Redewendung Am seidenen Faden hängen

Am seidenen Faden hängen

Hängt etwas "am seidenen Faden", ist es in Gefahr und nicht sicher

"Juhu! Nun noch eine Fünf und ich habe gewonnen!", ruft Svenja und trommelt aufgeregt mit ihren Fingern auf das "Mensch ärgere dich nicht"-Spielbrett. Eine einzige rote Figur fehlt in ihrem Häuschen und diese steht nur ein paar Felder vor dem Ziel. "Na warte, dein Sieg hängt am seidenen Faden! Wenn ich jetzt eine Zwei würfele, schmeiße ich dich raus", sagt Svenjas Vater und lässt den Würfel gefährlich lange in seiner Hand hin und her rollen.

Wenn etwas am seidenen Faden hängt, ist es in Gefahr und nicht sicher. Es hängt - bildlich gesprochen - an einem sehr dünnen Faden, der jederzeit zu reißen droht. Da die Spielfigur von Svenjas Vater nur zwei Felder hinter der Svenjas steht, ist das Risiko groß, dass er ihre Spielfigur kurz vor Spielende doch noch rauswirft.

Die Redewendung "Am seidenen Faden hängen" stammt aus einer Geschichte um den griechischen Höfling Damokles: Damokles beneidete seinen Herren, den Tyrannen Dionys von Syrakus, um dessen Macht und umschmeichelt ihn mit den Worten, Dionys sei sicher der glücklichste Mensch auf Erden. Um Damokles eine Lehre zu erteilen, heckte Dionys einen Plan aus: Er bot Damokles an, an seiner Stelle den königlichen Platz an der Tafel einzunehmen.

Heimlich aber ließ Dionys über Damokles ein Schwert aufhängen, das nur an einem dünnen Faden hing. Damit wollte er seinem Höfling aufzeigen, welche Gefahren mit einer solch mächtigen Position verbunden sind. Als Damokles beim Essen zufällig nach oben schaute und das Schwert entdeckte, verging ihm vor lauter Angst der Appetit und er räumte sofort den Platz.

In Svenjas Fall hat der Faden aber gehalten: Ganz knapp gewinnt sie das "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel und tanzt ausgelassen um ihren Vater herum.

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