Tierlexikon Stachelschweine

Sie sehen aus wie eine Mischung aus Meerschwein und Mikado-Spiel: die Stachelschweine. Eigentlich sind sie scheu und friedlich. Nur wenn sie geärgert werden - dann fliegen schon mal die Stacheln...

Kann man Stachelschweine knuddeln?

Wenn Fix und Foxi angetrabt kommen, ihrem Pfleger die dicken Schnauzen entgegenrecken und ihn beschnuppern, dann hat Uwe Meckel oft große Lust, die beiden zu knuddeln. "Aber das geht leider nicht", sagt der Tierpfleger vom Circus-Krone-Zoo, "denn Stachelschweinstacheln sind spitz wie Nadeln und tun höllisch weh!"

Nur in ihren haarigen Gesichtern könnte man die Tiere streicheln, ohne sich zu stechen. Aber das mögen sie nicht. Denn um Augen und Schnauze wachsen ihre empfindlichen Tastborsten, die ihnen helfen, sich in ihren dunklen Höhlen bestens zurechtzufinden.

Abwehrtricks gegen Feinde

Also sollte man Fix und Foxi lieber in Ruhe lassen. Wenn man aber eines der schüchternen Tiere trotzdem bedrängt, dann dreht es einem einfach das Hinterteil zu und stellt seine Stacheln auf. Dafür sorgen extra Muskeln im Rücken. Eine Abwehrtechnik, durch die das Nagetier größer und bedrohlicher wirkt, als es eigentlich ist.

Sollte das aber nichts nützen, folgt Abwehrtrick Nummer zwei: Das Stachelschwein schüttelt seine Schwanzstacheln! Die haben am Ende hohle Kapseln. Werden diese "Rasselbecher" gegeneinander geschlagen, ertönt ein klapperndes Alarmsignal. Damit versucht das Stachelschwein, seine Angreifer einzuschüchtern.

Sogar Uwe Meckel hält einige Meter Sicherheitsabstand, wenn Fix oder Foxi sich schütteln. Es kann nämlich durchaus passieren, dass den Riesennagern dabei Stacheln wegfliegen. Und die können so einen Zahn draufhaben, dass sie sich in Holzplanken oder in die Hosenbeine eines Zoopflegers bohren!

Stachelschweine haben gute Essmanieren

Als ich Fix und Foxi in München besucht habe, lagen die beiden allerdings gemütlich auf dem Bauch und faulenzten. Als nachtaktive Tiere dösen Stachelschweine tagsüber die meiste Zeit. Dann aber begann Foxi genüsslich an einer Kartoffel zu nagen, die sie mit ihren Vorderpfoten festhielt. Wie kräftige kleine Hände mit vier Fingern sehen die aus. Der Daumen ist verkümmert und kaum zu erkennen. Fix hatte eine Banane in den Händen und leckte an ihr wie an einem Lutscher.

Alle Stachelschweine, auch die frei lebenden, würden so manierlich fressen, versichert Uwe Meckel. Manchmal kämen Eltern extra mit ihren Kindern hierher, erzählt er, damit die sich an den Essmanieren der Stachelschweine ein Beispiel nehmen!

Stachelschweine und Hausschweine

Übrigens: Stachelschweine sind nicht mit den rosa Hausschweinen verwandt! Das Stachelschwein heißt nur so, weil seine rundlichen Formen ein wenig an ein Ferkel erinnern. Es ist aber, ebenso wie das Meerschweinchen, ein Nagetier, und zwar nach dem Biber das zweitgrößte in Europa! Immerhin werden die Nager etwa 75 Zentimeter lang und rund 18 Kilogramm schwer. In menschlicher Obhut können sie bis zu 18 Jahre lang leben, in der freien Natur vielleicht 15.

Wasilde Stachelschweine futtern

In Italien, wo noch wilde Stachelschweine leben, habe ich mir auch noch welche angeschaut. An der Westküste Italiens, zwischen Pisa und Rom, liegt der Naturpark Parco naturale della Maremma - ein Paradies für die Nager: Sie lieben die mit dichtem Buschwerk bedeckten felsigen Abhänge über dem Tyrrhenischen Meer, wo sie Rosmarinwurzeln ausbuddeln, Eicheln und wilden Fenchel futtern.

Ab und zu ärgern sie die Weinbauern der Gegend, wenn die Tiere sich nachts durch Schlupflöcher in den Mauern drücken und sich den Bauch mit Trauben vollschlagen.

Ihre Wohnhöhlen graben sich die Stachelschweine zwischen Felsen. Hier bringen die Weibchen pro Jahr ein bis zwei Junge zur Welt. Die Eltern betreuen ihre Kleinen sehr liebevoll. Sie werden beim Schlafen in die Mitte zwischen Mutter und Vater Stachelschwein gesteckt, damit sie es schön warm haben. Nach ein bis zwei Jahren sind sie ausgewachsen und verlassen die Eltern, um eine eigene Familie zu gründen.

Doch leider bin ich in Italien keinem einzigen Stachelschwein begegnet. Die Tiere sind allzu scheu und wagen sich erst in der Abenddämmerung aus ihren Verstecken. Immerhin habe ich vor einem ihrer Baue ein paar wunderschöne schwarzweiß geringelte Stacheln gefunden und mit nach Hause gebracht.

Abstecher in die Freiheit

Auch Fix und Foxi werden erst gegen Abend so richtig aktiv. Dann jagen sie sich treppauf, treppab durch ihren mehrstöckigen Stall, galoppieren und hüpfen durchs Gehege. Und wenn der Zirkus einmal auf weichem Gelände, zum Beispiel auf einer Wiese, aufgebaut wird, erwachen in Fix und Foxi sofort die angeborenen Instinkte. Dann fangen die beiden an zu buddeln. Und Uwe Meckel muss immer aufpassen, dass sie sich nicht einen Tunnel in die Freiheit schaufeln!

Einmal haben sie es tatsächlich geschafft auszubrechen. Mit ein paar Männern hat Uwe versucht, sie wieder einzufangen. Aber die Nager waren so fix, dass sie kaum zu fassen waren. Außerdem mussten die Männer wegen der Stacheln natürlich sehr vorsichtig sein.

Also haben sie Fix und Foxi schließlich mit vorgehaltenen Besen in ihr Gehege zurückgetrieben. Hinterher waren die Besen mit Stacheln regelrecht gespickt! Von denen hat mir Uwe Meckel ein paar geschenkt. Und wenn ich die noch zu den Stachelschwein-Piksern aus Italien füge, hab ich schon fast ein ganzes Mikado-Spiel beisammen.

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