Auf in den Kampf. Aber wo?

Bei der größten Schlacht des Mittelalters standen sich 400 000 Christen und Muslims gegenüber, sie besiegelte das Schicksal der Mauren auf der Iberischen Halbinsel - und ist heute völlig vergessen. GEOEpoche-Redakteur Cay Rademacher begab sich auf eine schwierige Suche

Es war die größte Schlacht des europäischen Mittelalters, vielleicht sogar die größte bis zum Ersten Weltkrieg - und sie entschied über den Weg eines zukünftigen Weltreiches: Wohl 200 000 spanische und französische Kreuzritter standen am 16. Juli 1212 in Spanien ungefähr ebenso vielen muslimischen Gotteskriegern gegenüber, die der maurische Kalif zum Dschihad gerufen hatte.

Die Heere trafen sich auf dem Schlachtfeld von Las Navas de Tolosa, südlich der Sierra Morena, die La Mancha von Andalusien trennt. Am Ende dieses Tages gab es kein muslimisches Heer mehr auf der Iberischen Halbinsel - und die Christen eroberten binnen weniger Jahre einen bedeutenden Teil Spaniens, der zuvor ein halbes Jahrtausend lang den Mauren unterstanden hatte.

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Sieg im Zeichen des Kreuzes: So stellte sich ein späterer Maler die Schlacht zwischen Christen und Mauren im Jahre 1212 vor

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Cay Rademacher, Geschäftsführender Redakteur von GEOEpoche

Cay Rademacher, Geschäftsführender Redakteur von GEOEpoche, sollte den folgenreichsten Kampf der Reconquista für das neue Heft "Als Spanien die Welt beherrschte" rekonstruieren - und wollte dafür auch das Schlachtfeld in Augenschein nehmen.

Man möchte meinen, dass ein epochales Ereignis wie dieses in Spanien mit Gedenktafeln, Denkmälern, Monumenten, mit irgendetwas ausgezeichnet ist. Doch Irrtum: Das Schlachtfeld in der andalusischen Provinz Jaén ist unmarkiert. Und fragt man Einheimische nach Las Navas de Tolosa, dann deuten die meisten vage in die Landschaft und antworten: "Die Schlacht fand überall statt." Tatsächlich gibt es in der Gegend sogar ein Dorf, das den berühmten Namen trägt - nur liegt es etwa 15 Kilometer vom historischen Ort entfernt.

Die Gründe für die Geringschätzung hat Rademacher nicht eruieren können (denn wie erfährt man von Menschen, warum sie vergessen haben was sie vergessen haben?). Aber schließlich gelang es ihm doch, im heutigen Nationalpark Despeñaperros an Andalusiens Nordgrenze jene Hügel zu finden, von dem aus die christlichen Ritter unter dem Banner des Kreuzes auf das Lager der Mauren zustürmten, wo der Kalif in einem Zelt aus blutroter Seide auf die Attacke wartete - geschützt von Tausenden Leibwächtern, die man am Boden angepflockt hatte, damit sie nicht fliehen konnten.

Rademachers Beitrag ist einer von rund zwei Dutzend, in denen GEOEpoche über den Aufstieg und den Niedergang jenes Staates berichtet, der zur ersten Weltmacht der Geschichte aufstieg.

GEOEpoche "Als Spanien die Welt beherrschte" hat 172 Seiten und kostet 8,50 Euro.