Redewendung Eine Schnapsdrossel sein

Trinken Drosseln tatsächlich gern Schnaps? Wir erklären euch die Redewendung und ihren Ursprung
Eine bunte Drossel

Die Drossel hat mit der Redewendung "eine Schnapsdrossel sein" eigentlich gar nichts zu tun - bis auf die Namensverwandtschaft..

Von Drosseln und Schnapsdrosseln

Das Familienfest ist in vollem Gange und Emmas Familie in bester Stimmung. "Auf unsere Familie und darauf, dass alle so gesund und munter bleiben mögen!", ruft Tante Christiane laut in die Runde und hebt, schon leicht schwankend, ihr Sektglas.

Zustimmendes Nicken und Prosten geht durch den Raum während die Erwachsenen ihre Gläser erheben. Emmas Cousine Leonie stupst sie von der Seite an und flüstert feixend: "Tante Christiane ist aber heute wieder eine ganz schöne Schnapsdrossel, was?"

Emma betrachtet ihre schon etwas angetrunkene Tante am anderen Ende des Tisches und lacht: "Tante Christiane ist eine Drossel?" - "Nein, keine Drossel. Eine Schnapsdrossel!", antwortet Leonie.

Wie der Ausdruck "Schnapsdrossel" entstand

Tiere sind immer für eine Überraschung gut! So gibt es zum Beispiel Hinweise darauf, dass ab und zu auch manche Tiere gern dem Alkohol zusprechen. In der Slowakei berauschen sich Braunbären vor der Kälte zum Beispiel mit Fallobst-Äpfeln, die vergoren und somit alkoholhaltig sind.

Und doch ist eine Herleitung von der "Drossel" zu menschlichen "Schnapsdrossel" in diesem Sinne falsch. Denn mit der "Drossel" ist bei der Redensart nicht der Vogel gemeint, sondern die Kehle: Wenn ein Gewalttäter einen Menschen "er-drosselt", drückt er ihm die Kehle zu.

"Drossel" hatte bis ins 19. Jahrhundert die Bedeutung von "Kehle". Und "Schnaps" meint in diesem Zusammenhang auch nicht den Alkohol, sondern leitet sich aus dem niederdeutschen "Snaps" her, das im Sinne von "schneller Schluck" gebräulich war.

"Schnapsdrosseln" sind damit also eine rein menschliche Spezies und bezeichnen Menschen, die gern zu viel Alkohol trinken und dann in einen Rausch verfallen. Die Bezeichnung "Du Schnapsdrossel!" wird auch gern im scherzhaft gebraucht, wenn jemand bereits etwas angetrunken ist - so, wie Emmas Tante in unserer Geschichte.

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Redewendungen
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