"Ich hasse nasse Socken!"

Diesmal beantwortet Martin Verg, 36, die Fragen unseres Fragebogens. Er ist der Stellvertretende Chefredakteur von GEOlino

Was darf in Ihrem Koffer nie fehlen?

Ich habe keinen Koffer, bin bis heute Rucksack-Tourist. Zu dessen Grundausstattung gehören für mich: Taschenmesser, Streichhölzer, Kreditkarte

Was verabscheuen Sie auf Reisen?

Nasse Socken.

Was war Ihr ungewöhnlichstes Fortbewegungsmittel?

Meine Wanderstiefel, nachdem - mitten in der weglosen Wildnis Neufundlands - die Sohlen abgefallen waren.

Wo haben Sie Ihre unbequemste Nacht verbracht?

Auf dem Flughafen von Chicago - gemeinsam mit 10000 anderen unwetterbedingt gestrandeten Reisenden. Immerhin hatte ich meine Schuhe nicht aufs Gepäckband gestellt, das unerwartet um vier Uhr morgens ansprang ...

Was war die merkwürdigste Mahlzeit auf Reisen?

Die auf einem nordnorwegischen Fjell gesammelten Steinpilze, die leider gar keine Steinpilze waren. So schlecht wie in der darauf folgenden Nacht habe ich mich nie wieder gefühlt.

In welcher Situation hatten Sie die größte Angst?

Als ich hilflos zusehen musste, wie meine Freundin von einem Gletscherfluss in Alaska mitgerissen wurde. Zum Glück ist sie am Ende mit dem Schrecken - und nassen Socken - davongekommen.

Was war für Sie auf Reisen der überwältigendste Moment?

Bisher jeder Morgen, an dem ich aus dem Zelt kroch und in menschenleerer Natur stand. Außer es regnete.

Welchen Menschen würden Sie gern wieder sehen?

All jene unerhört freundlichen Neuseeländer, die einen nicht nur beim Trampen mitnehmen, sondern gleich zu sich nach Hause einladen.

Wem möchten Sie nie wieder begegnen?

Den beiden Grizzlybären - vermutlich Mutter und Kind - in den Wrangell Mountains, Alaska. Durch Nebel und Niesel bemerkten wir einander erst, als uns nur noch 20 Meter trennten. Doch freundlicherweise beließen es die beiden bei ein paar müden Drohgebärden und zogen dann ab. Der Buschpilot, der uns wenig später in die Zivilisation zurückbrachte, konstatierte trocken: "You guys got lucky!"

In welcher früheren Epoche wären Sie gern gereist?

Probeweise in jeder. Vorausgesetzt, es gibt einen Not-Aus-Knopf, bevor es lebensbedrohlich wird ...

Welche historische oder zeitgenössische Person würden Sie gern treffen?

Walther von der Vogelweide (etwa 1170-1230), der nicht nur in einer spannenden Epoche lebte. Von dem könnte ich sicher auch ein paar Tricks in Sachen Selbstvermarktung als Musiker lernen.

Bei welcher Expedition wären Sie gern dabei gewesen?

Mit Robert Peary 1908/1909 am Nordpol. Nur um zu sehen, ob er wirklich dort war.

Was ist für Sie der schönste Platz?

Wo der Langadale River von Süden her in den Loch Langavat (Isle of Harris, GB) fließt. Dort habe ich auf meinem ersten Solotrip als 16-Jähriger kampiert, lange in die Abendsonne geglotzt, die sich auf dem See spiegelte und mich schließlich vom Gemurmel des Baches in den Schlaf singen lassen. Leider wurde während der Nacht aufgrund nicht endenwollenden Regens ein stattliches Rauschen daraus, das mir beinah das Zelt weggespült hätte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Welches sind Ihre Lieblingsorte?

McCarthy (Alaska, USA) hatte vor 100 Jahren noch einige Tausend Einwohner, zwischendurch keinen und nach dem letzten Zensus wieder 42: eine wiedererstandene Geisterstadt. Mergoscia (Tessin, Schweiz) ist der geografische Mittelpunkt des Kantons und mein zweiter Lebensmittelpunkt nach Hamburg, an dem ich schon als Kleinkind die Liebe zu den Bergen kennen gelernt habe.

Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

Mit einem Eimer Wandfarbe im Kinderzimmer meiner Tochter.

Ihre liebste Urlaubsunterhaltung?

Land- und Speisekarten studieren.

Ihr Rat an alle Reisenden?

Auf trockene Socken achten.

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Martin Verg, GEO-Redakteur, Rucksacktourist, nicht erpicht auf weitere Begegnungen mit Grizzlybären