Tierlexikon Muränen - die "Schrecken der Meere"

Muränen sind als bösartige Giftfische verschrien und oft ein Schrecken für Taucher. Auch ihr Aussehen weckt nicht gerade Sympathien. Lest hier, warum es sich trotzdem lohnt, die aalartigen Fische näher kennen zu lernen
In diesem Artikel
Muränen im Korallenriff
Kurzsichtige Jäger
Fischdelikatessen bei den Römern
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Eine Weißmaulmuräne lauert in ihrer Höhle in einem Korallenriff vor Hawaii.

Muränen im Korallenriff

Korallenriffe mit ihrer bunten Fisch- und Pflanzenwelt sind beliebte Tauchreviere für Sporttaucher. Es ist spannend und faszinierend die unbekannte Unterwasserwelt zu erforschen - doch allzu Neugierige sollten vorsichtig sein. Wer mit den Händen unvorsichtig Spalten und Höhlen erkundet, kann schnell Bekanntschaft mit einem typischen Bewohner des Korallenriffs machen. Zwar greifen Muränen im freien Wasser kaum an, doch können sie es gar nicht leiden, wenn jemand sie in ihren gemütlichen Behausungen überrascht.

Muränen können giftig sein

In die Enge getrieben, schießen sie wie ein Torpedo aus ihrem Versteck hervor. Den unvorsichtigen Unterwassertouristen erwartet ein schmerzhafter Biss. Die Raubfische haben ein kräftiges Gebiss mit spitzen Zähnen, das schlimme Wunden verursacht. Einige Muränenarten sind außerdem giftig: Ihre Giftdrüsen sitzen in der Mundschleimhaut hinter den Hakenzähnen und entleeren sich bei einem Biss direkt in die Wunde.

Keine Angst: Die will nur atmen

Kein Wunder also, dass Muränen bei Tauchern einen nicht besonders guten Ruf haben und Begegnungen mit ihnen schon mal Gänsehaut verursachen. Sehr freundlich sehen sie ja auch nicht aus, wenn sie da aus ihren Höhlen lugen und ihr Maul langsam öffnen und schließen. Was wie eine Drohgebärde aussieht, ist aber nur die regelmäßigen Atembewegung einer Muräne. Eine Muräne, die sich bedroht fühlt, weicht dagegen ein Stück zurück und reißt das Maul weit auf. In dieser Stellung verharrt sie, bis sie merkt, dass keine Gefahr mehr droht.

Kurzsichtige Jäger

Werden Muränen nicht belästigt, sind sie sogar sehr ruhige und scheue Tiere. Sie liegen den ganzen Tag gemütlich in ihrer Nische auf der Lauer und warten, bis ein Beutetier vorbeigeschwommen kommt. Dann wird blitzschnell zugeschlagen. Am liebsten fressen Muränen kleine Fische, Krebse und Kraken. Bei der Jagd hilft den Raubfischen ihre gute Nase und ihr gutes Hörvermögen. Die Augen sind dagegen eher nutzlos, alle Muränen sind stark kurzsichtig.

Nur nachts wagen Muränen sich aus ihren Stammhöhlen. Dann gehen sie auch mal frei schwimmend auf die Jagd, halten sich jedoch immer in der Nähe ihrer Korallen und des Meeresbodens auf.

Kleine Fische und kapitale Brocken

So vorsichtig müssten die länglichen Fische gar nicht sein. Sehr viele natürliche Feinde haben sie nicht. Nur Zackenbarsche und andere Muränen könnten gefährlich werden. Dass Muränen sich vor manchen ihrer Artgenossen in Acht nehmen, ist dabei kein Wunder. Einige Arten werden nicht mal so lang wie ein Tafellineal, während Riesenmuränen es auf eine Länge von mehr als drei Metern bringen.

Fischdelikatessen bei den Römern

Muränen leben nur dort wo es schön warm ist, im Mittelmeer oder im Indischen Ozean zum Beispiel. Auch im Sommerurlaub in Italien könnt ihr Muränen begegnen, dort lebt nämlich die Mittelmeermuräne. Diese Tiere können bis zu eineinhalb Meter lang und sechs Kilogramm schwer werden. Im alten Rom mästeten die Menschen Muränen als Speisefische, die Raubfische galten als echte Delikatesse. Damit sich die Menschen an dieser Fischspeise nicht vergifteten, mussten Muränen bei hohen Temperaturen zubereitet werden. Nur dadurch wurde das Gift in Blut, Haut und Giftdrüsen der Mittelmeermuräne unwirksam.

Entscheide dich doch mal!

Neben den Mittelmeermuränen gibt es noch 99 andere Muränenarten. Einige von ihnen sind äußerst unentschlossene Zeitgenossen. Die Nasenmuräne zum Beispiel hat große Probleme sich mal für eine Farbe oder gar ein Geschlecht zu entscheiden. Aus dem Ei schlüpft eine kleine Nasenmuräne als Junge, ihr Körper ist ganz schwarz mit einem knallgelben Flossensaum. Wenn der Muränen-Junge älter wird wechselt er die Farbe zu Stahlblau. Und noch einige Zeit später hat das Männchen keine Lust mehr ein Männchen zu sein: Es wird ganz einfach zum Weibchen, zieht sich komplett gelb an und fängt an Eier zu legen. Aus denen werden dann wieder schwarze Jungen schlüpfen. Ganz schön wankelmütig, so eine Muräne.

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