"Im Norden Australiens habe ich Mangrovenwürmer gegessen"

Diesmal füllte Dirk Lehmann, 46, unseren Fragebogen aus. Er ist Redakteur bei GEO SAISON

Was darf in Ihrem Koffer nie fehlen?

High-Tech-Kleidung. Ich habe in meinem Rucksack immer ein Funktionshemd dabei, das sich abends leicht auswaschen lässt und am nächsten Morgen wieder trocken ist. Inzwischen verfüge ich schon fast über eine High-Tech-Garderobe und reise mit wenig Gepäck. Das hat sich in Grönland ebenso bewährt wie in Australien.

Was verabscheuen Sie auf Reisen?

Auf Interviewpartner zu warten, die nicht kommen.

Was war Ihr ungewöhnlichstes Fortbewegungsmittel?

"Sir Wobbles". Für unsere aktuelle Australien-Titelgeschichte bin ich auf ihm in der südlichen Simpson Desert geritten. Sir Wobbles ist ein Dromedar und kann sehr eigenwillig sein.

Wo verbrachten Sie Ihre unbequemste Nacht?

Auf einem offenen polynesischen Segelkanu, rund 100 Kilometer vor der Küste von Oahu, Hawaii. Ein Gewitter war aufgezogen, es stürmte und regnete in Strömen. Wir hatten alle ein wenig Angst und waren wirklich glücklich, als am nächsten Morgen die Skyline Waikikis zu sehen war. Dabei ist das eigentlich die hässlichste Stadt Hawaiis.

Was war die merkwürdigste Mahlzeit auf Reisen?

Im Norden Australiens habe ich Mangrovenwürmer gegessen. Die Aborigines schwören auf diesen leicht glibbrigen und recht salzigen Snack. Ich konnte nach dem zweiten überzeugend darlegen, dass ich satt war.

In welcher Situation hatten Sie die größte Angst?

Als am Flugzeug, in dem ich gerade zur Startbahn rollte, mit einem infernalischen Krachen ein Triebwerk kaputt ging. Da stellte ich mir die Frage: Was wäre aus mir geworden, wenn diese Panne nur wenige Sekunden später beim Start passiert wäre? Noch größer war die Angst, als ich drei Stunden später, nach erfolgreicher Reparatur, wieder in derselben Maschine saß.

Was war für Sie auf Reisen der überwältigendste Moment?

Ein später Abend auf einem Postschiff in der Barentssee, als mit einem Mal am Himmel das Polarlicht erstrahlte.

Welchen Menschen würden Sie gerne wieder sehen?

Die Familie im grönländischen Ilulissat, die mich zum Essen eingeladen hat und mit mir ein Festmahl teilte - Robbenleber.

Wem möchten Sie nie wieder begegnen?

Den handtellergroßen Spinnen, die nachts in der australischen Kimberley-Region auf meinem Zelt saßen und mich daran hinderten, aufs Klo zu gehen.

Bei welcher Expedition wären Sie gerne dabei?

Ich würde gern an der Radtour von Athen nach Peking teilnehmen, die in diesen Tagen startet. Allerdings befürchte ich, dass mich mein Chef nicht auf eine 175 Tage währende Dienstreise schicken wird.

Welches kulturelle Missverständnis ist Ihnen heute noch peinlich?

Als ich auf Mauritius die Sauna eines Hotels so betrat, wie man hier in die Sauna geht. Allerdings war ich der einzige Nackte, und mein Anblick sorgte für gehörige Aufregung.

Welches sind Ihre Lieblingsstädte?

Sydney ist es.

Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

In Südtirol.

Ihre liebste Urlaubsunterhaltung?

In die Ferien nehme ich immer mein Rennrad mit und plane gern und lang die Routen für meine Ausfahrten. Und finde es großartig, wenn alles anders kommt als vorgesehen.

Ihr Rat an alle Reisenden?

Reisen Sie spontan.

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In GEO SAISON 11/07 "Australien" berichtet Redakteur Dirk Lehmann vom "Kontinent der Abenteurer" - so lautet die Titelgeschichte der neuesten Ausgabe, in der 50 unvergessliche Australien-Trips vorgestellt werden. Sie führen zum Beispiel auf eine Ranch weit draußen im Outback, tief hinein in die Aborigine-Kultur, per Kamel in die endlose Weite der Simpson Desert, in eine Regenwald-Lodge, zu neugierigen Delfinen - jedenfalls aber weit fort aus unserem deutschen Alltag.

GEO SAISON 11/07 erscheint 24. Oktober im Handel.