Meister von morgen

Wie werden wir in Zukunft auf und in die Welt schauen? Wer liefert uns die Bilder einer zunehmend vielschichtigen Realität? Das erste "Lumix Festival für jungen Fotojournalismus" in Hannover gab, unter Beteiligung von GEO, Antworten
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Begehrte Worte: die GEO-Vortragsreihe auf dem "Festival für jungen Fotojournalismus" in Hannover

Mehrere hundert Nachwuchsfotografen und interessierte Laien drängten sich in den Hörsaal-Bänken des Design Centers der Fachhochschule Hannover. Länger als eine Stunde lauschten sie dem, was Mitglieder der GEO-Bildredaktion über Qualitätskriterien in der Fotografie und über den Arbeitsalltag zu berichten hatten: Wie kommen Fotoreportagen ins Heft? Was zeichnet gute Reisefotografie aus? Wie produziert man Fotos für Kinder?

Markus Seewald (GEO), Anja Jöckel (GEO Saison) und Berit Brandes (GEOlino) informierten nicht nur über die Bildphilosophie von GEO, sie gaben auch Praxistipps. Auf die Frage, wie man sich als erwachsener Fotograf die Sichtweise von Kindern aneignen könne, riet etwa Berit Brandes: "Gehen Sie beim Fotografieren in die Hocke! Das übt den Blick ungemein."

Vier Tage dauerte das erste "Lumix Festival für jungen Fotojournalismus". Veranstalter waren der Fotografie-Professor Rolf Nobel und seine Studenten sowie die Fotojournalisten-Vereinigung "FreeLens". 12 000 Besucher, weit mehr als erwartet, folgten der Premiereneinladung und drängten, staunten, fachsimpelten im futuristischen Ambiente früherer Expo-Gebäude. Stets umringt der Kern des Festivals: 60 erstklassige Fotoreportagen von Nachwuchstalenten aus aller Welt.

GEO-Bildchefin Ruth Eichhorn zählte zur fünfköpfigen Jury des erstmalig verliehenen FreeLens Award. Ihr Urteil nach der langwierigen Sichtung von insgesamt 437 eingereichten Portfolios: "In Hannover ist die Crème de la Crème des internationalen Fotojournalismus' vertreten."

Auch der Initiator Rolf Nobel äußerte sich hochzufrieden: "Mit unserer Veranstaltung möchten wir neue Begeisterung für die fotografische Erzählung wecken. Wir wollen junge Fotoreporter ermutigen, sich mit der gesellschaftlichen Realität auseinanderzusetzen. Der Erfolg des Festivals zeigt, dass der Fotojournalismus nach wie vor ein großes Publikum findet."

Den mit 5000 Euro dotierten 1. Preis des FreeLens Award erhielt die Amerikanerin Stephanie Sinclair mit ihrer Fotoreportage über Kinderbräute (erschienen in GEO Nr. 2/2008 und bei GEO.de). Mit "lobenswerten Erwähnungen" wurde Deutsche Christoph Bangert für eine Geschichte über den Irak bedacht und die US-Amerikanerin Krisanne Johnson für eine Arbeit über HIV-kranke Frauen im afrikanischen Swaziland. Der Panasonic-Publikumspreis ging an Lana Slezic für eine Reportage über die Lebensumstände afghanischer Frauen. Teilnehmer wie Besucher verließen Hannover hoch gestimmt - und mit Verabredungen zur Neuauflage des Festivals: im Sommer 2010.

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Stephanie Sinclair erhielt den ersten FreeLens Award für ihre Geschichte über Kinderbräute

Die Homepage des Festivals