Der Meister des Verborgenen

Wie visualisiert man das Unsichtbare? Wie gar die Naturkonstanten, die unsere Welt zusammenhalten - und doch völlig ungreifbar sind. Indem man einen Künstler beauftragt, der vor allem für eines bekannt ist: trockensten Humor

Ein kosmisches schwarzes Loch? Wird zu einer Art Abfalleimer in einem Baumstamm, in den ein Wissenschaftler Wecker, Lineale und einen Mini-Globus fegt. Die Jagd nach den Geheimnissen des Weltalls? Wird zu einer skurrilen Szene, in der ein Jäger die Flinte auf das Himmelszelt anlegt. Und die String-Theorie, das komplizierteste Denkstück der Physik, wird zu einem heiteren Spiel mit Haushaltsgummis - bei dem sich der Spieler ernstlich verletzen kann, wie Pflaster auf Stirn und Kinn bezeugen.

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Von der Skizze zum fertigen Bild: Teun Hocks ...

Der niederländische Künstler Teun Hocks versteht es, noch die abstraktesten Themen zu erden und noch den größten Fragen mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Daher entschied sich GEO-Bildredakteur Bernd Dinkel, den Künstler um seine Deutungen zum Titelthema der jüngsten GEO-Ausgabe zu bitten: den "Naturkonstanten".

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... als hintergründig inszenierter ...

Das sind jene mysteriösen Ur-Kräfte, die das Universum zusammenhalten - und von denen doch kein Physiker sagen könnte, warum sie genauso wirken, wie sie es tun, und worin denn eigentlich ihr "Wesen" bestünde. Zusätzliche Rätsel werfen neueste - allerdings umstrittene - Forschungen auf, die, sollten sie bestätigt werden, das Weltbild der Moderne erschüttern dürften. Demnach sind die Konstanten nicht konstant, sondern verändern sich im Laufe der Jahrmilliarden - zwar nur um eine Winzigkeit, die aber dennoch ausreicht, um an der Grundlage der modernen Physik zu nagen: an der Überzeugung, dass das Universum zu allen Zeiten und an allen Orten von den genau gleichen Kräften beherrscht wird.

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... String-Theoretiker

Teun Hocks hat sich diesen gewaltigen Fragen mit der ihm typischen Akribie genähert. Denn was als leichtes Spiel erscheint, verlangt nach Wochen intensiver Arbeit. Die ersten Ideen hält Hocks in cartoon-ähnlichen Zeichnungen fest. Dann malt er die lebensgroße Kulisse seiner Bilder mit Ölfarben, stattet die Szenen mit Requisiten und sich selbst mit Kostümen aus, um schließlich in diesen Kunst-Welten zu posieren: mal als sinnierender Denker, mal als Forscher-Zwillinge, von denen der eine wegradiert, was der andere aufschreibt.

Diese Ein-Mann-Shows fotografiert er mit einer alten Großbildkamera und vergrößert die Bilder ins Riesige. Früher übermalte der Künstler diese Schwarz-Weiß-Fotos mit weichen, halbtransparenten Ölfarben, um ihnen die Anmutung alter, handkolorierter Aufnahmen zu geben. Heute scannt er sie ein und bearbeitet sie digital am Computer.

So entstehen, zwischen Raffinesse und Naivität, Werke voll hintergründigen Humors, eine Fusion aus Theater, Malerei, Performance und Fotografie, die große Geschichten in pointierte Bilder komprimiert. Auch die großen Fragen rund um die Naturkonstanten.