Tierlexikon Igel

Igel sind die häufigsten Säugetiere in Deutschland. Am liebsten fressen Igel Insekten, sie halten Winterschlaf und leben in der freien Natur. Aber auch im eigenen Garten könnt ihr Igeln begegnen!
Igel

Hattet ihr schon einmal einen Igel in eurem Garten?

Früh aufstehen liegt ihm nicht. Der Igel ist nicht nur ein Morgenmuffel, er verschläft den Tag komplett. Erst wenn es dämmert, wird er munter und kommt aus seinem Versteck.

Schnaubend macht er sich dann auf die Suche nach einem leckeren Frühstück. Seine Augen sehen zwar nicht gut, aber dafür hat er eine sehr feine Nase, die seine Lieblingsbeute wittert: Regenwürmer, Spinnen, Schnecken und Käfer.

Allgemeines zum Igel

Igel sind Säugetiere, deren Leibspeise Insekten sind. Auf der ganzen Welt gibt es 24 verschiedene Arten der kleinen Säuger. Der bekannteste Igel ist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Er lebt in fast ganz Europa und kommt sogar in Neuseeland vor, da er dort von Siedlern eingeschleppt wurde.

Igel werden bis zu 32 Zentimeter lang und wiegen zwischen 450 und 700 Gramm, wenn sie ausgewachsen sind. Das Gewicht hängt vom Alter und von der Jahreszeit ab. Die Farbe des Igels ist braun oder graubraun. Die Oberseite des Igels ist mit dicht aneinander sitzenden Stacheln bedeckt.

Am Kopf hat der Igel schwarze, runde Knopfaugen und ein-Zentimeter große Ohren, die von Fell bedeckt sind. Die Vorderbeine des Igels sind kürzer als die Hinterbeine. An den Pfoten befinden sich Krallen. Außerdem haben Igel einen zwei- bis viereinhalb-Zentimeter langen Schwanz.

Manchmal sieht man ihn auch spucken. Daran ist nicht etwa seine schlechte Erziehung schuld, sondern das "Jacobsonsche Organ". Das ist ein zusätzliches Geschmacksorgan, das am Gaumen sitzt. Wenn der Igel etwas findet, was er nicht sofort erkennt, beschnuppert er es und kaut darauf herum, bis schaumiger Speichel entsteht.

Den befördert er dann mit der Zunge zum Jacobsonschen Organ und das erkennt, ob es sich um eine leckere Schnecke oder doch nur ein weiches Stück Holz handelt. Der Igel ist jetzt schlauer und spuckt alles wieder aus.

Im Video: Igel - Jäger der Nacht

Was frisst ein Igel?

Igel haben ein breites Nahrungsspektrum: Neben Insekten, Regenwürmern, Schnecken und Spinnen fressen Igel auch Frösche, Eier, Schlangen, Eidechsen, Pilze und Larven von Nachtschmetterlingen. Hin und wieder verzehrt ein Igel sogar kleine Vögel. Den Winter über benötigt ein Igel keine Nahrung sondern zehrt von seinen Fettreserven, wenn er die kalten Monate im Winterschlaf überdauert.

Wie lebt ein Igel?

Als Lebensraum bevorzugen Igel Hecken, Gebüsche und Waldränder. Aber auch in der Stadt leben sie nicht selten. Dort halten sie sich gerne in Parks und Gärten auf. Igel sind nachtaktive Tiere, die erst in der Dämmerung rege werden. Den Tag verbringen sie allein in einem Nest, da sie Einzelgänger sind und nur zur Paarungszeit den Kontakt zu anderen Igeln suchen.

Igel auf der Wiese

Zusammengerollter Igel

Nachwuchs beim Igel

Die meisten kleinen Igel werden zwischen Juni und August gezeugt. Nach 35 Tagen Tragezeit bringt ein Igelweibchen zwei bis elf Igelbabys zur Welt. Neugeborene Igelsäuglinge haben zwar noch kein Fell, dafür aber schon etwa 100 Stacheln. Zum Vergleich: Ausgewachsene Igel besitzen etwa 7000 Stacheln.

Bei der Geburt sind die Igelsäuglinge etwa 20 Gramm schwer und fünf Zentimeter groß. 25 Tage bleiben die Igeljungen im Nest und werden etwa eineinhalb Monate lang von der Mutter gesäugt. Ihre bei der Geburt geschlossenen Augen und Ohren öffnen sich in dieser Zeit und den Jungigeln wachsen spitze Zähnchen. Auf nächtlichen Streifzügen lernen die kleinen Jungigel dann unter mütterlicher Aufsicht, selbst nach Insekten zu suchen.

Igel halten Winterschlaf

Sobald die Blätter bunt und die Tage kürzer werden, entwickeln Igel besonders großen Appetit. Entgegen ihrer Gewohnheit sind die Igel zu Beginn des Herbstes auch tagsüber sehr aktiv. Denn jetzt ist es Zeit, sich Winterspeck anzufuttern. Immerhin verlieren die Igel während des Winterschlafs 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts!

