Pompeji Protokoll des Infernos

Vulkanforscher haben den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n.Chr. rekonstruiert - und das Sterben der Menschen in Pompeji und Herculaneum
Pompeji: Protokoll des Infernos
Die Ruinen in Pompeji (Italien)
In diesem Artikel
Die ersten Anzeichen
24. August 79 n. Chr., 4 - 13 Uhr
24. August 79 n. Chr., 15 - 16 Uhr
24. August 79 n. Chr., 24 Uhr

Die ersten Anzeichen

2000 Menschen kamen um, als der Vesuv im Sommer 79 n.Chr. explodierte. 18 000 Einwohnern gelang die Flucht aus Pompeji, dem römischen Städtchen, dessen Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Denn anders als etwa Herculaneum, das von Lava- und Schlammströmen völlig ausgelöscht wurde, blieben die Trümmer Pompejis unter einer meterhohen Ascheschicht bewahrt.

Auch die Toten. Sie wurden förmlich eingebacken, und nachdem die Asche erkaltet und die Leichen verwest waren, blieben Hohlräume, die später mit Gips ausgegossen wurden. Wer Pompeji heute besucht, sieht diese plastischen Gipsabdrücke erstickter Menschen und Tiere. Viele rühren ihre Betrachter an. Denn oftmals begegnet man Familien, die sich in Todesangst umklammern. Man sieht einen Hund, der bis zuletzt verzweifelt versucht hat, sich von seinem Pflock loszureißen.

Jetzt haben Vulkanforscher die Naturkatastrophe des Jahres 79 n.Chr. minutiös rekonstruiert. Lest hier das Protokoll:

22. bis 23. August 79 n. Chr.

Seit Anfang August bebt die Erde fast täglich. Wasserleitungen zerbrechen, an den Häusern bilden sich Risse. Der Vesuv selbst lässt nichts von seinem bevorstehenden Ausbruch ahnen. Zeichen hätten die Menschen damals aber auch nicht deuten können: Sie wussten gar nicht, dass sie auf einem Vulkan lebten und sie kannten keinen Vulkanausbruch aus eigener Anschauung.

Unter der Erdoberfläche aber bahnt sich die Katastrophe an: Große Magmamengen steigen aus dem Erdmantel in die Erdkruste unter dem Vesuv und füllen die Magmakammern. Der Druck auf den Pfropfen aus erstarrter Lava, der vom letzten Ausbruch oben im Schlot zurückgeblieben war, wächst und wächst.

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Das Forum von Pompeji. Als der Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ausbrach begrub er die italienische Stadt unter einer meterhohen Schicht aus Asche und Gestein. Die Existenz von Pompeji geriet in Vergessenheit. Erst 1600 Jahre später wurden die Ruinen zufällig entdeckt. Die Ausgrabungen dauern bis heute an.

24. August 79 n. Chr., 4 - 13 Uhr

In den frühen Morgenstunden beginnt der Untergang Pompejis. Das Magma ist inzwischen so hoch gestiegen, dass es grundwassergefüllte Bereiche im Vulkankegel erreicht. Der Kontakt des Wassers mit der glühenden Masse löst eine Wasserdampfexplosion aus, die den verstopften Schlot frei sprengt. Nun lastete kein Druck mehr auf dem Magma, die darin gelösten Gase dehnen sich schlagartig aus und reissen die Gesteinsschmelze in Fetzen.

Als Gas- und Aschewolke werden sie aus dem Schlot geschleudert. Der Himmel verdunkelt sich. Schon gegen 13 Uhr ist das Gebiet östlich des Vesuv von einer mehrere Zentimeter dicken, weissen Ascheschicht bedeckt.

24. August 79 n Chr., 14 Uhr

Bis zum Nachmittag hat sich über dem Schlot des Vesuv eine bis zu 30 Kilometer hohe, säulenartige Gas-Aschewolke gebildet, in der sich heftige Gewitter entladen. Der oberste Teil breitete sich nach allen Seiten aus und nimmt so die Form einer Pinienkrone an. Die Säule wird durch den Wind in südöstliche Richtung getrieben, dann fallen ihre einzelnen Bestandteile auf den Boden nieder und bilden in Pompeji und dem Nachbarort Oplontis eine Ablagerungsschicht von zwei bis drei Metern Höhe.

