Meerestiere Quallen

Sie haben weder Gehirn noch Knochen und bestehen zu 98 Prozent aus Wasser: Eigentlich sind Quallen kaum mehr als bunter Glibber, der im Meer treibt. Trotzdem sind die rätselhaften Lebewesen hervorragende Jäger und können auch uns Menschen gefährlich werden
Gelbe Quallen

Tolles Farbspiel: Quallen gibt es in den unterschiedlichsten Farben

Solange man ihnen nicht zu nahe kommt, sind Quallen oft einfach nur schön. Dann schweben sie wie farbige Schirme durch das Meer, wobei sie eine Schleppe aus langen, zarten Fäden hinter sich herziehen. Manche der Tiere schimmern im Sonnenlicht rot, andere blau oder gelb. Einige sind gar durchsichtig oder leuchten nachts wie Laternen. Ab und zu pulsieren die feenhaften Wesen auch und hüpfen elegant durch das Wasser.

Wer jedoch näher mit Quallen zu tun hat, sagt meist: Die Viecher sind eine Plage! Sobald sie herantreiben, verlassen Badende fluchtartig das Wasser. Fischer beklagen, dass die Räuber Fische töten oder verdrängen. Sogar Atomkraftwerke und Flugzeugträger haben Quallen schon lahmgelegt: Sie schwammen zu Tausenden in die Kühlsysteme, bis diese verstopften und ausfielen.

Was sind Quallen eigentlich genau?

Wer sind diese Wesen? Quallen gehören zu einem der seltsamsten Tierstämme überhaupt: den Nesseltieren, zu denen zum Beispiel auch Korallen zählen. Zu den vier Klassen, die schwimmfähige Medusen ausbilden, zählen zum Beispiel die gefährlichen Würfelquallen und die Schirmquallen, die es auch in Nord- und Ostsee gibt. Quallen leben in allen Meeren und Ozeanen der Erde.

Schirmquallen

Zur Ordnung der Schirmquallen (Scyphozoa) gehören die Kranzquallen, die Fahnenquallen und die Wurzelmundquallen. Insgesamt gibt unter den Schirmquallen etwa 200 Schirmquallen-Arten, die in Ozeanen und Meeren leben. Die Schrimquallen sind die wahrscheinlich bekanntesten Vertreter der Quallen, da diese oft an die Strände und Küsten gespült werden.

Der Durchmesser des Quallen-Schirms kann bei großen Arten sogar bis zu zwei Meter betragen! Je nach Quallenart kann die Wirkung der Nesseln ihrer Tentakel unterschiedlich stark ausfallen.

Die Ohrenqualle

Die Ohrenqualle (wissenschaftlicher Name: Aurelia aurita) gehört zu den Schirmquallen. Sie ist in den Ozeanen und an den Küsten fast überall auf der Welt zu finden. Auch an Nord- und Ostsee ist die Ohrenqualle schon gesichtet worden, die einen hohen Salzgehalt im Wasser bevorzugt.

Die Rippenqualle

Die Rippenquallen verdanken ihrem Namen den kammartigen Plättchen, mit denen die namensgebenden "Rippen" bedeckt sind. Auch wenn sie augenscheinlich erstmal wie echte Quallen aussehen, gelten die Rippenquallen genau genommen gar nicht als echte Quallen. Sie besitzen zum Beispiel nicht die für Quallen typischen Nesselzellen.

Die Rippenquallen sind weltweit in den Ozeanen der Welt verbreitet. Auch in der Nordsee gibt es Quallenarten, beispielsweise die Seestachelbeere (Pleurobrachia pileus). Wie alt Rippenquallen werden können, ist nicht genau bekannt. Wegen ihres fragilen Körperbaus wird jedoch davon ausgegangen, dass diese Quallenart nicht sehr alt wird.

Wie sich Quallen vermehren

Quallen durchlaufen in ihrem Leben mehrere Stadien. Anfangs verläuft die Fortpflanzung der Nesseltiere fast wie bei Fischen: Weibliche Medusen geben Eier ins Wasser ab, männliche Medusen Samenzellen.

