"Nicht einfach mit der Kamera draufhalten"

Karin Apollonia Müller fotografierte für GEO WISSEN in Indien - für eine Reportage über einen Yoga-Workshop in einem der ältesten Zentren für Yogaforschung und -therapie in der Nähe von Mumbai. Im Interview erzählt die 43-jährige Deutsche, die in Los Angeles lebt, warum sie anfangs keinen Fotoapparat dabei hatte und seit diesem Auftrag wieder besser durchatmen kann

GEO WISSEN: Sind Sie Indien-Spezialistin?

Karin Apollonia Müller: Nein, ich war zum ersten Mal in dem Land. Sehr über den Auftrag gefreut habe ich mich auch, weil ich selbst Yoga mache. Ich stellte mir gleich eine warme Geschichte vor, möglichst ohne Blitzlicht. Dann kommt es natürlich leicht zu Bewegungsunschärfen, was der Redaktion jedoch nicht so lieb war, da die Fotos für ein Wissenschaftsmagazin gedacht waren. Auf dem Flug nach Indien hatte ich immer die Frage im Kopf: Wie krieg ich das stimmungsvoll und dennoch wissenschaftlich hin?

Wie ist es Ihnen denn letztlich gelungen?

Alle Bilder sind mit Stativ und langer Belichtungszeit entstanden; um Unschärfen zu vermeiden habe ich nur manchmal einen kleinen Blitz eingesetzt. Allerdings nicht bei Meditationen, denn das wäre der Situation nicht angemessen gewesen. Am Ende war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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Fotografin Karin Apollonia Müller, 43, (links) und GEO-Autorin Christine Heidemann, 43, fühlten sich imAshram schon nach wenigen Tagen wie zu Hause

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Unterrichtsstunde im Kaivalyadhama Yoga Institute mit Studenten

Wie haben die Studenten des Zentrums und die Teilnehmer des Yoga-Workshops Sie aufgenommen?

Mein Ansatz als Fotografin ist, an anderen Kulturen interessiert zu sein, Respekt zu zeigen und sich einzufühlen. Daher war ich anfangs ohne Kamera dabei, und die Leute konnten sich langsam an mich gewöhnen. Sie haben gemerkt, dass ich nicht einfach reinplatze und mit der Kamera draufhalte. Nur die Lehrer waren zunächst nicht so offen, sie wollten nicht, dass ich die Studenten fotografiere. Ich bin dann immer wieder geduldig und beharrlich ohne Kamera über den Campus gelaufen und habe mit ihnen gesprochen. Da ich selbst Yoga mache, habe ich ihre Bedenken auch sehr gut verstanden. Irgendwann wurde den Studenten klar, dass ich am Kern des Yoga interessiert war und sie nicht nur als Statisten benutzen wollte.

Und wie haben Sie die Leute dazu bekommen, sich mit ihren komplizierten Yogaübungen in Szene zu setzen?

Für die gestellten Bilder habe ich speziell einige Inder angesprochen, die fotografiert werden wollten. Manche konnten Englisch und haben mir auch sehr viel erzählt und sich unglaublich viel Mühe gegeben.

Wie lange dauert es dann, bis sie ein Motiv so fotografiert hatten, dass Sie zufrieden waren?

Für die Fotos der verschiedenen Yoga-Haltungen hatten wir nur wenig Zeit, weil die Studenten von morgens bis abends im Unterricht sind. Die Aufnahmen sind dann in den Mittagspausen zwischen zwei und drei Uhr entstanden. Wenn ich Bilder wiederholen musste, brauchten die Männer eine Pause, um sich zu erholen. Mir war es manchmal fast peinlich, wenn ich sie einen Millimeter verrücken musste wegen einer kleinen Linie, die im Hintergrund den Bildaufbau gestört hat. Das ist für einen Laien schwer nachzuvollziehen.

Haben Sie vor Ort auch selbst Yoga gemacht?

Ich habe mich sehr für den Workshop interessiert. Anfangs habe ich daher beim Pranayama (Kontrolle des Atems, Anmerk. d. Red.) mitgemacht. Aber da ich auch immer meine Arbeit im Kopf hatte, konnte ich mich nicht gut genug konzentrieren - mir wurde schwindlig und schlecht. Deshalb habe ich dann ausschließlich meinen Fotoauftrag verfolgt.

Haben Sie die Reinigungsübungen einmal ausprobiert?

Jala-Neti, bei der man die Nase mit Salzwasser spült, fand ich richtig gut. Ich bin häufig unterwegs und habe beim Fliegen oft Probleme mit der Nase. Deshalb habe ich mir eines der dafür typischen Porzellankännchen gekauft und mache das jetzt auch zu Hause. Ich kann das jedem nur empfehlen! Weniger schön war es, die Fotos der Reinigungsübungen zu machen. Ich musste um halb fünf Uhr aufstehen und mit nüchternem Magen und ohne Latte Macchiato in einen Waschraum mit Neonlicht. Und dann diese Geräusche, wenn etwa jemand ein Tuch hervorwürgt, das er zuvor zur Reiningung des Magens verschluckt hatte - das war schon ein wenig eklig.

Interview: Juliane Speigl

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Yoga-Übungen in Perfektion: die Skorpionhaltung

Das neue GEO WISSEN "Sport und Gesundheit" ergründet, auf welche Weise sportliche Aktivität Leib und Seele stärkt, wie sich Bewegung sogar als Heilmittel einsetzen lässt. Und wo die Grenzen des (Leistungs-)Sports liegen. Unter anderem mit diesen Themen:

- Schwerpunkt Kinder: welche Sportart für welches Alter?

- Krebs - wie Bewegungstherapie helfen kann

- Genetik - warum manche Menschen einfach schneller sind.

Eine Teilauflage dieser Ausgabe ist erstmals um eine DVD erweitert: Sie enthält die dreiteilige ARD-Dokumentation "Von null auf 42" (130 Min.), die sieben bisher unsportliche Männer und Frauen auf ihrem Weg zum New York Marathon begleitet. Das Heft ist 172 Seiten stark und kostet 8,50 Euro (mit DVD 12,50 Euro).