Ein Fotograf mit Mission

Seit acht Jahren begleitet der US-amerikanische Fotograf Stephen Ferry die Bergvölker der Sierra Nevada in Kolumbien. Aber er wollte mehr tun als nur ihre "Exotik" in guten Fotos festzuhalten: Ferry hat den Sierrabewohnern Digitalkameras, Computer und Software beschafft, damit sie das Bild ihrer Kultur in Zukunft selbst vermitteln können

Im Jahr 2001 habe ich erstmals den Auftrag bekommen, das Leben der Bergvölker Kogui, Wiwa und Arhuaco in der kolumbianischen Sierra Nevada de Santa Marta zu dokumentieren. (Eine vierte ethnische Gruppe der Region, die Kankuamo, hatte bereits zuvor ihre traditionelle Kultur vollständig aufgegeben).

Ein ganzes Jahr lang haben die Mamos, die geistigen Oberhäupter der Bergvölker, sich beraten, ob sie mir Einblick in ihre Welt gewähren sollten. Dann kam die Entscheidung. Ja, sie würden erstmals ihre Zurückhaltung aufgeben und einen Fremden willkommen heißen. Der Grund für diesen Sinneswandel: Sie wollten durch meine Fotos eine Botschaft senden. Die "Kleinen Brüder", wie sie alle anderen Menschen nennen, sollten erfahren, wie bedroht die Umwelt und die Kultur der Sierrabewohner sind.

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Auf dem Weg zur heiligen Lagune: 16 Pilger der Arhuaco, Wiwa und Kogui steigen hinauf ins Páramo. Zum ersten Mal nehmen sie Reporter mit zum "Herz der Welt"

Gruppenbild mit Kleinen Brüdern: Stephen Ferry (links) und GEO-Autor Roland Schulz (rechts) rasten gemeinsam mit Amado Villafana und dem Arhuaco-Geistlichen Mamo Kuncha

Als ich mit meiner Kamera in den Bergdörfern ankam, sprach mich Amado Villafaña an, ein einflussreicher Arhuaco. Er war dabei, einen Auftrag der Mamos auszuführen, und fragte mich, ob ich ihm dabei helfen könne: Villafaña sollte ein Dokumentarfilm-Team zusammenstellen - nur aus Einheimischen.

Ich war sofort bereit, ihn zu unterstützen. Ich half ihm Geld für eine professionelle Digitalkamera zu beschaffen, einen Mac G5 Computer und die nötige Software, um hochwertige Filme zu schneiden. Die Mamos wählten acht junge Männer aus, von denen keiner jemals zuvor auch nur ein Foto gemacht hatte. Wir organisierten Workshops, auf denen sie mit der Technik der "Kleinen Brüder" vertraut gemacht wurden.

Diese Gruppe ist bis heute unter Amado Villafañas Leitung zusammen. Sie betreibt jetzt den "Zhigoneshi Communications Center" und macht professionelle Dokumentarfilme über die ökologischen Probleme der Region. Außerdem nimmt sie bisweilen die Botschaften der Mamos auf, die sich sowohl an die Kolumbianer als auch an die westliche Welt richten.

Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, dass ethnische Gruppen mithilfe moderner Technologie ihre Geschicke ein Stückweit mehr in die eigenen Hände nehmen können, dass sie ihr Image in der Welt selber mitgestalten können - und dafür dann nicht mehr auf Ausländer angewiesen sind, die kurz vorbeikommen, um "mal die Indianer zu dokumentieren."

Langfristig soll das Zhigoneshi-Team um Unterstützung für einen großen Plan der Mamos werben: Sie wollen nicht-einheimischen Siedlern in der Sierra Nevada deren Grundstücke und Weideflächen abkaufen, um das Land dem Dschungel zurückzugeben. Als kollektives Eigentum der Bergvölker soll das Land damit auf immer unverkäuflich sein - und den verbliebenen Kogui, Wiwa und Arhuaco als sichere Heimat dienen.

Mehr Informationen unter: www.corazondelmundo.org/contenido/sierraEN.html

Wenn Sie für das Projekt spenden wollen: www.corazondelmundo.org/contenido/donacionesEN.html

E-Mail für direkte Rückfragen (bevorzugt auf spanisch): info@corazondelmundo.org