Quallen vermehren sich

1. Larven ; 2. Polypen; 3. Ephyra; 4. Meduse

  1. Treffen sich beide, werden die Eier befruchtet, und es bilden sich Larven.
  2. Diese setzen sich am Boden fest und verwandeln sich dort in Polypen, die mehrere Jahre heranwachsen können.
  3. Schließlich löst sich ein millimeterkleiner Teil des Polypen ab, die Ephyra.
  4. Sie wächst in der Folgezeit zur Meduse heran.

Größe und Gewicht von Quallen

Während die kleinsten Quallen nur einen Schirmdurchmesser von einem halben Millimeter haben, werden japanische Nomura-Quallen bis zu zwei Meter groß und bringen dann 200 Kilogramm auf die Waage. Die Tentakel mancher Quallenarten erreichen weit über 30 Meter Länge.

Wie alt wird eine Qualle?

Üblicherweise wird eine Qualle zwischen wenigen Stunden und mehreren Monaten alt. Eine Ausnahme bildet hier jedoch die Quallenart Turritopsos Nutricula.

Diese Qualle lebt wesentlich länger, um genau zu sein, stirbt sie überhaupt nicht. Stattdessen setzt sie sich, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hat, auf dem Meeresboden fest und bildet ihre hoch spezialisierten Nerven- und Nesselzellen zurück: Sie wird wieder zum Polypen. Dieser bildet dann sämtliche Zellen neu aus und entwickelt sich schließlich wieder zur Qualle.

Sie wird also immer wieder jung und macht sich so unsterblich. Zumindest theoretisch. Denn die nur fünf Millimeter große Qualle ist eine beliebte Nahrung für Fische. Besonderes Interesse wecken diese Winzlinge bei Wissenschaftlern. Denn anhand der Rundumerneurung lassen sich Alterungsprozesse untersuchen, die alle Tierarten betreffen.

Körperbau der Medusen

Medusen können schwimmen. Doch mit Meeresbewohnern wie Fischen haben sie trotzdem fast nichts gemein: Die Nesseltiere haben weder ein Gehirn, um zu denken, noch Herz, Blut oder Lunge. Keine Zähne und kein Skelett, das den Meeresbewohnern Form verleiht. Werden sie an den Strand gespült, liegen die Nesseltiere dann da wie ein Haufen Glibber.

Ist ja klar, schließlich bestehen unglaubliche 98 Prozent des Quallenkörpers aus Wasser! Der kümmerliche Rest in Form von zwei Prozent: zwei dünne Hautschichten, zwischen denen ein wabbeliger Klumpen steckt. Ein paar Mundarme und Tentakel. Und auf einer Unterseite gibt es noch einen dünnen Sack, den Magen, mit einer Öffnung, die man als Mund bezeichnen kann, weil die Qualle damit Nahrung aufnimmt. Oder als Hinterteil. Weil der Rest dort auch wieder hinauskommt.

Körperbau Qualle

1 Außenhaut; 2 Innenhaut; 3 Mage; 4 Mesogloea; 5 Kanäle; 6 Schirmrand; 7 Tentakel; 8 Mundarme; 9 Magensitel; 10 Mund

Quallen sind sehr einfach aufgebaut: Ihre Oberfläche bilden zwei dünne Hautschichten, die Außenhaut und die Innenhaut, die den Magen auskleidet. Der Raum dazwischen wird von einer glibbrigen Schicht, der Mesogloea gefüllt.

Vom Magen gehen zahlreiche Kanäle zum Schirmrand ab, in dem die Sinneszellen liegen. Sie nehmen Schwerkraft und Licht wahr. Ebenfalls am Schirmrand festgemacht sind die Tentakel mit den giftigen Nesselzellen. Im Inneren des Schirms liegen die Mundarme , die Nahrung zum Magenstiel mit dem Mund befördern.

Die Jagd nach Nahrung: Was fressen Quallen?

Quallen zählen zu den erfolgreichsten Räubern der Meere – dank ihrer unnachahmlichen Jagdtechnik: Die Nesseltiere lassen sich einfach mit den Meeresströmungen herumtreiben. Und wenn ihnen etwas in den Weg kommt, setzen sie es mit ihren Tentakeln außer Gefecht.

