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Gesichter der Antike Vorstoß zum Polarkreis: Pytheas

Kein antiker Abenteurer hat sich jemals so weit in Europas Norden vorgewagt wie Pytheas - wenn man seinem Bericht glauben darf
Büste von Pytheas

Der Entdecker segelt nach Großbritannien - und erreicht womöglich sogar die Färöer-Inseln oder Norwegen

Es ist eine seltsame Weltregion, in die der Reisende da geraten ist: eine Gegend, "in welcher die Erde, das Wasser und alle Elemente auf eine Weise zusammengehalten sind, dass man sie weder betreten noch mit dem Schiff befahren kann". Der griechische Abenteurer Pytheas behauptet, in den hohen Norden gesegelt zu sein – bis zum sagenhaften Thule, "von wo aus es nur noch eine Tagesreise ist bis zu dem gefrorenen Meer".

Gut möglich, dass er damit als erster Reisender der Antike ein Naturphänomen beschreibt: Treibeis. Irgendwann vor 320 v. Chr. muss Pytheas mit der Vorbereitung des mehrjährigen Abenteuers begonnen haben, mit dem er als Forschungsreisender und Entdecker Berühmtheit erlangt. Von wo aus er aufbricht, ist unbekannt, sein Bericht „Über den Ozean“ ist der Nachwelt nicht erhalten. Was von seinen Taten und Worten überliefert ist, stammt aus späteren Quellen.

Vielleicht fährt Pytheas in Massalia los, gegründet von griechischen Kolonisten nahe der Rhônemündung. Er nimmt den Weg entlang der Atlantikküsten von Iberia und Keltike, befährt als erster Grieche die Irische See und umrundet die Insel Bretannike (Britannien). Später erreicht er wahrscheinlich die Shetlands und die Färöer – vermutlich sogar den Polarkreis.

In einem lässt der gelehrte Reisende aus Massalia die nachfolgenden Generationen allerdings im Unklaren: wo genau jener Ort liegt, sechs Tagesreisen nördlich von Bretannike, an dem es "sechs Monate im Jahr Tag und die anderen sechs Nacht" sei. Jener Ort, den er damals Thule nennt.

Er könnte modernen Berechnungen zufolge auf den Färöer-Inseln gelegen haben oder in Nordnorwegen. Ganz sicher aber nicht auf Grönland – auch wenn es dort heute eine Ortschaft gleichen Namens gibt.