Insider mit Tarnkappe

Der Frankreich-Experte und langjährige GEO SAISON-Korrespondent Klaus Simon verrät im Interview, wie er "Das Beste der Provence" fand - mit guter Vorbereitung und gezieltem laisser faire

Lassen sich in der viel bereisten Provence noch Entdeckungen machen?

Und ob. Um sie aufzutun, lautet für mich die wichtigste Regel: möglichst oft hinreisen! Ich verbringe dort jedes Jahr bis zu acht Wochen. Zudem telefoniere ich oft mit Freunden und Informanten und erhalte viele Emails. So erfahre ich von neuen Hotels, Restaurants oder etwa von einem bekannte Winzer, der auf Koch umsattelt - was in Frankreich nicht selten ist: Dort wechselt man häufiger als in Deutschland die Profession.

Wie filtert man aus all dem "Das Beste der Provence" heraus, wie es GEO SAISON in der aktuellen Ausgabe präsentiert?

Das ist im wahrsten Sinne Erfahrungssache: Ich schaue mir alles selbst an. Wenn ich ein Hotel vorstelle, habe ich darin geschlafen, in einem Restaurant gegessen - was ich zum Glück leidenschaftlich gerne mache. Das Internet kann die persönliche Erfahrung nicht ersetzen.

Sie stellen unter anderem eine "Dorf-Schönheit vom Lande" und einen "Koch-Star aus der Provinz" vor - warum genau diese, wo es doch im Süden Frankreichs viele Dörfer und viele Köche gibt?

Bei beidem war die Unverfälschtheit entscheidend. Das kleine, charmante Saint-Saturnin-lès-Apt im Luberon ist toll gelegen, mit Blick über weites Land und schöne Natur. Und die Bewohner verteidigen ihr Dorf als Bastion gegen den Massentourismus. Kurz: Dort fand ich die Essenz provenzalischer Lebensart. Wie auch beim Sterne-Koch Marc Haye in Ampus, der eine außergewöhnliche Küche pflegt und in seinem "Fontaine d'Ampus" dennoch die Atmosphäre eines Dorfgasthofes bewahrt. Es war übrigens gar nicht leicht, mit der Kamera bis in seine Küche zu kommen. Er ist ein Star wider Willen. Wir mussten schon sehr viel Charme aufbringen.

Aber wenn Sie als Journalist auftreten, dann ist die Unverfälschtheit doch rasch dahin.

Ich trage eine Art Tarnkappe, weil ich mit meinem Nachnamen und einem zum Glück akzentfreien Französisch praktisch als Einheimischer durchgehe. Ich gebe mich - erst einmal - weder als Deutscher noch als Journalist zu erkennen, setze mich in Cafés und Bars und komme so mit den Leuten ins Gespräch. In Saint-Saturnin-lès-Apt zum Beispiel mit Arnaud Bonnechère, einem ehemaligen Weinhändler. Über ihn lernten der Fotograf Frank Siemers und ich schließlich das Dorf kennen.

Und wie steht es mit Enttäuschungen?

Natürlich geht immer etwas schief. Ein Tiefpunkt war etwa der Besuch in einer glühend empfohlenen "Ferme-Auberge", wo Bauern die Erzeugnisse ihres Hofes servieren. Angeblich ein Geheimtipp, ich jedenfalls kannte die Auberge noch nicht. Als wir ankamen, stieg gerade ein Busladung Touristen aus, denen die Familie mit der Mundharmonika Pseudo-Folklore vorführte. Und auch das Wetter kann einem viel verhageln: Auf einem Foto in GEO SAISON sieht man mich bei Sonnenschein im Kanu. Aber es war nur eine Regenpause. Ich kam von der Tour klatschnass und frierend zurück - und habe sehr geschimpft. Der Fotograf fluchte allerdings noch mehr.

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Klaus Simon mit Hund

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