Redewendung Ein Bäuerchen machen

Ein Bäuerchen machen

"Mama, warum klopfst du Lea immer auf den Rücken, nachdem du sie gestillt hast?", fragt die siebenjährige Marie, während sie ihre Mutter beim Füttern der kleinen Schwester beobachtet. "Na, damit sie ein Bäuerchen macht", erklärt die Mutter.

Wenn ein Säugling oder ein kleines Kind nach dem Essen aufstößt, dann nennt man das "ein Bäuerchen machen". Bei Erwachsenen dagegen würde man das schlicht als "Rülpser" bezeichnen. Denn was bei Babys gewollt ist und als "Bäuerchen" verniedlicht wird, ist bei den Größeren verpönt und gilt als schlechtes Verhalten. Doch das war nicht immer so.

Im Mittelalter war es noch gang und gäbe, in aller Öffentlichkeit zu schmatzen, rülpsen oder auch einmal einen fahren zu lassen. Der Kirchenreformator Martin Luther (1483-1546) soll in diesem Zusammenhang sogar gesagt haben: "Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?"

Doch irgendwann wurde es schick, sich vornehmer zu verhalten. Die bürgerlichen Schichten in den Städten begannen im 19. Jahrhundert immer mehr Verhaltensweisen von den Adeligen abzuschauen – nicht zuletzt, um sich von den groben, ungeschliffenen Bauern abzugrenzen.

Körpergeräusche wurden zum Tabu – nur nicht für Säuglinge. Man wusste auch damals, dass für Babys das Rülpsen unerlässlich und wichtig für die Verdauung ist. Zudem klappt bei Säuglingen das Zusammenspiel von Luft- und Speiseröhre noch nicht fehlerfrei, so dass regelmäßiges Aufstoßen unvermeidbar ist. Um es weniger garstig erscheinen zu lassen, nannte man die Rülpser der Babys von nun an also entschuldigend "Bäuerchen", also "kleiner Bauer". Denn nur Babys – und rüpelhaftes Bauernpack – dürfen ungestraft in der Öffentlichkeit rülpsen.

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