Redewendung Mit dem Klammerbeutel gepudert

Mit dem Klammerbeutel gepudert

Nur ein dummer Müller würde sich so mit Mehl bepudern!

Ein eisiger Morgen im Januar. Die Straße ist glatt wie eine Schlittschuhbahn. Und Annette ist spät dran zur ersten Stunde. So schlittert sie mit ihrem Fahrrad gefährlich nah an eine Passantin heran, die nun sichtlich entrüstet ist: "Ja, bist du denn mit dem Klammerbeutel gepudert?"

Drohend hebt diese ihre Einkaufstüten und trippelt wutschnaubend über die Eisdecke davon. Annette kommt dann zwar noch rechtzeitig zur Schule, aber dieser seltsame Ausruf beschäftigt sie den halben Vormittag. Ein Klammerbeutel..?

Was ist denn ein Klammerbeutel?

Für eine Erklärung des Spruchs müssen wir uns in die Zeit der Müller hineindenken. Damals gab es in Mühlen Mehlkästen mit Beuteln. Dort hinein kam das frisch gemahlene Korn. Dann wurde der Beutel durchgerüttelt, so dass das fein gemahlene Mehl durch den Beutelstoff hindurch in den Mehlkasten fiel. Der Beutel war demnach nichts anderes als ein Sieb für Weißmehl.

Wenn nun aber ein dummer Müller den Mehlkasten während des Mahlvorgangs öffnete, staubte es gewaltig und sein Gesicht ward weiß gepudert. Das sah nicht nur dämlich aus, sondern war auch gefährlich, denn in der Luft verteilter Mehlstaub kann leicht Feuer fangen. So etwas nennt man eine Staubexplosion. Mit anderen Worten: Wer mit dem Klammerbeutel gepudert ist, muss ein ziemlicher Trottel sein.

Eine zweite Deutung der Redensart ist, dass der Klammerbeutel einen Sack voll Wäscheklammern meint. Wer sich statt der Puderquaste diesen ins Gesicht oder auf den Kopf schlägt, der trägt wohl einen kleinen Dachschaden davon.

Doch egal was die genaue Erklärung des Klammerbeutels ist - man sollte vorsichtig sein, wen man so beschimpft. Denn wer nicht versteht, dass es sich auf Eis schwer bremsen lässt, bei dem sind Hopfen und Malz verloren.

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