Twin Oaks: eine 100 köpfige Gemeinschaft teilt ihr Wohnzimmer, ihr Einkommen, ihr Leben

Für die neue GEO-Ausgabe zum Titelthema "Gerechtigkeit" hat ein GEO-Fotograf eine Hippie-Kommune in den USA besucht
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Die ideale Gemeinschaft: Nachnamen waren in Twin Oaks unwichtig

Der amerikanische Fotograf Aaron Cohen kam vor sechs Jahren nach Twin Oaks, eine Kommune im Bundesstaat Virginia, ca. 150 km südlich von Washington D.C., um herauszufinden, was passiert, wenn Menschen, die von unserer Gesellschaft desillusioniert sind, beschließen, eine Alternative dazu zu gründen und ihren Idealismus in die Praxis umsetzen.

Die größte Überraschung für Cohen war die Erkenntnis, wie viele junge Leute sich für diese alternative Lebensform entschieden hatten. Er selbst war damals 29 und dachte dachte, dass die Kommunarden viel abgeschotteter, altmodischer und eben älter seien. Er hatte sich Männer mit weißen Bärten in "Grateful Dead" T-Shirts vorgestellt.

Cohen hatte sich immer schon für Subkulturen interessiert und während des Studiums der Vergleichenden Literaturwissenschaften und Englisch an der Columbia University ein besonders Interesse für Utopien entwickelt. Nun wollte er eine verwirklichte Utopie porträtieren. Nach intensiver Recherche fiel seine Wahl auf Twin Oaks. Auf diese Kommune, vor gut 40 Jahren gegründet, trafen all seine Kriterien zu: Er hoffte auf eine relativ große, erfolgreiche ländliche Gemeinschaft, deren Mitglieder durch die gleichen Werte und Ideale zusammengehalten werden - und nicht durch ihre Religion oder durch familiäre Bindungen. Twin Oaks ist sekular, legt Wert auf Vielfalt, Gleichheit und einen gewaltfreien, umweltverträglichen Lebensstil. Das Profil zog Cohen an und er war neugierig herauszufinden, wie erfolgreich sie bei der Umsetzung der Ziele sind.

Und so begann Cohen im Sommer 2001 das Projekt "Twin Oaks". Sein zweiter Besuch erfolgte fast ein Jahr später, als er das Ein-Jahres-Pogramm für Fotojournalismus am angesehen International Center of Photography in New York absolvierte. Seitdem lässt ihn Twin Oaks nicht mehr richtig los. Er versucht drei Besuche im Jahr zu machen und bleibt jeweils für je sieben bis zehn Tage.

Bei seinem ersten Besuch hat Cohen zunächst nicht fotografiert, sondern mit Leuten geredet und bei der Feldarbeit mitgeholfen. Das brachte ihm Freunde und Vertrauen. Im Laufe der Jahre gelang es ihm immer intime Momente dieser anderen Form des Zusammenlebens einzufangen. Man spürt in seinen Bildern eine große Nähe und das tiefe Vertrauen, das die Menschen ihm entgegen bringen. Twin Oaks ist inzwischen ein Teil von Cohens Leben geworden und, wenn nichts dazwischen kommt, plant er mindestens noch zehn weitere Jahre dort zu fotografieren. Denn 2017 wird die Kommune 50 Jahre alt.

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Eine Maifeier in Twin Oaks

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