"Auf einer schlecht gelaunten, schwangeren Stute..."

Wie reisen Sie, Herr Nielsen? Der neue Chefredakteur von GEO SAISON über Steine am Strand, Selbstbewusstsein auf Reisen und Ausritte zwischen Holland und Kirgisien

Was darf in Ihrem Gepäck nie fehlen?

Lars Nielsen: Leider: Ein kolossales Knäuel mit den verwirrten Kabeln diverser daran hängender Aufladegeräte. Fürs Handy, für die Kamera, das Notebook, den Blackberry.... Kann mir mal jemand sagen, warum es für all das nicht ein Universalgerät gibt? Oder gibt es das schon??

Was verabscheuen Sie auf Reisen?

Für fast nichts auf der Welt, stehe ich gern Schlange. Egal ob Auto- oder Menschenschlange. Bin ich allein unterwegs, entdecke ich dann immer die Freuden des Verzichts ("Och, in dem Museum hängen ja doch nur so alte Bilder, und hey! ist da drüben nicht eine Super-Eisdiele?"). In Begleitung reiße ich mich dann immer ganz doll zusammen. Was man mir leider nicht anmerkt.

Was sind Ihre liebsten Erinnerungsstücke?

Steine. Ich habe so eine komische Marotte, an jedem Strand, Flussufer oder Berghang nach einer bestimmten Sorte zu suchen – oval, gut in meine Hand passend, schön gemasert. Ist nicht gut fürs Gepäck-Gewicht. Und meine Frau hält mich in der Hinsicht für etwas seltsam.

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Lars Nielsen ist seit dem 1. Januar 2008 neuer Chefredakteur von GEO SAISON

Was war Ihr ungewöhnlichstes Fortbewegungsmittel?

Eine schlecht gelaunte, schwangere Stute an einem holländischen Strand. Es war mein einziger Ritt überhaupt, ich redete ständig beruhigend auf das Tier ein, weil ich fürchtete, es würde jede Sekunde durchgehen. Und im Kopf hatte ich immer den Merksatz meines Opas: "Das Pferd ist der Feind des Seemanns und trachtet ihm nach dem Leben!" Er war Kapitän. Da ich aber Wassermann bin, fühlte ich mich auch betroffen.

Was war für Sie auf Reisen der überwältigendste Augenblick?

Unterwegs bin ich andauernd überwältigt. Meistens kommen Berge dabei vor. Das Panorama der Lofoten vom Schiff aus, der Ausbruch des Vulkans auf Montserrat, das Panorama von Tofino auf Vancouver Island... Aber besonders beeindruckend war ein menschenleeres Tal in Kirgistan. Es sah aus wie in den Schweizer Alpen. Nur ohne Dörfer, Lifte, Schweizer. Wie soeben vom Lieben Gott geschaffen.

Welchen Menschen möchten Sie gerne einmal wieder sehen?

Einen Bettler, den ich mal in Eile und aus Unachtsamkeit vor einer Kirche in Italien habe stehen lassen. Als ich wieder heraus kam, war er weg. Seine Bitte verfolgt mich bis heute.

Wem möchten Sie nie wieder begegnen?

Den Leuten, die einem an der innerdeutschen Grenze das Auto zerpflückten und dabei das Gefühl vermittelten, man wolle wohl den Ostblock im Alleingang gefährden. Dabei wollte man doch nur Freunde besuchen. Was für ein Schwachsinn.

In welcher Situation hatten Sie die größte Angst?

Bei der Geburt meiner Kinder.

Welche historische oder zeitgenössische Person würden Sie gerne einmal treffen?

Oh je, es sind so viele. Aber gut, drei spontane: 1. Mandela. Ist nicht originell, aber wie kommt man aus so langer Haft als so ungebrochener Mensch? 2. Maghellan. Was treibt einen so entschlossen ins Ungewisse? Ist es nur Ruhmsucht? 3. Henri Nannen. Bitte verrate mir ein paar Kniffe!

Bei welcher Expedition wären Sie gern dabei gewesen?

Bei der Mondlandung!

Was ist für Sie persönlich der schönste Platz auf Erden?

Als Reiseziel: Ein hübsches, kleines Schloss irgendwo südöstlich von Florenz. Steige ich dort aus dem Auto, habe ich unmittelbar Endorphin-Blubbern in den Adern. Wir haben da geheiratet.

Welches ist Ihr Lieblingsland, Ihre Lieblingsstadt?

Ich finde ja, Deutschland wird unterschätzt. Abgesehen davon gehöre ich auch zur Italien-Fraktion. Schade ist, dass man den Kaffee nun nicht mehr in Lire bezahlt. Das fehlt schon irgendwie. Und als Stadt: London! Allerdings würde ich angesichts des Pfund-Kurses auch gern dort in Lire zahlen wollen.

Wo verbringen Sie ihren nächsten Urlaub?

Den kleinen zu Pfingsten auf Rügen. Und die Sommerferien in der Provence.

Ihre liebste Reiselektüre?

Alles, was ich über´s Jahr nicht geschafft habe. In Verbindung mit meinem Stein-Tick bleibt da theoretisch kaum Platz für Kleidung.

Ihr Rat an alle Reisenden?

Meine Erfahrung ist, dass man mit Höflichkeit, Offenheit und Neugier erstaunlich weit kommt. Und bei Idioten wirkt Selbstbewusstsein manchmal Wunder.