Vor Neid platzen

Auf dem Schulhof hatte sich eine wahre Menschentraube um Veronica gebildet. Nach einem Jahr als Austauschschülerin in Australien war die Elftklässlerin an ihr altes Gymnasium zurückgekehrt und genoss es sichtlich, ihren zahlreichen Zuhörern von den Abenteuern im australischen Outback zu berichten. "Siehst du, wie braungebrannt die ist?", flüsterte Martine ihrer besten Freundin Dilek zu. "Ich könnte vor Neid platzen!"

"Besser nicht", sagte Dilek lachend, "Nicht, dass du noch so endest wie der aufgeblasene Frosch!" Als Martine sie nur verdutzt anschaute, erklärte Dilek: "Hast du im Deutschunterricht nicht aufgepasst? Wohin zuviel Neid führen kann, davor warnt doch schon die Geschichte des römischern Fabeldichters Phaedrus:

Ein eitler Frosch traf auf einer saftigen Wiese eine grasende Kuh. Neidisch auf ihre Größe plusterte der Frosch seine Backen auf. Natürlich war alle Mühe vergebens: Die Kuh blieb unangefochtener Sieger im ungleichen Größenwettbewerb. Doch der störrische Grünling wollte seine Niederlage nicht einsehen: Immer mehr Luft pumpte er in seinen kleinen Körper hinein. So viel, dass er schließlich mit einem lauten Knall platzte. Peng!

Martha schüttelte sich, als vor ihrem geistigen Auge kleine, grüne Fetzen in alle Richtungen flogen. "Besser nicht", sagte sie und wandte ihren Blick von der sonnengebräunten Veronica ab. "Dann bleibe ich doch lieber etwas blasser."

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