Erste Weltkrieg

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
In diesem Artikel
Überblickswerke
Kriegsbeginn 1914
Kriegsliteratur
Verdun
Ludendorff - Hindenburg
Osmanisches Reich und Lawrence von Arabien
Lenin

Überblickswerke

Volker Berghahn, Der Erste Weltkrieg (Beck, München 2003) 115 Seiten 7,90 Euro Wer sich in kurzer Zeit einen Überblick zum Thema verschaffen möchte, ist mit diesem handlichen Bändchen gut beraten. Knapp und präzise greift sich Berghahn wichtige Bereiche des Ersten Weltkrieges heraus: Kosten, Ursachen und Verantwortliche des Krieges, dessen Totalisierung an Front und "Heimatfront" sowie Revolution, Ende und Friedensschlüsse stellt er auf dem neuesten Forschungsstand vor.

Gerhard Hirschfeld/Gerd Krumeich/Irina Renz (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg (Schöningh, Paderborn 2003) 1004 Seiten 58 Euro DAS Standardwerk im deutschsprachigen Raum richtet sich gleichermaßen an Spezialisten und historisch Interessierte. Im ersten Teil werden die am Krieg beteiligten Länder in anschaulich geschriebenen Essays vorgestellt, Wege in den Krieg und der Kriegsverlauf sowie zentrale gesellschaftliche Themen (etwa Frauen, Arbeiter, Wissenschaftler, Religion und Propaganda, Kriegswirtschaft und Medizin) erläutert. Daran schließt sich ein Lexikon mit 650 Stichworten an. Eine umfassende Chronologie der Ereignisse von 1914 bis 1918, 23 Karten und über 100 Abbildungen runden den Band ab.

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Hew Strachan, Der Erste Weltkrieg - Eine neue illustrierte Geschichte (Bertelsmann, München 2004) 448 Seiten, 24,90 Euro Der Militärhistoriker von der Universität Oxford stellt in seiner gut zu lesenden Studie den ersten "Großen Krieg" als regelrechten Weltkrieg dar. Denn neben den europäischen widmet er auch den außereuropäischen Kriegsschauplätzen in Übersee, Afrika und im Nahen Osten breiten Raum. Zahlreiche Farbfotos aus französischen Archiven bieten zudem einen neuen, bislang ungekannten Blick auf die Schützengräben und die beteiligten Akteure.

Quellenwerke

Niemals zuvor haben in einem Krieg so viele Menschen in Millionen von Briefen und Tausenden Tagebüchern über sich und ihre Situation geschrieben. Eine Auswahl:

Doris Kachulle (Hrsg.), Die Poehlands im Krieg. Briefe einer sozialdemokratischen Bremer Arbeiterfamilie aus dem 1. Weltkrieg (Pahl-Rugenstein, Köln 1982) antiquarisch erhältlich 248 Seiten

Dominik Richert, Beste Gelegenheit zum Sterben. Meine Erlebnisse im Kriege 1914-1918. Hrsg. v. Bernd Ulrich und Angelika Tramitz (Knesebeck München 1989) antiquarisch erhältlich 410 Seiten

Bernd Ulrich/Benjamin Ziemann (Hrsg.), Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Wahn und Wirklichkeit. Quellen und Dokumente (Fischer, Frankfurt a. M. 1995) antiquarisch erhältlich 230 Seiten

Kriegsbeginn 1914

Jeffrey Verhey, Der "Geist von 1914" und die Erfindung der Volksgemeinschaft (Hamburger Edition, Hamburg 2000) 416 Seiten 30 EuroIn seiner materialreichen Studie räumt der amerikanische Autor mit der Legende auf, alle Deutschen seien im August 1914 begeistert in den Krieg gezogen. Verhey weist nach, dass es neben den euphorischen, auch kritische Stimmen gab - und dass Angst und Sorge vor dem kommenden Krieg in weiten Teilen der Bevölkerung bei weitem überwogen haben.