Im November sind die Igel dann fett und müde. Ein Versteck muss her. Laubhecken und Laubhaufen, Gestrüpphaufen oder Holzstapel sind beliebte Winterunterkünfte. Dort schlummern die Igel tief und fest bis zum Frühjahr in ihrem Winterquartier.

Während des Schlafes kühlt ihr Körper bis auf 5° Grad ab, sie atmen nur noch viermal pro Minute und ihr Herz schlägt ganz langsam. So verbrauchen sie sehr wenig Energie und können durchhalten, bis es wieder warm wird und neue Insekten herumkrabbeln. Erst wenn die Temperaturen wieder steigen, verlassen die Igel ihr Winterquartier.

So könnt ihr den Igeln helfen
Igel in Not
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Um am Ende des Jahres in den Winterschlaf gehen zu können, müssen Igel vorher den Herbst überstehen. Das ist oft nicht leicht, doch mit diesen Tipps könnt ihr helfen!

Was ist das Besondere an Igeln?

Igel haben eine besondere Fähigkeit, die ihnen oft das Leben rettet: Sie können sich einrollen. Droht Gefahr durch einen Fressfeind wie Steinadler, Marder, Fuchs, Uhu oder Dachs, rollt sich der Igel mit Hilfe seiner Muskeln zu einer Kugel zusammen.

"Bist du in Gefahr" so lernt jedes Igelkind, "musst du dich zusammenkugeln." Gleichzeitig werden die Stacheln aufgestellt. Ein erwachsener Igel besitzt bis zu 8000 davon. An so einen Stachelpanzer traut sich kein Feind. Von außen ist dieser stachelige Ball dann nur sehr schwer zu öffnen und die Fressfeine stehen ratlos vor der stacheligen Kugeln.

Trotzdem sterben die meisten Igel einen gewaltsamen Tod: Schätzungsweise 500.000 von ihnen werden jährlich auf deutschen Straßen überfahren. Dabei stimmt es übrigens nicht, dass Igel sich im Licht der Autoscheinwerfer einkugeln. Sie versuchen zu fliehen, sind aber leider nicht schnell genug.

Sind Igel gefährdet?

Igel gehören nicht zu den bedrohten Arten. Allerdings benötigen sie manchmal ein wenig Hilfe, wenn sich etwa die Jungen im Herbst noch nicht genug Speck angefuttert haben. Damit sie im Winter nicht erfrieren, werden Igel dann häufig von Tierheimen oder Wildtierstationen aufgenommen und sicher durch den Winter gebracht.

Zudem wohnen Igel besonders gerne in Gärten, weil sie dort viele lnsekten finden. Doch auch hier ist es der Mensch, der ihr Leben gefährdet. Viele Gartenbesitzer versprühen Insektengift um ihre Pflanzen vor gefräßigen Schnecken und anderen Schädlingen zu schützen. Wenn Igel diese vergifteten Tiere fressen, müssen sie selbst qualvoll sterben.

Igel an Wassertränke

Ein Igel an der Wassertränke

Igelfreundlicher Garten

Wer Igel in seinem Garten wünscht, sollte also weder Gift noch Kunstdünger verwenden. Auch Maschendrahtzäune sind gefährlich, weil Igelstacheln sich in ihnen verfangen können.

Ein paar Quadratmeter hohes Gras und Blumen ziehen Insekten an, was den Igel freut. Schlafen tut der Igel gern in Laubhaufen oder in und niedrigem Buschwerk. Wenn er dann noch einen flachen Gartenteich oder ein Wasserschälchen findet, an dem er seinen Durst löschen kann, wird er sicher gern öfter vorbeischauen.

Eine schöne Idee für die Wintermonate ist auch ein selbst gebauter Igelhaus! Wie ihr solch ein Haus bauen könnte, zeigen wir euch in einer Bauanleitung.

Was ihr außerdem für den Igel tun könnt:

  1. Bietet den Igeln Unterschlupfmöglichkeiten im Garten an, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen.
  2. Baut dem Igel ein Überwinterungsquartier für seinen Winterschlaf.
  3. Verzichtet auf exotische Gehölze im Garten - diese können giftig sein.
  4. Vermeidet Zäune, damit sich der Igel ohne Probleme fortbewegen kann.
  5. Passt auf beim Rasenmähen! Im Laub oder im hohen Gras könnte sich ein Igelnest verstecken!
  6. Deckt tiefe Gruben ab, damit die Kuhle nicht zur Igelfalle wird.
  7. Bringt eine Rettungsplanke am Gartenteich an, damit sich der Igel zur Not wieder aus dem Wasser retten kann.
  8. Vermeidet chemische Schädlingsbekämpfungsmittel oder Dünger im Garten - das ist Gift für die Igel!
  9. Sorgt für frisches Trinkwasser, zum Beispiel mit einer kleinen Tränke.

Steckbrief Igel:

  • Wissenschaftlicher Name: Erinaceus europaeus
  • Größe: 32 Zentimeter lang
  • Gewicht: 450 bis 700 Gramm
  • Lebensdauer: bis 7 Jahre
  • Lebensraum: Waldränder, Hecken, Wiesen in Europa und Asien
  • Ernährung: Insektenfresser, Eier, Obst, Pilze, Schlagen, Würmer
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