Zankls Tiere

Wie ein GEO-Fotograf den Tag der Artenvielfalt in Crawinkel bewältigte
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Ein eher häufiger Bewohner unserer Breiten: der Marienkäfer

Als im Februar 2007 ein Anruf von GEO-Bildredakteur Markus Seewald den Fotografen Solvin Zankl in seinem Büro erreicht, wird man sich schnell darüber einig, wie das Erscheinungsbild des Berichtes zum diesjährigen Tag der Artenvielfalt im thüringischem Crawinkel aussehen könnte. Ein Blickwinkel soll es sein, der die Lebewesen in ihrer Umgebung zeigt und ihre Perspektive auf ihren Lebensraum festhält - die wahre Froschperspektive also.

Die technische Umsetzung dieser beide Gesprächspartner begeisternden Vorstellung gestaltet sich allerdings sehr viel schwieriger als die bloße Idee. Nicht zuletzt deshalb, weil sich herausstellt, dass in der zu dokumentierenden "halboffenen Weidelandschaft" von Crawinkel viele der interessanten Protagonisten kleiner als fünf Zentimeter sind. Die Prämissen aber sind gesetzt: Der Betrachter der Fotografien soll dem Käfer über die Schulter schauen können - und das bei höchster Bildqualität. Bewerkstelligt hat Solvin Zankl diesen Spagat mit einem von ihm selbst modifizierten, extremen Weitwinkelobjektiv auf seiner Nikon D2X, mit dessen Hilfe er Objekte bis zu einem Abstand von nur wenigen Millimetern vor der Frontlinse scharf stellen und somit die Kleinen groß herausbringen kann.

Direktes Sonnenlicht auf dem Hintergrund gibt dem Umfeld die gewünschte Bedeutung auf den Fotografien, doch durch die Nähe zum Hauptdarsteller ist der eigene Schatten des Fotografen ein Problem bei der Bildkomposition. Hier findet sich die Lösung in der bewussten Beschattung des Vordergrundes und der Verwendung von mindestens vier Blitzen für die möglichst natürlich wirkende Ausleuchtung des Nahbereichs.

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Ganz nah dran: Solvin Zankl im B-Day-Einsatz in Crawinkel

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Hecken bieten Nistgelegenheiten für viele Vogelarten - oder dienen als Versammlungsplatz von Honigbienen

An diesem Punkt kommen Befürchtungen bei Solvin Zankl auf, ob eine Fliege einen solchen Set akzeptieren würde. Die Machbarkeit zeigte sich dann aber in der Praxis an den jeweiligen Tieren. So bleibt die Fliege in den kühlen Morgenstunden erfreulich träge sitzen, der Marienkäfer, der erst den höchsten Sitz erklimmen möchte, bevor er startet, scheint angesichts der ihn umgebenden, aufragenden Blitze seinen Standpunkt kurz zu überdenken ... Unterdessen drückt Solvin Zankl den Auslöser und hat einen weiteren ungewohnten Blick auf die heimische Natur eingefangen.

Nach diesem Projekt, sagt der passionierte Hobby-Imker Solvin Zankl, könne er sich fast in die Sichtweise seiner Bienen eindenken und wünscht sich ähnliche Gefühle in den Betrachtern seiner neuen Bilder, die in der September-Ausgabe von GEO zu sehen sind.