Auf Holz klopfen

Jana und Finn haben ihre Hausaufgaben gerade fertig, da kommt ihre Mutter in die Küche. "Wir müssen los, zieht eure Schuhe an", ruft sie im Vorbeigehen. Heute steht ein Krankenbesuch an. Denn Oma Clara ist von ihrer Kellertreppe gestürzt und musste an ihrem Oberschenkel operiert werden. Nach einem kurzen Stopp beim Blumenladen kommt die Familie im Krankenhaus an. "Hallo ihr Lieben!" begrüßt die Oma sie mit einem müden Lächeln. Dann erzählt sie von ihrer Operation und , dass alles gut gelaufen sei. "Wenn weiterhin alles gut läuft, kann ich in einer Woche aus dem Krankenhaus!" erzählt Janas Oma freudig und fügt hinzu: "Ich klopfe auf Holz!" Jana und Finn gucken sich fragend an. Was meint ihre Oma denn damit?

Auf Holz klopfen

Wer in die Röhre schaut, geht leer aus

Wenn jemand "auf Holz klopft", will er damit das Glück, das er gerade hat, besiegeln. Warum gerade die Geste, auf Holz zu klopfen, als glückbringend empfunden wird, hat einige Gründe. Eine Erklärung für die Entstehung der Redewendung stammt aus dem Christentum. In dem Zusammenhang wird das Holz mit dem Kreuz in Verbindung gebracht, an dem Jesus Christus gestorben ist. Im Mittelalter boten viele Kirchen ein kleines Stückchen Holz an, das sie als Teil von Jesus' Kreuz verkauften. Man erzählte sich, dass es Glück bringt, dieses Stück Holz zu berühren.

Eine andere Erklärung für die Redewendung "Auf Holz klopfen" stammt aus der Zeit, in der Menschen noch in Holzhäusern lebten. Wenn sie sich darüber unterhielten, wie glücklich sie waren und wie gut es ihnen ging, klopften sie danach an eine Wand ihres Hauses. Das sollte ihre Sätze übertönen, um keine bösen Geister anzulocken. Diese – so sagte man zu der Zeit – wurden nämlich durch das Glück der Menschen angezogen und wollten es vernichten.

Die dritte Erklärung entstammt einem völlig anderen Themenfeld, dem des Bergbaus. Oft waren die unterirdischen Stollen, in denen Bergarbeiter arbeiteten, mit Holzstreben und hölzernen Säulen gebaut. Bevor die Arbeiter einen Stollen betraten, sollen sie auf das Holz geklopft haben, um zu testen, ob die Konstruktion noch stabil ist. Ertönte ein dumpfes, tiefes Geräusch, bedeutete es, dass die Pfähle morsch waren. So einen Stollen betraten sie nicht. Ergab das Klopfen einen hellen Ton, wussten die Bergarbeiter, dass das Holz stabil und trocken war. Sie konnten den Stollen ohne Angst betreten.

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