Volker R. Berghahn, Sarajewo, 28. Juni 1914. Der Untergang des alten Europa (dtv München 1997) 234 Seiten 10,17 EuroDer Titel täuscht. Denn Volker Berghahn belässt es nicht nur bei einer kenntnisreichen Schilderung der Ereignisse des Sommers 1914. Vielmehr schlägt er den zeitlichen Bogen von 1900 bis 1929 und verfolgt die Geschichte des Ersten Weltkrieges vom "Spiel mit dem Feuer" der Großmächte bis hin zur europäischen Nachkriegsordnung.

Propaganda

Brigitte Hamann, Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten (Piper, München 2004), 192 Seiten 29,90 EuroWie sehr der Erste Weltkrieg ein Propagandakrieg war, zeigt das reich bebilderte Buch der Historikerin Brigitte Hamann. In kurzen Texten und mit einer Fülle von Postkarten, Plakaten, Kriegsanleihen, Fotografien, Presseausschnitten, Karikaturen, Lebensmittelkarten und Feldpostbriefen aus ihrer Privatsammlung lässt sie den Alltag zwischen Durchhalteparolen und Hungersnot lebendig werden.

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Kriegsliteratur

Unter den Millionen Soldaten an der Front befanden sich auch Lyriker, Schriftsteller und Journalisten. In Autobiographien, Romanen, Erzählungen und Gedichten versuchten sie, das Erlebte zu verarbeiten. Eine Auswahl:

Louis-Ferdinand Céline, Reise ans Ende der Nacht (Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004) 671 Seiten 12,90 Euro Robert von Ranke-Graves, Strich drunter (Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990) 406 Seiten antiquarisch erhältlich

Ernst Jünger, In Stahlgewittern (Klett-Cotta Stuttgart 2001) 43. Auflage 324 Seiten 23,50 Euro

Edelf Köppen, Heeresbericht (DVA München 2004) 402 Seiten 19,90 Euro

Erich-Maria Remarque, Im Westen nichts Neues (Kiepenheuer & Witsch Köln 1998) 218 Seiten 6,90 Euro

Ludwig Renn, Krieg(Das Neue Berlin, Berlin 2002) 335 Seiten 19,90 Euro

August Stramm, Gedichte, Dramen, Prosa, Briefe (Reclam, Ditzingen 1997) 242 Seiten 5,10 Euro

Carl Zuckmayer, Als wär's ein Stück von mir. Horen der Freundschaft (Fischer, Frankfurt a. M. 1969) 696 Seiten 10,90 Euro

Verdun

Die beste Gesamtdarstellung der Schlacht zwischen Deutschen und Franzosen liefert ein Brite:

Alistair Horne: The Price of Glory

, Penguin Books

Seit über 40 Jahren immer wieder aufgelegt. In manchen Aspekten überholt, doch insgesamt sehr fair und lesenswert.

Wer sich selbst ein Bild von der Schlacht machen und den Ort bereisen will, tut dies am besten mit diesem Führer:

Kurt Fischer/Stephan Klink: Spurensuche bei Verdun

, Bernard & Graefe Verlag

Ludendorff - Hindenburg

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Vejas Gabriel Liulevicius: Kriegsland im Osten.

Hamburger Edition, 400 Seiten, 35 Eur.

Der amerikanische Historiker beschreibt mit großer Ausführlichkeit den ersten Versuch des Duos Ludendorff/Hindenburg, einen Militärstaat aufzubauen - in den besetzten Gebieten im Baltikum, Weißrussland und der Ukraine.

Klaus Theweleit: Männerphantasien 1 + 2.

Piper Taschenbuch, 1005 Seiten, 22,90 Eur.

Der Klassiker des Literaturwissenschaftlers Theweleit untersucht an Hand von "Freikorpsliteratur" aus den Jahren nach dem ersten Weltkrieg die Gefühlsmuster des "soldatischen Mannes", wie sie sich exemplarisch in Männern wie Ludendorff und Hindenburg verkörpert haben.

Osmanisches Reich und Lawrence von Arabien

David Fromkin: A Peace to End All Peace. The Fall of the Ottoman Empire and the Creation of the Modern Middle East. 2nd Repr., Phoenix Press, London, Oktober 2001, 635 Seiten. Ein Standardwerk über den Untergang des Osmanischen Reiches und die folgenreiche Neuordnung des Nahen und Mittleren Osten im und nach dem Ersten Weltkrieg. Fromkin gehört zu den britischen Autoren, die akribisch recherchieren und Geschichte anschaulich und spannend wie einen Kriminalroman erzählen.