Plinius, der antike Augenzeuge, beschreibt nicht nur präzise die Form der Wolke, sondern auch die Gewitter in ihr: "Eine schaurige schwarze Wolke, kreuz und quer von feurigen Schlangenlinien durchzuckt, die sich in lange Flammengarben spalteten, Blitzen ähnlich, nur größer." Große Lavabomben, Lapilli und Bims hageln auf die Erde nieder.

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Die Bewohner von Pompeji wurden vom Ausbruch des Vulkans überrascht. Alles ging so schnell, dass kaum jemand fliehen konnte. Bei den Ausgrabungen fand man an den Stellen, wo die verschütteten Menschen lagen, Hohlräume in der gehärteten Asche. Die Hohlräume wurden mit Gips gefüllt. So entstanden diese Abbilder, die die letzten Momente der schutzsuchenden Menschen verewigen

24. August 79 n. Chr., 15 - 16 Uhr

Bestand der Ascheregen am Vormittag noch aus weißem Bims, so fällt am Nachmittag grauer Bims. Der Farbwechsel zeigt eine Änderung in der chemischen Zusammensetzung des Magmas und des Auswurfs an; die Säule wird instabil. Ihr partielles Zusammenfallen hat das Entstehen von giftigen Gaswolken und den ersten "pyroklastischen Strömen" zur Folge: Das sind Glutaschewolken, die mit hoher Geschwindigkeit an den Hängen des Vesuvs herabrasen und dann Herculaneum zerstören, dessen Einwohner zum größten Teil aber bereits geflohen sind. Das vom Vesuv weiter entfernte Pompeji wird nicht von diesen ersten Glutwolken erreicht, weshalb der größte Teil seiner Einwohner überlebt.

24. August 79 n. Chr., 17 - 24 Uhr

Bis zum späten Nachmittag lässt der Druck aus dem Schlot etwas nach. Weitere Teile der Gas-Aschewolke brechen zusammen. Neue pyroklastische Ströme rasen mit einer Temperatur von bis zu 500 Grad Celsius und mit über hundert Stundenkilometern über Herculaneum hinweg. Das Gebiet am Hafen wird nun überrollt, die Flüchtlinge in den Arkaden sterben. Selbst jene Flüchtlinge, die mit ihren Booten schon auf dem Meer sind, werden von der Todeswolke eingeholt.

24. August 79 n. Chr., 24 Uhr

Vom frühen Abend bis in die tiefe Nacht weicht die erste explosive Phase einem intensiven Ascheregen. Auch heißer Schlamm fliegt nun aus dem Schlot. Aus den in die Luft geschleuderten Fetzen werden im Flug kleine Kügelchen - Pisolithe -, die dann auf Pompeji niederprasseln. Aus dem Krater ausfließende mächtige Schlammströme gelangen nun ebenfalls in die Stadt, die bereits unter einer meterdicken Ascheschicht liegt.

Viele Häuser sind eingestürzt, andere fast vollständig verschüttet. Die Luft ist trocken und heiß und so von feinem Staub erfüllt, dass viele Menschen allein beim Luftholen qualvoll ersticken. Die noch Lebenden sehen voller Angst der Nacht entgegen.

Venus von Pompeji in Italien
Im Venustempel von Pompeji: Wandmalerei der Liebesgöttin

25. August 79 n. Chr., 1 - 10 Uhr

Kurz nach Mitternacht erschüttert ein neues Erdbeben Pompeji. Gebäude, die bis jetzt standgehalten haben und ein letzter Zufluchtsort gewesen sind, stürzen ein. Die Menschen darin werden von den Trümmern erschlagen. Als der Morgen graut, hat die Eruptionstätigkeit nachgelassen. Die letzten Überlebenden kriechen aus ihren Verstecken und versuchen aus Pompeji herauszukommen.

Doch immer wieder rasen pyroklastische Ströme mit orkanartiger Geschwindigkeit die Hänge des Vesuvs herab. Sie verwüsten die Region im Umkreis von 15 Kilometern um den Vulkan endgültig. Alles Leben erlischt. Während des 25. August lassen die Explosionen nach, am Abend hören sie vollständig auf. Asche und Bimsstein bedecken nun ein großes Gebiet.

Die starken Regenfälle, die durch das Aufsteigen gewaltiger Mengen von Wasserdampf in die Atmosphäre hervorgerufen werden, verbinden dieses Material zu dichten Schlammströmen, die nun durch die Täler an den Hängen des Vulkans herabstürzen und weitere Verwüstungen anrichten. Innerhalb eines Tages und einer Nacht ist aus einer blühenden Landschaft eine leblose Wüste geworden.

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