Was darf in Ihrem Koffer nie fehlen, Frau Kirsch?

Diesmal beantwortet Meike Kirsch, die geschäftsführende Redakteurin von GEO Special, unseren Fragebogen

Meike Kirsch, 28, kam Ende 2004 als Praktikantin zu GEO und ist seit Mai 2007 geschäftsführende Redakteurin der GEO Specials. Vor ihrem Start bei GEO hat sie die Deutsche Journalistenschule in München besucht, Journalistik, Politik und Europarecht studiert und war Assistentin eines Abgeordneten im Europäischen Parlament. Von der Zeitschrift Medium Magazin wurde sie zu den "Top 30"-Nachwuchstalenten im Printjournalismus gezählt.

Was darf in Ihrem Koffer nie fehlen?

Am Anfang einer Reise: viel Platz. Damit ich am Ende der Reise ohne Übergepäck-Gebühr in den Flieger darf.

Was verabscheuen Sie auf Reisen?

Die Antwort "Inshallah", so Gott will. Handelt es sich doch um die perfekteste Ausrede, zum vereinbarten Zeitpunkt nicht zu erscheinen. Wer beschwert sich schon über eine Unzuverlässigkeit, wenn Gott persönlich verantwortlich ist?

Was ist Ihr liebstes Erinnerungsstück?

Eine Eintrittskarte für den Superclásico in Buenos Aires, die wahrscheinlich emotionsgeladenste Fußballpartie der Welt. Sie erinnert mich an den Moment, in dem ein Mann im Torjubel fast aus seiner Ehrenloge kippte: Diego Maradona.

Was war Ihr ungewöhnlichstes Fortbewegungsmittel?

Ein Schmugglerboot, das in pechschwarzer Nacht Richtung Iran raste. Durch die Meerenge von Hormuz, die Hunderte von Öltankern passieren. Einzige Lichtquelle an Bord und damit gleichzeitig Positionslicht war ein schwach leuchtendes Mobiltelefon. Der Fahrer hielt es hoch - bis endlich die Sonne aufging.

Wo verbrachten Sie Ihre unbequemste Nacht?

Mit omanischen Fischern auf dem Meer; zusammengekauert vor der Schiffstoilette - einem während der Nacht häufig genutzten Loch im Boden. Geräusche habe ich mit dem GEO Podcast-Mikrophon aufgenommen. Aus Rache - und weil sie sich mit dem Pfeifen von Delfinen zu einer Symphonie des Meeres mischten.

Was war die merkwürdigste Mahlzeit?

Ein Frühstück auf einer argentinischen Estancia nachts um halb vier. Was wie Rosinen im Haferbrei aussah, entpuppte sich als sehnige Hammelfleischbrocken. "Die Gauchos werden wissen, wie hart der heutige Tag wird", habe ich gedacht - und ausgelöffelt. Am Abend wusste ich: Das mit Abstand Härteste an jenem Tag war der nächtliche Hammel.

In welcher Situation hatten Sie die größte Angst?

In einer Männertoilette in Abu Dhabi. Auf die musste ich mich während eines Kamelrennens flüchten, weil es auf dem riesigen Gelände zwar Helikopterlandeplätze gab - aber keine einzige Damentoilette. Ich hatte die Lage lange und mit wachsender Verzweiflung studiert und war schließlich unbeobachtet in die rettende Sanitäranlage geschlüpft. Dort stand ich dann. Eingeschlossen in meiner Kabine. Eine gefühlte halbe Stunde lang, weil plötzlich alle Scheichs der arabischen Welt ihre Blase leeren mussten.

Welchen Menschen würden Sie gerne wieder sehen?

Patch, die Hauptfigur meiner ersten GEO-Reportage. Der Weg zu ihm? Ganz einfach: im australischen Outback beim verrottenden Sessel links abbiegen, am halben Fernsehgerät vorbeifahren und vor dem roten Ford Falcon stoppen, auf dessen Dach eine übergewichtige Ziege steht. Patch ist Doktor der Psychologie und weiß, wie man auch ohne Dusche im Glück badet.

Wem möchten Sie nie wieder begegnen?

Ashalyn, die im kalifornischen Mount Shasta Körperarbeit (nicht zu verwechseln mit körperlicher Arbeit) anbietet und mit mir eine Reise in meine "600 bis 1400" früheren Leben unternahm. Nun weiß ich: Im 17. Jahrhundert hatte ich schlimmen Liebenskummer. Im 13. Jahrhundert wurde ich geköpft.

Welche verpasste Chance hätten Sie gerne ein zweites Mal?

Die Möglichkeit, für GEO zur Seidenstraße zu reisen. Eine geplante Recherche in Kirgistan musste ich gerade absagen. Zu viel zu tun.

Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

Zu Hause.

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