Jeremy Wilson: Lawrence von Arabien. Die Biographie. List, München 2001, 720 Seiten. Gelungene Biographie über eine schwer fassbare historische Persönlichkeit. Wilson antwortet auf die Legendenbildung um "Lawrence von Arabien" und dessen Wirken im Krieg mit genauer Recherche und ausgewogener Darstellung - ganz ohne Sensationsgeheische, dennoch anregend. Lediglich die Einbettung in den geschichtlichen Kontext ist manchmal etwas knapp geraten.

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Walther Rathenau

Ernst Schulin: Walther Rathenau. Repräsentant, Kritiker und Opfer seiner Zeit.

2. verb. Auflage, Muster-Schmidt, Göttingen 1992, 146 Seiten.

Schulin schafft es in erstaunlicher Kürze, den schillernden, oft widersprüchlichen Menschen Walther Rathenau und dessen Engagement im und nach dem Ersten Weltkrieg verständlich zu machen. Gut geschrieben, mit viel Sinn für den historischen Rahmen, souverän im Umgang mit den Quellen.

Lenin

Robert Service, Lenin. Eine Biographie (dtv München 2002) ISBN 3423308605 Taschenbuch 680 Seiten 19,50 EURAls nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 die Parteiarchive der Forschung geöffnet wurden, zögerte der englische Historiker Robert Service keinen Augenblick, um dem Menschen Wladimir Iljitsch Uljanow hinter dem Pseudonym Lenin nachzuspüren. Nie zuvor ist das Leben des adeligen, durchaus betuchten und weltfremden Berufsrevolutionärs derart detailfreudig von der Geburt bis zu seinem frühen Tod beschrieben worden. Ein neues Standardwerk zum Begründer des ersten sozialistischen Staates der Weltgeschichte.

Orlando Figes und Barbara Conrad-Lütt (Übersetzung), Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Goldmann München 2001) Taschenbuch 976 Seiten 20 EURIn seinem mehrfach ausgezeichneten Werk entwirft der Geschichtsprofessor Orlando Figes ein lebhaftes Bild der russischen Revolution, vom Hungerjahr 1891 bis zum Tode Lenins 1924. Zahlreiche Augenzeugenberichte bereichern die kenntnisreiche und vor allem gut lesbare Darstellung, in der selbst die kompliziertesten Mechanismen der Macht brillant und einfach zugleich erklärt werden.

Willi Gautschi, Lenin als Emigrant in der Schweiz (Benziger Verlag, Düsseldorf 1982) ISBN 354534066X Gebunden 384 Seiten Antiquarisch erhältlichÜber sechs Jahre verbrachte Wladimir Iljitsch Uljanow im politischen Exil in Schweizer Städten wie etwa Bern, Genf und Zürich. In den dortigen Bibliotheken erarbeitete er maßgebliche Teile seines Partei- und Regierungsprogrammes, auf der von der deutschen Geheimdiplomatie arrangierten Heimreise von Zürich nach Petrograd verfasste er 1917 seine "Aprilthesen". Minutiös hat Willi Gautschi Lenins und Nadeschda Krupskajas Leben in der Schweiz rekonstruiert - und endgültig die Geschichte vom plombierten Sonderzug durch Deutschland in das Reich der Fabel verwiesen.

Werner Hahlweg, Lenins Rückkehr nach Russland 1917. Die deutschen Akten (Brill Leiden 1957) 139 S., gebunden, antiquarisch erhältlichGesandte, Reichskanzler, Staatssekretäre, Militärs und sogar Wilhelm II. begannen ab Ende 1914 mit dem Gedanken zu spielen, Russland durch die Unterstützung von revolutionären Kräften zu zersetzen und zu einem Separatfrieden mit dem Reich zu zwingen. Mit einer anschaulichen Einleitung versehen, hat Werner Hahlweg die dazugehörigen Telegrammprotokolle der deutschen Geheimdiplomatie herausgegeben. Diese Dokumente stellen den Rücktransport Lenins durch Deutschland im April 1917 in ein ganz besonderes Licht.