Vögel Pelikane - tollkühne Jäger der Lüfte

Stummelfüße, krummer Hals – und am Schnabel hängt eine Art Blasebalg: Auf den ersten Blick wirken Braune Pelikane wie ein Witz der Natur. Doch wenn sie erst in der Luft sind, verwandeln sich die Vögel in tollkühne Jäger
e9e120c2e14ac082006e687813e31cdf

Der Braune Pelikan ist die häufigste und kleinste der sieben Pelikanarten

Da unten im Wasser – ist das ein Schwarm Sardinen? Sieht ganz so aus! Noch einmal dreht der Pelikan vor der Küste der Galápagos-Inseln eine Runde durch die Luft – dann stürzt er aus zehn Meter Höhe herab und schießt mit angelegten Flügeln wie ein Pfeil ins Meer. Einen Moment lang sprudeln Luftblasen an die Oberfläche. Aber schon taucht der Vogel wieder auf. Und in dem gewaltigen Kehlsack unter seinem Schnabel zappelt heftig ein Fisch!

Wenn man einen Braunen Pelikan bei der Jagd beobachtet, fragt man sich automatisch: Wie schafft der das? Denn eigentlich ist der Vogel eine Ansammlung von unpraktischen Körperteilen. Stummelbeine. Ein bis zu vier Kilogramm schwerer Körper, der ohne Gegenwind kaum in die Luft kommt. Ein langer Hals, der den Kopf anscheinend nur mit Mühe trägt. Im Flug liegt er jedenfalls wie ein Fragezeichen eingezogen auf der Schulter, weil er sonst herabhängen würde.

fbb5e035a5cd24791f2317925c441474
Tierwelt
Vögel
Alles zum Thema Vögel haben wir auf dieser Seite von GEOlino.de für euch zusammengestellt.
e523852a35e8cd553862e1475f8f9855

Ein Pelikan hat einen Fisch entdeckt und schießt steil nach unten in das Wasser. Der Sturzflug ist ein schwieriges Manöver. Jungtiere müssen lange üben, bis sie mit der Technik erfolgreich jagen können

Zu allem Überfluss hat der Vogel auch noch eine Riesenklappe: Unter seinem Schnabel hängt ein dehnbarer Hautsack, in dem er locker den Inhalt von zehn Milchtüten unterbringen könnte. Nach jedem Tauchgang ist der Beutel so prall mit Wasser gefüllt, dass Abheben unmöglich ist. Auch den erbeuteten Fisch kann der Pelikan nicht gleich verschlingen: Eine volle Minute muss der Vogel das Wasser aus dem "Kescher" herauslaufen lassen, bis er seine Beute schlucken kann.

Pelikane sind Ruderfüßer

Zur Vogelgruppe der Ruderfüßer gehören Tiere, deren vier Zehen alle durch Schwimmhäute verbunden sind. Das ist besonders beim Abheben auf offenem Meer praktisch: Mit den Flossen spurtet der Vogel über die Wasseroberfläche und schlägt wild mit den Flügeln. Flap, flap, flap! Wieder und wieder. "Hör auf! Das klappt nicht!", möchte man schon rufen. Aber dann gelingt der Start doch. Eine Windböe erfasst den Sprinter und hebt ihn nach oben.

Braune Pelikane sind die kleinste der sieben Pelikanarten und die einzige, die ausschließlich am Meer lebt. Die Vögel besiedeln die Ost- und Westküsten Amerikas, von den USA im Norden bis nach Brasilien und Chile. Doch auch die Galápagos- Inseln, das Tierparadies 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, sind ein beliebter Brutplatz. In der Kolonie herrscht Lärm wie auf einem Kirmesfest. Überall auf den Felsen liegen Nester, in denen Junge mit weißbraunem Federkleid ein Höllenspektakel veranstalten.

Manche Laute klingen wie Schreien oder Kreischen. Andere wie Bellen, Schnattern oder Grunzen. Doch alle heißen nur eines: Wir haben Hunger! Ständig plumpsen Eltern in der Kolonie zu Boden, watscheln zum Nest und würgen Fisch hervor, den die Jungen gierig aus dem Schlund picken. Mehr als 25 Kilogramm Nahrung braucht jeder Schreihals, bis er nach 70 bis 85 Tagen flügge wird.

341239bba8c128b4b43597f7d497e8a2

Kugelrund: Nach zehn Wochen Dauerfuttern sind die jungen Pelikane oft schwerer als ihre Eltern. Bald werden sie das Nest in dem Mangrovenwald verlassen

Guano - der wertvolle Dünger

Wenn die Elterntiere nicht genug Sardellen und Sardinen heranschaffen, entbrennt schnell ein Kampf um Leben und Tod. In vielen Nestern überlebt von den zwei oder drei Küken, die aus den Eiern schlüpfen, nur das älteste und stärkste. Es drängt seine Geschwister beim Füttern einfach zur Seite, bis sie verhungern! Wo sich alles ums Fressen dreht, geht es nicht immer reinlich zu.

In Pelikankolonien ist der Boden übersät von dicken, weißen Kotklecksen. Dieser Abfall hat die Vögel in der Vergangenheit oft das Leben gekostet. Denn Einheimische sammelten den sogenannten Guano und verkauften ihn als wertvollen Dünger. Dabei zerstörten sie viele Brutplätze. Auch mit der Nahrung aufgenommene Umweltgifte und die Fischereiflotten, welche die Meere plündern, ließen die Zahl der Pelikane zurückgehen.

Immerhin haben sich die Bestände der Braunen Pelikane so weit erholt, dass Forscher die Art heutzutage für nicht mehr bedroht halten. Als der Nachmittag anbricht, geschieht in der Kolonie doch noch ein kleines Wunder. Die Jungen sind satt und halten die Klappe! Für einen Moment darf der Vater ausruhen. Ermattet lüftet er in der Hitze die Flügel und pumpt mit dem Kehlsack frische Luft in den überhitzten Körper. Und plötzlich wirkt sein Großmaul doch ungeheuer praktisch.

GEOlino-Newsletter