Redewendung Im Trüben fischen

Wenn man im Trüben fischt, versucht man, sich auf unbekanntem Gebiet zurechtzufinden. Doch das ist nicht die einzige Deutungsmöglichkeit. Mehr dazu gibt’s hier

In der Klasse 5b herrscht derzeit Verwirrung. Der Biolehrer hatte einen Autounfall und kann nicht unterrichten. Nun weiß keiner, wie es mit dem Biounterricht weitergehen soll. Eigentlich sollten schon letzte Woche die Themen für die Referate vergeben werden. Die strebsame Claudia weiß genau, was sie will: Das Thema "Hunde". Das Problem dabei ist nur, dass auch viele andere dieses Thema bearbeiten möchten. Da kommt ihr eine Idee. Da es keinen Ansprechpartner gibt, beschließt sie, direkt mit dem Schulleiter zu sprechen, vielleicht kann er sie für das Thema vormerken.

"Du, Claudia", fragt da ihr Klassenkamerad Paul, "weißt du schon, welches Thema du machst? Und weißt du, an wen wir uns wenden müssen?" "Nein, keine Ahnung. Über ein Thema hab' ich mir keine Gedanken gemacht. Und da wir keinen Lehrer haben, können wir uns auch an niemanden wenden." Direkt nach dem Gespräch geht sie zu Schulleiter Klausen. "Herr Klausen, der Biolehrer ist doch krank und wir sollten uns Referatsthemen überlegen. Können Sie mich für das Thema 'Hunde' vormerken?" "Ach Claudia, momentan weiß keiner, was los ist und du fängst hier an im Trüben zu fischen. Findest du das gerecht?" Fischen? Claudia wollte doch das Thema "Hunde".

Wer im Trüben fischt, nutzt unklare Verhältnisse zum eigenen Vorteil aus. Claudia versucht sich ihr Lieblingsthema zu sichern, indem sie die Verwirrung der anderen ausnutzt. Die Redensart kommt ursprünglich wohl tatsächlich vom Fischfang. Wenn die Fischer im seichten Wasser Aale fangen wollten, haben sie den Schlamm aufgewühlt und dadurch die Fische verwirrt. Sie konnten dann einfach zugreifen. Es gibt noch eine aktuellere Auslegung dieser Redewendung: Wer im Trüben fischt, der befindet sich auf unbekanntem Gebiet und versucht auf gut Glück sein Ziel zu erreichen.

Claudia sieht ein, dass ihr Vorgehen nicht fair war. Sie will ihre Freunde nicht verlieren. Vielleicht kann man das Thema ja auch in einer Gruppenarbeit behandeln. Und tatsächlich: Als der Biolehrer wieder gesund ist, verkündet er, das fünf Schüler sich mit dem Thema Hund auseinandersetzten dürfen. Claudia und Paul sind beide in dieser Gruppe.

Im Trüben fischen

Wer im Trüben fischt, der nutzt eine undurchsichtige Situation zu seinem Vorteil aus und hintergeht damit andere

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