"360° - GEO Reportage" auf arte

Der lange Weg des Zoltan Török, einen guten Film über Otter in Ungarn zu machen
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Ich dachte, dass dies das einfachste Projekt meiner bisherigen Laufbahn werden würde - ein Natur- und Porträtfilm in meiner Heimat Ungarn. Als Naturfilmer bin ich es gewohnt, mit einer riesigen Ausrüstung an die entlegensten Orte dieser Welt zu reisen. Im Vergleich dazu erschien es mir simpel, einfach ins Auto zu springen, zu einem bekannten Ort in der Nähe zu fahren und dort zu drehen. Außerdem hatte ich diesmal viel Zeit, immerhin mehr als ein halbes Jahr.

Nun, ich hätte nicht falscher liegen können...

Schon der Start schien eine Art Warnung zu sein. Der Film sollte die Geschichte eines Mannes erzählen, der die Otter vor dem Aussterben in Ungarn bewahrt. Der Winter ist für ihn die beste Zeit, um die scheuen Tiere aufzuspüren. Unsere erste Szene planten wir in einer pittoresk verschneiten Landschaft, in der unser Protagonist nach frischen Otterspuren im Schnee suchen sollte. Unglücklicherweise wurde dies der wärmste Winter seit 120 Jahren! Es gab nicht eine einzige Schneeflocke!

Im März, als noch immer keine Schneewolken am Himmel zu entdecken waren, beschloss ich, nicht mehr länger zu warten - und machte mich daran, das Drehbuch umzuschreiben.

Denn es gab noch ein weiteres Problem: Ursprünglich wollten wir die Geschichte eines verwaisten Otterjungen erzählen, welchen wir während des restlichen Jahres begleitet hätten. Bis unser Protagonist das Tier wieder in der Wildnis aussetzt. Normalerweise findet er mindestens ein Dutzend solcher verwaisten Jungtiere im Winter.

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Aber in dieser Zeit fiel die Temperatur kein einziges Mal unter Null. Irgendwann gab es aber doch gute Nachrichten! - allerdings nur für uns Filmemacher, nicht für eine Otterfamilie. Wanderer fanden ein kleines Otterjunges, das sie zu einem Zoo auf dem Land brachten.

Wir bereiteten gerade die ersten Aufnahmen vor, als das Junge in einen anderen Otterpark verlegt wurde. Eine Frau, die bisher noch nie einen Otter aufgezogen hatte, wurde dort seine Ziehmutter. Wieder schrieb ich das Drehbuch um...

Schließlich wurde die Frau neben unserem "Otter-Mann" zur zweiten Protagonistin des Films. Gerade am Anfang haben sich die beiden überhaupt nicht gut verstanden. Sie hatten völlig unterschiedliche Ansichten zur Aufzucht von Wildtieren - eine Qual für den Filmregisseur. Aber eigentlich ein gutes Element für die Geschichte.

Dann kam ein weiterer schwieriger Moment, als es plötzlich danach aussah, als ob das Otterjunge sterben würde. Das war zuviel für mich. Ich ging in eine Kneipe auf dem Land und fing bei einem Glas Rotwein an, über das Filmemachen und die Möglichkeiten nachzudenken, mir eine andere Arbeit zu suchen.

Aber wie eines der Mitglieder aus dem Produktionsteam bemerkte: "Nach jedem Regen scheint auch wieder die Sonne." Und da war sie!

Es wurde schließlich ein wundervoller Dreh, durch den ich eine Menge über die Menschen meiner Heimat gelernt habe... und auch über die Vielschichtigkeit ihrer Beziehungen untereinander. Außerdem muss ich zugeben, dass das Otterjunge Viki die süßeste Kreatur ist, die ich je gefilmt habe.

Und was ist schließlich aus ihm geworden? Nun, denken Sie nicht, dass ein Regisseur vorzeitig das Ende seines Films verrät! Das müssen Sie sich schon selber anschauen.

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Die 360° - GEO Reportage "Der Otter-Mann von Ungarn wird am 10. November 2007 um 21.35 Uhr auf arte gezeigt.