Auf diesen langen Fäden sitzen sogenannte Nesselzellen, die bei Berührung platzen und winzige Giftharpunen hervorschießen lassen. Ist das Opfer gelähmt, stopft es die Qualle mit ihren Armen in den Mund. Auf diese Weise verputzen die Jäger so ungefähr alles, was nicht zu groß ist: Von tierischem Plankton über Fischeier und anderen Quallen bis hin zu kleinen Krebsen und Fischen.

Moasik Qualle

Mosaik-Qualle

Sind Quallen gefährlich?

Selbst für Menschen können solche Treffen mit Quallen gefährlich werden: Streift man mit dem Bein über die Tentakel einer Feuerqualle, die es auch in der Nordsee gibt, sieht die Haut danach oft aus wie verbrannt. Manche Arten in den Tropen wirken sogar tödlich. Die australische Seewespe etwa ist mit so viel Gift vollgepumpt, dass sie 250 Menschen erledigen könnte!

Kein Wunder, dass auch Fischer Panik bekommen, wenn Quallen in Schwärmen heranwabern. So wie 2007, als ein Teppich aus Milliarden Leuchtquallen das Meer vor Irland rot färbte und in einer einzigen Fischfarm mehr als 100.000 Lachse tötete. Manche Forscher befürchten, dass sich Quallen in Zukunft noch mehr ausbreiten könnten – auch durch die Schuld der Menschen: Die transportieren die Plagegeister in den Wassertanks ihrer Schiffe nämlich oft in fremde Meere, die sie sonst nie erreichen würden. Dort breiten sich die Einwanderer nicht
selten explosionsartig aus.

Die Seewespe: Giftigste Qualle weltweit

Die Berührung mit der Seewespe (Chironex fleckeri) läuft selten glimpflich ab. Die Seewespe ist das giftigste Meerestier und wahrscheinlich eines der giftigsten Lebewesen überhaupt. Das Gift von nur einer Seewespe reicht aus, um 250 Menschen zu töten. Dabei hat ihr Schirm nur die Größe eines Fußballs!

Kommt unsere Haut mit den etwa zwei Meter langen Tentakeln der bläulich schimmernden Qualle in Kontakt, spritzen die Nesseln das Gift in unsere unsere Haut, so dass es in die Nervenzellen gelangt. Zurück bleibt ein Strickleitermuster, das sich meist durch mehrere Hautschichten brennt.

Das Gift der Seewespe lähmt die Muskeln und führt im schlimmsten Fall zu Atem- und Herzstillstand. Inzwischen haben Wissenschaftler ein Gegengift entwickelt. Allerdings muss es sehr schnell verabreicht werden, da das Quallengift der Seewespe ansonsten innerhalb weniger Minuten zum Tod führen kann.

Die Seewespe lebt hauptsächlich im Pazifik. An Stränden rund um Australien werden zum Teil Netze angebracht, um die Badenden vor ihrem tödlichen Gift zu schützen. Die Quallen sind hervorragende Schwimmer, die im Normalfall größeren Lebewesen – also auch Menschen – ausweichen. Denn eigentlich sind sie eher auf kleinere Beute wie Garnelen und kleine Fische aus.

Lässt sich die Verbreitung der Quallen stoppen?

Wissenschaftler haben viele Ideen: Manche wollen die Quallen mit blubbernden Luftblasen von Fischfarmen fernhalten. Andere entwickeln Tauchroboter, die die Nesseltiere zerhäckseln. Oder versuchen, den Weg von Schwärmen vorherzusagen. So wie Meteorologen das mit Stürmen machen. Ob das gelingt, weiß noch niemand.

Macht gar nichts, sagen wiederum andere. Sie verweisen darauf, dass sich selbst die größten Quallenschwärme immer wieder wie von Geisterhand auflösen. Und dass die Tiere auch ihre nützlichen Seiten haben: Sie dienen Fischen und Schildkröten als Nahrung und sind obendrein gut für das Klima: Quallen verputzen Unmengen an Plankton.

Das wiederum ernährt sich von Algen, die an der Meeresoberfläche Kohlendioxid aufnehmen. Kosmetikfirmen lieben die Wabbeltiere außerdem, weil sie mit Kollagen vollgepumpt sind. Das Eiweiß steckt in Medikamenten und Schönheitsmittelchen.

In asiatischen Restaurants haben es Quallen sogar auf die Speisekarte geschafft: Frittierte Glibbertiere gelten dort als Delikatesse.

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